Rentner geben ihr Vermögen lieber selbst aus als es zu vererben. Der Trend heißt „SKIing“ – und er wächst.
Reisen, Cabrio, gutes Leben statt großes Erbe: Immer mehr Ruheständler wollen ihr Vermögen lieber selbst ausgeben. In Großbritannien und den USA hat der Trend bereits einen Namen – „SKIing“.
Ein möglichst großes Vermögen an die Kinder weiterzugeben, galt lange als selbstverständliches Ziel vieler Familien. Doch zumindest ein Teil der heutigen Rentnergeneration setzt andere Prioritäten: Reisen, Hobbys und ein angenehmes Leben im Alter werden wichtiger als ein möglichst hoher Nachlass.
In Großbritannien und den USA hat diese Haltung inzwischen sogar einen Namen: „SKIing“ – kurz für „Spending the Kids’ Inheritance“, also das Ausgeben des Erbes der Kinder.
Das Wichtigste im Überblick:
Wie das praktisch aussieht, zeigt die BBC am Beispiel der 64-jährigen Sarah Moorhouse und ihres Mannes Geoff aus den Yorkshire Dales im Norden Englands. Die beiden fahren vier- bis fünfmal im Jahr in den Urlaub, gönnen sich spontane Ausflüge und tauschten zuletzt sogar ihren alten Sportwagen gegen ein moderneres Cabrio.
Der Gedanke dahinter ist weniger verschwenderisch, als der Begriff zunächst vermuten lässt. Sarah erzählt der BBC, sie erlebe inzwischen häufiger, dass Freunde und Bekannte sterben.
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Ihr Fazit:
„Man muss sein Leben leben und genießen, solange man kann, denn es ist etwas sehr Kostbares.“
Auch ihre Tochter Poppy sieht darin keinen Angriff auf ihr eigenes Erbe. Die Vorstellung, automatisch Anspruch auf das Geld der Eltern zu haben, sei für sie geradezu befremdlich. Sie sehe ihre Eltern lieber reisen und ihr Leben genießen.
Ein ähnliches Beispiel: Karen Green. Die 60-Jährige lebt seit Jahren in Südfrankreich und gibt nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Pfund (umgerechnet rund 11.600 Euro) pro Jahr für Reisen aus.
Sie finanziert ihren Lebensstil aus privater Altersvorsorge, Teilzeitarbeit und Mieteinnahmen. Ihren Kindern habe sie früh klargemacht:
„Es ist unwahrscheinlich, dass ein Erbe übrig bleibt, weil ich davon ausgehe, dass ich das Geld ausgebe.“
Dass solche Fälle mehr als Einzelgeschichten sind, zeigen aktuelle Umfragen. Nach Angaben des britischen Vorsorgeanbieters Standard Life will rund jeder siebte britische Elternteil das eigene Wohlbefinden im Ruhestand höher gewichten als das Hinterlassen eines Erbes.
In den USA wiederum sank laut Northwestern Mutual der Anteil der Menschen, die mit einem Erbe rechnen, binnen eines Jahres von 25 auf 20 Prozent.
Allerdings ist „SKIing“ kein Phänomen aller Ruheständler. Nach den von BBC angeführten Daten leben in Großbritannien und den USA rund 15 bis 16 Prozent der älteren Menschen in Armut. Geld für Fernreisen oder einen hohen Konsumstandard bleibt dort kaum.
In Deutschland scheint dieser Trend bislang weniger ausgeprägt zu sein. Eine Befragung der Allianz Baufinanzierung unter mehr als 1100 Immobilieneigentümern über 60 Jahren ergab im Frühjahr 2026: Nur etwa jeder Vierte möchte sein Vermögen im Alter selbst aufbrauchen. Gut 60 Prozent wollen dagegen einen Teil ihrer Ersparnisse an Kinder oder Enkel weitergeben, 40 Prozent haben bereits Vermögen übertragen oder planen dies noch zu Lebzeiten.
Ein möglicher Grund für unfreiwillig schrumpfende Erbschaften liegt dagegen woanders: 41 Prozent fürchten hierzulande, dass hohe Gesundheits- und Pflegekosten ihr Vermögen aufzehren könnten.
Insgesamt zeigt der Trend deshalb vor allem einen Wandel innerhalb der vermögenderen Rentnergeneration: Geld soll nicht mehr unbedingt bis zum Lebensende bewahrt werden. Es wird zunehmend als Mittel verstanden, um die Jahre nach dem Berufsleben aktiv zu nutzen.
Für die Kinder heißt das im Zweifel: weniger Erbe – aber Eltern, die ihr Vermögen noch selbst genießen.
„Kinder sollen selber schaffen gehen und sich was aufbauen“