Nikolas Stihl fordert die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, längere Lebensarbeitszeiten und weniger Bürokratie für Unternehmen.
Nikolas Stihl fordert mehr Arbeit ohne mehr Lohn. Damit will der Unternehmer Deutschlands Industrie stärken – und den Sozialstaat langfristig absichern.
In einem Gastbeitrag für „Euronews“ fordert der Familienunternehmer eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Dahinter steht eine größere Sorge: Deutschland verliere industrielle Substanz, während Arbeits-, Energie- und Regulierungskosten hoch bleiben.
Was Stihl fordert:
„Die Lage der deutschen Wirtschaft ist ernst, sehr ernst“, schreibt Stihl.
Nach seinen Angaben seien in den vergangenen acht Jahren rund 15 Prozent der industriellen Produktion verloren gegangen. Monatlich verschwänden etwa 15.000 Industriearbeitsplätze.
Neben US-Zöllen, Chinas Industriepolitik und geopolitischen Konflikten sieht Stihl die wichtigsten Ursachen im Inland: hohe Energiekosten, Steuern und Arbeitskosten sowie eine aus seiner Sicht übermäßige Regulierung.
Stihl argumentiert, dass Deutschland insgesamt mehr Arbeitsstunden leisten müsse.
„Um unseren Wohlstand zu erhalten und Sozialleistungen auf hohem Niveau zu sichern, muss das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen steigen“, schreibt er.
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Dabei gehe es „keineswegs“ um den Vorwurf, Beschäftigte seien faul.
Auch Produktivitätsfortschritte durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz könnten die Folgen der demografischen Entwicklung seiner Ansicht nach nicht vollständig ausgleichen.
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Dahinter steht ein grundsätzliches wirtschaftliches Problem: Wenn mit dem Ausscheiden geburtenstarker Jahrgänge weniger Menschen arbeiten und das gesamte Arbeitsvolumen sinkt, kann das die Wirtschaftsleistung bremsen. Das wiederum erschwert die Finanzierung des Sozialstaats.
Ansatzpunkte sind deshalb nicht nur längere Wochenarbeitszeiten, sondern auch eine höhere Erwerbsbeteiligung, mehr Arbeitsstunden von Teilzeitbeschäftigten und zusätzliche Fachkräfte.
Seine Forderungen gehen allerdings weit über freiwillige Mehrarbeit hinaus. Stihl schlägt unter anderem eine längere Lebensarbeitszeit, stärkere Anreize für Mehrarbeit, mehr Fachkräftezuwanderung und eine bessere Aktivierung von Erwerbslosen und Teilzeitbeschäftigten vor. Auch die telefonische Krankschreibung stellt er infrage.
Am kontroversesten ist sein Vorschlag für die reguläre Wochenarbeitszeit. Deutschland habe den früheren Produktivitätsvorsprung gegenüber wichtigen Konkurrenten verloren, argumentiert der Unternehmer.
Deshalb sagt er: „Insofern plädiere ich für die Anhebung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden — und zwar ohne Lohnausgleich.“
Stihl fordert zugleich Entlastungen für Unternehmen. Die Sozialversicherungsbeiträge sollten nach seiner Vorstellung insgesamt nicht über 40 Prozent des Bruttolohns steigen.
Behörden müssten Verfahren beschleunigen und Berichtspflichten reduzieren. Zusätzlich sollten Investitionen in Künstliche Intelligenz, Robotik, Biotechnologie, Medizintechnik, Raumfahrt und Quantentechnologie erleichtert werden.
Die Vorschläge dürften auf Widerstand stoßen. Längere Arbeitszeiten ohne höhere Bezahlung bedeuten faktisch einen niedrigeren Stundenlohn. Ob Unternehmen dadurch tatsächlich stärker investieren und Beschäftigung sichern, hängt zudem von Produktivität, Nachfrage, Energiepreisen und Standortentscheidungen ab.
Stihl hält Einschnitte dennoch für notwendig.
Sein Fazit: „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren, denn nur ein leistungsstarker und wettbewerbsfähiger Standort kann Wohlstand und einen starken Sozialstaat sichern.“
„Leistung muss belohnt werden”