Für rund 20 Millionen Euro hat ein Schweizer Investor in Leinzell den "Wohnpark an der Lein" geschaffen: Doch von über 50 Eigentumswohnungen ist bisher nur eine einzige verkauft worden.
Stand: 27.09.2026, 12:12 Uhr

Für rund 20 Millionen Euro hat ein Schweizer Investor in Leinzell den "Wohnpark an der Lein" geschaffen: Doch von über 50 Eigentumswohnungen ist bisher nur eine einzige verkauft worden.
Leinzell. Er sollte ein Prestigeprojekt werden, doch momentan erscheint er eher als Fehlinvestition: Seit rund anderthalb Jahren wartet der große "Wohnpark an der Lein", den ein Schweizer Investor im Zentrum der 2000-Einwohner-Gemeinde bauen lassen hat, darauf, dass dort endlich Leben einzieht.
Doch: Auch nach dieser langen Zeit ist dort gerade einmal eine einzige der rund 50 Wohnungen verkauft worden, wie Leinzells Bürgermeister Marc Schäffler auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt. Als "grün, energieeffizient, komfortabel", wird das Großprojekt, welches mit seinen acht weißen Gebäuden ortsbildprägend ist und in fußläufiger Nähe zum Marktplatz und Geschäften des täglichen Bedarfs eigentlich durchaus attraktiv erscheint, im Internet beworben. "Uns ist es wichtig, den Wohnpark auch mit Leben zu füllen“, hatte der zuständige Vertriebsleiter beim Richtfest im April 2024 noch erklärt.
Flaute statt BezugWoran liegt es also, dass die zum Verkauf stehenden Wohnungen – und auch die rund fünf integrierten Gewerberäumlichkeiten – in den jeweils dreistöckigen Trakten mit Penthouse auf dem Dach keine Abnehmer finden? Am Anfang sah es jedenfalls recht vielversprechend aus: "Im Wohnpark an der Lein sind 20 Wohnungen fest reserviert", titelte diese Redaktion im März 2025 – keine Fehlinformation, wie der Rathauschef sagt. Die Reservierungen hätten vorgelegen. Allein: Eingezogen in die schmucken Immobilen ist letztlich davon so gut wie niemand.
Der Leerstand stimmt auch Marc Schäffler zunehmend ungeduldig: "Das habe ich mir anders vorgestellt", sagt der Bürgermeister. Und: Der Schweizer Immobilieninvestor müsse "schauen, dass er das Ding jetzt belegt bekommt". Dass es bislang genau daran hapert? Diesbezüglich identifiziert der Leinzeller Verwaltungschef hauptsächlich zwei Gründe. Erstens: Die Objekte stehen ausschließlich zum Verkauf – und nicht zur Miete.
Offenbar deutlich zu teuerMehrfach habe er diesbezüglich das Gespräch mit dem Bauherrn gesucht, sagt Schäffler. Denn: "Wenn man es zur Miete freigeben würde, hätte man es sofort los." Schließlich sei die Nachfrage vor Ort nach Mietwohnungen groß. "Wir haben pro Woche mindestens drei Anrufe im Rathaus." Doch bislang bestehe man aufseiten der Verantwortlichen darauf, die Objekte ausschließlich zum Kauf anzubieten.
Der zweite Kritikpunkt: die Preisgestaltung. 5000 bis 6000 Euro pro Quadratmeter – und damit einen für örtliche Verhältnisse äußerst üppigen Preis – müssten die Interessenten im "Wohnpark" berappen. Viel zu viel, um als attraktives Investment zu erscheinen: Das finden offenbar nicht nur die Bürger, sondern eben auch der Bürgermeister. "Bei uns auf dem Land bewegt sich der Preis in Neubauten halt bei 3600 bis 4000 Euro."
Immobilien-Projekt im Detail: Das ist der "Wohnpark an der Lein"Acht dreistöckige Häuser wurden auf dem Areal in der Ortsmitte – zwischen Austraße, Gmünder Straße und Lein – seit Juni 2023 hochgezogen. Knapp zwei Jahre später waren sie fertig. Die Gebäude, die jeweils von einer Vier-Zimmer-Penthouse-Wohnung gekrönt werden, thronen auf einer Tiefgarage mit 57 Stellplätzen und beinhalten Eigentumswohnungen in der Größe zwischen 40 und 100 Quadratmetern.
Auch gewerblich nutzbare Räumlichkeiten sind in den in hochwertiger und eher urbaner Bauweise unter Ägide des Architekten Peter Kappes gefertigten Häusern vorhanden: Einst war die Rede, dass dort eine Arztpraxis angesiedelt werden könne. Doch auch daraus ist bislang nichts geworden.
Investor will jetzt handelnJene Erkenntnis setzt sich offenbar nun auch beim Investor durch: "Er will eine Vermarktungsoffensive starten", weiß Marc Schäffler zu berichten. Heißt konkret: Offenbar sollen die Verkaufspreise der Immobilien deutlich gesenkt werden. "Ich denke, man muss schon in Richtung von 4000 Euro gehen, sonst wird sich da nicht viel bewegen."
Wie kann es sein, dass quasi sämtliche Interessenten, die im Frühjahr 2025 reserviert hatten, wieder abgesprungen sind? Mutmaßlich seien die hohen Preise damals noch nicht ersichtlich gewesen, vermutet Schäffler. "Viele Investoren bauen erst, wenn ein Großteil der Wohnungen auch tatsächlich verkauft ist." Hier wurde offenkundig anders verfahren.
In schwierigem FahrwasserEbendies und auch die Preisgestaltung ist jedoch nicht im luftleeren Raum entstanden: Als die Planungen für das nach Informationen unserer Redaktion rund 20 Millionen Euro teure Großprojekt erfolgten, war sowohl die Weltlage als auch die finanzpolitische Situation noch eine andere. Nach zeitlichen Verzögerungen, die durch Einwendungen der Nachbarn entstanden, lief man direkt in die Zeit explodierender Baupreise und hoher Zinsen. Ergo entstanden Mehrkosten, die natürlich an mögliche Käufer weitergereicht werden.
Dennoch dringt der Leinzeller Bürgermeister nun zum Handeln: Es müsse verhindert werden, dass die Häuser endgültig "totgesprochen" würden. Schließlich waberten seit geraumer Zeit schon Gerüchte durch die Gemeinde – etwa dass die Häuser nicht ausreichend vor Hochwasser geschützt seien. Dies treffe jedoch nicht zu, betont der Rathauschef.