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Sechs Gründe, die zeigen, wie die Amerikaner wirklich über die Wirtschaft denken

Дата публикации: 10-09-2026 06:25:00

US-Wirtschaft wächst, doch viele Amerikaner sind unzufrieden. Hohe Preise, teure Kredite und steigende Wohnkosten belasten die Haushalte.

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Die US-Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Trotzdem bleibt die Stimmung schlecht. Vor allem Preise, Wohnkosten und hohe Zinsen setzen die Haushalte unter Druck.

Die US-Wirtschaft wächst, doch bei vielen Amerikanern kommt davon wenig an. Eine Analyse des „Wall Street Journal“ zeigt anhand verschiedener Daten, warum die Stimmung trotz solider Konjunkturdaten so schlecht bleibt: Steigende Lebenshaltungskosten, hohe Zinsen und eine auseinandergehende Lohnentwicklung belasten demnach viele Haushalte.

Das Wichtigste in Kürze:

  • US-Wirtschaft wächst: Das Bruttoinlandsprodukt legte zuletzt binnen Jahresfrist um 2,1 Prozent zu.
  • Verbraucher bleiben pessimistisch: Umfragen von Gallup und der University of Michigan zeigen eine anhaltend schlechte Stimmung.
  • 34 Prozent verlieren real: Bei gut einem Drittel der Beschäftigten hielten die Löhne bis Ende 2025 nicht mit der Inflation Schritt.
  • Eigenheim rückt außer Reichweite: Für ein Haus zum mittleren Preis waren im Mai rund 124.700 Dollar Jahreseinkommen nötig.
  • Kredite verteuern das Leben: Hypotheken- und Kreditkartenzinsen liegen deutlich über dem Niveau vor der Pandemie.

Auf den ersten Blick sieht die wirtschaftliche Lage der USA gar nicht so schlecht aus. Im vergangenen Jahr legte das Bruttoinlandsprodukt um 2,1 Prozent zu. Im August kamen erneut Arbeitsplätze hinzu, die Arbeitslosenquote liegt weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Auch die Inflation ist weit von ihrem Höchststand aus dem Jahr 2022 entfernt.

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Bei den Verbrauchern kommt diese Erholung allerdings kaum an. Umfragen zeigen seit Monaten ein deutlich anderes Bild: Viele Amerikaner bewerten ihre wirtschaftliche Lage und die Entwicklung des Landes pessimistisch.

Die Stimmung bleibt auf einem Tiefpunkt

Damit unterscheidet sich die aktuelle Lage erheblich von früheren Phasen. Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schwankte die Stimmung weniger stark als heute. Die Daten zeigen zudem: Nach der Erholung Mitte der 2010er-Jahre stürzte die Einschätzung während der Pandemie ab. Zwar folgte anschließend eine kräftige Erholung – aber seit 2020 ist die Stimmung jedoch wieder deutlich ins Negative gekippt.

Auch die Daten der University of Michigan bestätigen das Bild. Und der Pessimismus lässt sich offenbar nicht allein mit Parteipolitik erklären.

Selbst Republikaner sind deutlich unzufriedener

Wenn die schlechte Wirtschaftsstimmung hauptsächlich politisch bedingt wäre, müsste man erwarten, dass Republikaner die Wirtschaft unter Trump deutlich positiver bewerten. Schließlich regiert ihr bevorzugter Präsident. Das ist aber laut WSJ nicht der Fall: Selbst Republikaner bewerten die Wirtschaft schlechter als während Trumps erster Amtszeit. Dahinter könnte vielmehr eine Erfahrung stehen, die derzeit viele Haushalte unmittelbar betrifft: Das Leben ist deutlich teurer geworden.

Die offizielle Inflationsrate lag im Juli bei 3,4 Prozent. Doch die 3,4 Prozent beziehen sich lediglich auf den Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr. Seit Beginn der Pandemie haben sich die Verbraucherpreise dagegen insgesamt um rund 28 Prozent erhöht. Für private Haushalte ist dieser langfristige Anstieg entscheidend: Lebensmittel, Wohnen und andere Ausgaben sind heute deutlich teurer als noch vor wenigen Jahren.

Für jeden dritten Beschäftigten reicht der Lohn nicht

Besonders problematisch ist die Entwicklung hinsichtlich der Einkommen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne sind inflationsbereinigt seit der Zeit vor der Pandemie zwar gestiegen. Dieser Durchschnitt verdeckt allerdings erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Beschäftigten.

Eine von Wirtschaftswissenschaftlern ausgewertete Analyse von Lohndaten kommt zu dem Ergebnis: 34 Prozent der Beschäftigten hatten Ende 2025 real weniger Einkommen als fünf Jahre zuvor.

