Zwei Geschwister und ein Drummer aus London, die kaum volljährig für großes Aufsehen in der Musikszene sorgen: Über 500 Auftritte hatten "The Molotovs" schon - Ende nicht in Sicht. In der Kantine vom Berghain zeigten sie am Mittwoch, warum viele in ihnen zurecht "das nächste große Ding" sehen.
Konzert The Molotovs in der Berghain-Kantine Rock'n'Roll ist noch nicht tot
In einem grünen Franz-Beckenbauer-Trikot stürmt Sänger und Gitarrist Mathew Cartlidge am Mittwochabend auf die kleine Bühne der Berghain-Kantine. Aggressiv zermalmen seine Kiefer einen Kaugummi, den er lange nicht rausnehmen wird. Sein große Schwester Issey pest ihm hinterher, in schwarzer Kunstlederjacke, darunter ein Darth-Vader-T-Shirt. Hinter dem Schlagzeug sitzt Drummer Will Fooks, der mit seinen roten Backen im blauen Bühnen-Schummerlicht sitzend aussieht wie ein kleiner Junge. Alle noch sehr jung, keine 20 Jahre alt - und schon so gut. Es ist wirklich unglaublich. Matthew murmelt was von "fucking god to be back" und ab geht die Fahrt.
Stage-Acting wie aus einem 80er-Jahre-Video
Bassistin Issey sieht bei ihrer Performance aus wie hergebeamt aus einem dieser 80er-Jahre-Videos, in denen die Musiker und Musikerinnen völlig übertrieben posen. Ständig schmeißt sie sich die Haare ins Genick, reißt die Augen auf, kneift sie zu, schaut dämonisch in die Menge, reckt ihren Rickenbacker Bass in die Luft. Das ist alles viel zu viel, viel zu overacted. Aber trotzdem - oder vielleicht genau deswegen - total stark. So eine Mischung aus Selbstironie in der Performance, den ganzen Stiefel mit der Musik aber verdammt ernstnehmend.
Männer, die das Merch leer kaufen
Völlig unverständlich bleibt, dass sich die ausverkaufte Berghain-Kantine in Berlin-Friedrichshain nicht sofort in ein schwitzendes Tollhaus verwandelt, sondern echt eine Weile braucht, um Fahrt aufzunehmen. Wieder und wieder deutet Matthew ein zackiges Mitklatschen an, aber viele gehen nicht darauf ein. Obwohl ihre Augen und ihr Applaus sagen: Yeah!
Erstaunlich gemischt ist das Publikum. Da stehen gar nicht so wenige ältere Musikauskenner-Männer in Lederjacken, die noch vor dem Konzert den Merch-Stand leerkaufen, neben britischen Touristen neben knutschenden jungen Pärchen. Und alle zusammen sehen - und das darf man so dick sagen - eine der besten neuen Gitarrenrockbands Europas. Mindestens. Ohne Quatsch.
Herrlich einfach
Ein sprödes Riff nach dem anderen ballern The Molotovs raus. Ohne große Reden zwischen den Songs, als hätten sie es eilig, als sei das hier mit maximaler Intensität zu Ende zu bringen. Ihre Musik klingt wie alter britischer Beat, nach Mod-Sound, Overdrive-Punk und einer Prise Oasis dazu, aber ohne deren Weinerlichkeit. Und das alles kompromisslos britisch schnodderig von der Bühne geballert. Gitarre. Schlagzeug. Bass Gesang. Kein Schnickschnack, nichts vom Band. Herrlich einfach.
Erste Auftritte im Park
Gegründet haben sich The Molotovs in der Corona-Zeit. Ihre ersten Auftritte hatten sie wegen des Lockdowns in Londoner Parks. Vor bis zu genau null Zuschauern. Seitdem haben sie an jeder Milchkanne gespielt, verstehen sich blind, ein paar Singles und das Album "Wasted on Youth" haben sie veröffentlicht - mehr gibt es noch nicht.
Klar haben sie auch nicht das Rock-Rad neu erfunden, aber so wild und selbstbewusst wie The Molotovs dreht es derzeit fast niemand. Tolles Debütalbum, starke Live-Show. Geile Band. Rock'n'Roll ist wohl doch noch nicht tot.
Sendung: rbb24 Inforadio, 23.07.2026, 09:55 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 23.07.2026, Hendrik Schröder
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Konzertkritik zu PinkPantheress im Tempodrom | 0 | 7.84 | 03-06-2026 |
| 2 | Konzertkritik zu Massive Attack in der Zitadelle Spandau | 0 | 14.85 | 08-06-2026 |
| 3 | Mumford & Sons in Berlin: Wem nicht das Herz aufgeht, hat vielleicht nie eins gehabt | 0 | 9.56 | 10-07-2026 |
| 4 | Die Toten Hosen lassen es im Olympiastadion zum Abschied noch mal krachen | 0 | 10.89 | 12-07-2026 |
| 5 | Konzertkritik: Foo Fighters im Berliner Olympiastadion | 0 | 12.71 | 02-07-2026 |
| 6 | Konzertkritik: Doja Cat in der Berliner Uber-Arena | 0 | 13.37 | 18-06-2026 |
| 7 | Pulp in Berlin: Pure Energie statt Nostalgieveranstaltung | 0 | 10.36 | 26-06-2026 |
| 8 | Kings of Leon in Berlin: Gänsehaut, Durst und Sex on Fire | 0 | 8.81 | 19-06-2026 |
| 9 | Marillion in Berlin: Zuhören wie in der Oper | 0 | 13.11 | 15-07-2026 |
| 10 | Konzertkritik: Cumbia-Band La Delio Valdez im Columbia-Theater | 0 | 15.99 | 21-07-2026 |