Die Anleihenmärkte schießen sich auf Frankreich ein. Die Renditen stehen so hoch wie lange nicht. Doch das Land ist paralysiert.
Die Anleihenmärkte schießen sich auf Frankreich ein. Die Renditen stehen so hoch wie lange nicht. Doch das Land ist paralysiert.
Frankreich muss inzwischen deutlich mehr für seine Schulden zahlen. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen ist so hoch wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Auch der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen steigt: Mit mehr als 88 Basispunkten liegt er auf dem höchsten Stand seit der Euro-Krise 2012. Damit liegt Frankreich inzwischen sogar vier Basispunkte über Italien.
Frankreich hat schon länger mit steigenden Renditen zu kämpfen. Die französische Staatsverschuldung lag 2025 bei 115,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das Haushaltsdefizit bei 5,1 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres stieg die Schuldenquote bereits auf 117,5 Prozent. Für 2027 erwartet die OECD eine Quote von knapp 121 Prozent.
Gleichzeitig wächst die französische Wirtschaft kaum. Für 2026 rechnet die OECD mit einem Plus von gerade einmal 0,7 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's bewertet Frankreich nur noch mit „A+“.
Philippe Riès, ehemaliger Wirtschafts-Chefredakteur und Leiter der Büros der Agence France-Presse in Tokio und Brüssel, fällt ein hartes Urteil über sein Heimatland:
„Frankreich ist ein Schiffswrack, das nur durch das riesige aufblasbare Rettungsboot namens Eurosystem über Wasser gehalten wird.“
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Das Problem: Frankreich kann nur schwer gegensteuern. Die Nationalversammlung ist in drei nahezu gleich große Lager mit sehr unterschiedlichen politischen Positionen geteilt. Premierminister Sébastien Lecornu ringt derzeit um eine Mehrheit für seinen Haushaltsentwurf für 2027.
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Für die Regierung geht es um Milliardenkürzungen, für die Opposition um politische Profilierung – und für Frankreich um seine finanzpolitische Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig stehen im kommenden Jahr Präsidentschaftswahlen an. Für die Parteien ist es entsprechend schwierig, den Wählern unpopuläre Einsparungen zuzumuten.
Die Pläne der aussichtsreichen Kandidaten gehen teilweise sogar in die entgegengesetzte Richtung. Bloomberg berichtete, zu den diskutierten Vorschlägen gehörten höhere Staatsausgaben, ein niedrigeres Renteneintrittsalter, ein teilweiser Schuldenerlass und sogar ein Ende der Beitragszahlungen an die Europäische Union.
Zu den prominenten Vertretern dieser Forderungen zählen Marine Le Pen vom rechtspopulistischen Rassemblement National und Jean-Luc Mélenchon von der linkspopulistischen La France Insoumise. Vor allem Le Pen werden gute Chancen bei der kommenden Wahl eingeräumt. Für Investoren ist das ein weiteres Signal der Unsicherheit.
Hinzu kommt ein Problem, das Frankreich nicht allein kontrollieren kann: die Entwicklung an den internationalen Anleihemärkten. Vor allem die hohen Renditen in den USA setzen andere Staaten unter Druck.
Die USA sind inzwischen mit mehr als 40 Billionen Dollar verschuldet. Der Schuldenstand hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Gleichzeitig liegt der Zinsaufwand der US-Regierung in diesem Fiskaljahr bislang 15 Prozent über dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums.
„Wenn Anleger in den USA höhere Renditen erzielen können, müssen andere Länder ebenfalls mehr bieten, um Kapital anzuziehen. Was im US-Anleihemarkt passiert, bleibt also nicht auf die USA beschränkt“, sagte der Anleihenexperte Mohamed El-Erian.
Der Grund: Investoren vergleichen weltweit, wo sie für ihr Geld die attraktivste Rendite bekommen. Steigen die Renditen in den USA, kann das deshalb auch andere Staaten unter Druck setzen.
El-Erian sieht Frankreich dabei als besonders verwundbar. „Wir haben es mit einem globalen Anleihenmarkt zu tun. Die drei verwundbarsten Länder weltweit sind Frankreich, Japan und Großbritannien“, sagte er.
Für Frankreich kann daraus eine gefährliche Abwärtsspirale entstehen. Steigende Zinsen erhöhen die Kosten für den Schuldendienst. Dadurch verschärft sich das Haushaltsproblem. Gleichzeitig müssen höhere Zinsen geboten werden, um Käufer für französische Staatsanleihen zu finden.
Bereits heute muss Frankreich mehr als 60 Milliarden Euro für den Schuldendienst aufbringen – fast so viel wie für Bildung.
Eine neue Eurokrise scheint dennoch unwahrscheinlich. Die Europäische Zentralbank verfügt inzwischen über Instrumente, mit denen sie die Anleihemärkte notfalls durch massive Käufe stabilisieren könnte. Das könnte allerdings die Inflation anheizen und den Wert des Euro belasten.
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