Rund 19 Prozent der Beschäftigten verzeichneten nur ein reales Lohnplus von bis zu zwei Prozent. Gleichzeitig mussten fast neun Prozent einen realen Einkommensverlust von mehr als vier Prozent hinnehmen.

Der Durchschnitt verdeckt dabei große Unterschiede: Während manche Beschäftigte real deutlich mehr verdienen, haben andere seit der Pandemie an Kaufkraft verloren. Hinzu kommt, dass ein Teil der deutlichen Lohnzuwächse über einen Arbeitgeberwechsel erzielt wurde.

Wer den Job wechselt, verdient zunächst deutlich mehr

Daten der Federal Reserve Bank of Atlanta zeigen, dass Beschäftigte, die ihren Arbeitgeber wechseln, über Jahre hinweg höhere Lohnzuwächse erzielen konnten als Arbeitnehmer, die bei ihrem Unternehmen blieben.

Der Vorsprung ist inzwischen allerdings deutlich kleiner als auf dem Höhepunkt des Arbeitskräftemangels. Die Zeiten, in denen ein Jobwechsel besonders große Gehaltssprünge versprach, sind weitgehend vorbei.

Wohnen wird für viele Amerikaner unbezahlbar

Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Die Federal Reserve Bank of Atlanta hat das mittlere Haushaltseinkommen mit dem Einkommen verglichen, das nötig wäre, um ein Haus zum mittleren Preis finanzieren zu können.

Im Mai 2026 benötigte ein Haushalt demnach ein Jahreseinkommen von rund 124.700 Dollar, um sich ein Haus zum mittleren Preis leisten zu können.Das sind etwa 45 Prozent mehr als das mittlere Haushaltseinkommen von rund 85.900 Dollar.

Vor der Pandemie war die Situation noch völlig anders. Ende 2019 lagen die Kosten für ein Haus zum mittleren Preis sogar knapp unter der Schwelle, bei der Wohnen höchstens 30 Prozent des Haushaltseinkommens verschlingt.

Ein wesentlicher Grund dafür sind die Finanzierungskosten. Der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Hypothek liegt aktuell bei etwa 6,7 Prozent. Ende Januar 2020 waren es nur rund 3,5 Prozent.

Auch Kreditschulden verschärfen den Druck

Nicht nur beim Hauskauf müssen Amerikaner heute tiefer in die Tasche greifen. Auch die Zinsen für Kreditkarten sind deutlich gestiegen. Im Mai 2026 lag der durchschnittliche Zinssatz bei 22,15 Prozent – rund fünf Prozentpunkte höher als Ende 2019.

Das verschärft die finanzielle Belastung vieler Haushalte – wird in der offiziellen Inflationsrate aber nicht vollständig sichtbar. Denn die Statistik misst vor allem, wie sich die Preise für Waren und Dienstleistungen verändern – nicht, wie teuer deren Finanzierung geworden ist. Wer heute einen Kredit für ein Haus oder Auto aufnimmt oder Kreditkartenschulden zurückzahlt, muss wegen der höheren Zinsen trotzdem mehr Geld aufbringen.

Das erklärt einen weiteren Teil der Diskrepanz zwischen den offiziellen Wirtschaftsdaten und der Lage vieler Haushalte. Die tatsächlichen monatlichen Belastungen können deutlich gestiegen sein, obwohl sich das nicht entsprechend in der Inflationsrate niederschlägt.

Der Harvard-Ökonom Judd Cramer kommt zu einer weitreichenden Einschätzung: Würde man neben den klassischen Verbraucherpreisen auch die Entwicklung von Immobilienpreisen und Zinsen einbeziehen, läge das Preisniveau gegenüber Januar 2020 um mehr als 40 Prozent höher.

Frust der Verbraucher

Wer bereits ein Haus besitzt, profitiert möglicherweise von steigenden Immobilienwerten. Wer heute kaufen will, sieht dagegen hohe Preise und teure Kredite. Wer seine Stelle gewechselt hat, kann einen kräftigen Gehaltszuwachs erzielt haben – und trotzdem feststellen, dass Wohnen, Autofahren und alltägliche Ausgaben einen immer größeren Teil des Einkommens verschlingen.

Genau deshalb ist der schlechte Blick der Amerikaner auf ihre Wirtschaft kein Widerspruch zu den guten Konjunkturdaten. Die US-Wirtschaft wächst – doch viele Haushalte haben real weniger finanziellen Spielraum als vor der Pandemie. Die üblichen Konjunkturdaten bilden diese Belastung nur teilweise ab.

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