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„Sell in May“: Wer jetzt verkauft, könnte Gewinne verpassen

Дата публикации: 12-09-2026 14:34:00

„Sell in May“ gilt als Börsenweisheit. Doch die Regel funktioniert immer schlechter. Was Anleger 2026 stattdessen beachten sollten.

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Wer Ende April nach der Börsenweisheit „Sell in May“ verkauft hätte, wäre 2026 bisher deutlich schlechter gefahren. Was Anleger stattdessen beachten sollten.

Manche Regeln halten sich hartnäckig im kollektiven Gedächtnis. So haben Sie vielleicht auch schon mal den folgenden Börsenspruch gehört: „Sell in May and go away, but remember to come back in September“. Übersetzt heißt das, dass Sie Ihre Aktien im Mai verkaufen und im September wieder in den Börsenhandel einsteigen sollen.

Doch wie gültig ist diese Regel noch? Wer sich 2026 daran gehalten hat, hat tatsächlich handfeste Kursgewinne liegen lassen. Und das ist keine Ausnahme, wie die Zahlen zeigen.

Dr. Carmen Mayer ist Expertin für Anlagestrategien, Aktieninvestments und finanzielle Unabhängigkeit. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Woher die Regel kommt

Der Spruch stammt ursprünglich aus England: „Sell in May and go away, come back on St. Leger’s Day“, benannt nach einem Pferderennen im September. In den USA wurde er ab Ende der 1960er-Jahre populär, als Yale Hirsch erstmals seinen Stock Trader’s Almanac veröffentlichte. Er beobachtete damals, dass Aktien im Schnitt von November bis April deutlich besser liefen als von Mai bis Oktober. Über Jahrzehnte entwickelte sich daraus eine Faustregel, an die viele Anlegerinnen und Anleger bis heute glauben.

Jedoch bröckelt sie seit einigen Jahren spürbar. Eine Auswertung von Bloomberg Intelligence von Mai 2026 zeigt, dass seit 2016 sogar das Gegenteil gilt: Die Monate Mai bis Oktober brachten im Schnitt rund 6,9 Prozent Rendite, die vermeintlich starken Monate November bis April dagegen nur etwa 6,2 Prozent. In 25 der vergangenen 33 Mai-bis-Oktober-Perioden legte der US-Markt sogar zu.

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Wir können also festhalten, dass die Kalenderregel als Verkaufssignal nicht mehr taugt. Was stattdessen zählt, ist der Trend der einzelnen Aktie.

Wie die Börse 2026 tatsächlich performte

Wer die Regel wörtlich genommen und Ende April verkauft hätte, hätte dieses Jahr bares Geld verschenkt. Der S&P 500 stand am 30. April bei 7.209 Punkten, aktuell notiert er bei 7.712 Punkten – ein Plus von rund 7 Prozent. Der Nasdaq Composite Index legte im gleichen Zeitraum von 24.892 auf 26.402 Punkte zu, ebenfalls gut 6 Prozent (Stand: 28.08.2026).

Wichtig: Diese Zahlen zeigen die reine Kursentwicklung in US-Dollar, ohne Dividenden und ohne Währungseffekte zum Euro.

Aufwärtstrend bis Juni

Wer sich die Aktien genauer anschaut, sieht jedoch, dass sie keinen durchgängigen Aufwärtstrend hinlegten. Beide Aktien erreichten im Juni ihre bisherigen Höchststände, woraufhin ein Rückgang folgte, der durch eine breitere Korrektur bei KI- und Speicherchip-Werten ausgelöst wurde. Zwischenzeitlich verlor Sandisk gut ein Drittel seines Werts vom Hoch. Aktuell haben sich beide Aktien bereits wieder ein Stück erholt.

Das heißt, wer stur am 30. April verkauft hätte, hätte den Anstieg bis Juni verpasst. Wer dagegen bis Sommer drin geblieben wäre, hätte einen Teil der Gewinne gesichert.

Charts verstehen statt Kalenderregeln folgen

Was können Sie aus dieser Analyse mitnehmen? Saisonale Muster sind Faktoren, die Sie im Hinterkopf behalten können, aber verkaufen Sie nicht Ihre Anteile, weil ein bestimmtes Datum im Kalender steht. Orientieren Sie sich stattdessen an der Charttechnik, vor allem am 200-Tage-Durchschnitt, wie ich sie auch in meinem Buch „Mami goes Millionär“ erkläre. Solange eine Aktie oberhalb dieser Linie bleibt, ist der langfristige Trend intakt. Bricht der Kurs deutlich darunter, ist das für mich ein Signal, die Position zu überprüfen, unabhängig davon, ob gerade Mai, Juli oder Dezember ist.

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