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Konzertkritik zu Massive Attack in der Zitadelle Spandau

Дата публикации: 08-06-2026 08:19:57

Massive Attack haben den Trip-Hop mit erfunden und ziehen fast 40 Jahre nach Bandgründung immer noch die Massen zu ihren Konzerten. Bei ihrem Berlin-Konzert wurde die Musik allerdings von Politbotschaften regelrecht erdrückt.


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Konzert Massive Attack in der Zitadelle Spandau Politshow mit Musikbegleitung

Archivbild: Auftritt von Robert 3D Del Naja und Grant Daddy G Marshall von Massive Attack im Juni 2025 in Mailand. (Quelle: Picture Alliance/Alessandro Bremec)
Archivbild: Auftritt von Robert 3D Del Naja und Grant Daddy G Marshall von Massive Attack im Juni 2025 in Mailand. (Quelle: Picture Alliance/Alessandro Bremec)

"Wenn ich das vorher gewusst hätte, dass das hier eine reine Pro-Palästina-Demo wird, dafür hätte ich keine 80 Euro bezahlt", sagt einer der vielen tausend Besucher der ausverkauften Zitadelle nach der Show. Und in der Tat: Dass Massive Attack sich im Nahost-Konflikt eindeutig positionieren, das ist nichts Neues. Aber dieser Abend in der Zitadelle war eine Packung, die man erst mal verdauen muss.

Los geht es mit einer palästinensischen Vorband und ersten "Resist"-Ansagen. "Free free Palestine"-Rufe in Teilen des Publikums werden laut, wie man sie eben von Demonstrationen kennt. Eigentlich könnte man jetzt schon ahnen, wohin hier die Reise geht. Es folgen Videobilder aus dem zerstörten Gaza, dann hält ein palästinensischer Aktivist eine Rede und bedankt sich unter anderem dafür, dass Massive Attack schon immer auf der richtigen Seite der Geschichte standen. Puh. Dann erst geht das Konzert los.

Es geht um alles

Mittelpunkt der Show, hinter der vielköpfigen ganz in schwarz gekleideten Band, ist eine große Videowand, die allerdings so tief in der Bühne hängt, dass alle, die vorne an der Seite stehen, sie kaum sehen können. Die Zitadelle ist zwar die wahrscheinlich schönste Konzert-Location in Berlin, aber leider nicht die komfortabelste. Auf dieser Videowand jedenfalls laufen fast durchgehend Bilder von Kriegen, Demonstrationen, Polizeieinsätzen in der Welt, von Trump, von Putin, von Bomben, die auf Iran fallen, arbeitenden Kindern in afrikanischen Kobaltminen, es geht um Big Tech, Redefreiheit, Klimawandel, um alles - und immer wieder um Gaza. Das alles gepaart mit einfachen politischen Slogans auf Deutsch. Mittelmäßig übersetzt.

Irgendwann fragt man sich, für wie unmündig, unwissend oder auf der falschen Fährte Massive Attack ihr Publikum ansehen, dass sie einen derartigen Frontalunterricht für geboten halten.

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Endlose Zahlenreihen

Aber es geht noch weiter. Zum Song "Safe from Harm" laufen endlose Zahlenreihen auf der Videowand: Wie viele Menschen hat Israel in Palästina getötet. Wie viele Palästinenser sind ohne Obdach. Ohne Quellenangaben leider, aber klar, so eine Band macht ja Kunst und keinen Journalismus, da kann man da einfach hinschreiben, was man möchte.

Aber im Ernst: Diese Kunst ist so oberflächlich mit dicken Lettern aufgetragen und völlig unterkomplex dargestellt, man hat das Gefühl auf Teufel komm raus eine bestimmte Haltung, ein bestimmtes Weltbild in den Kopf gemeißelt zu bekommen. Dabei dürfte jeder, der sich mit offenem Mindset ab und an mit der Lage in der Welt beschäftigt, geistig völlig unterfordert fühlen von Massive Attacks bildgewaltig montiertem humorlosen Missionierungsfetisch.

Was ist mit der Musik?

Ach ja, ein Konzert gab es zu der Politikveranstaltung ja auch noch. Ein ziemlich gutes sogar. Die Gesänge waren manchmal ein bisschen leise. Aber sonst: Wie zeitlos schön diese Trip-Hop-Songs von Massive Attack sind. Wie einmalig dieser halb synthetische, halb organische Schlagzeugsound, der sie schon immer definiert hat. Wie toll die Gastauftritte von Elizabeth Fraser, Deborah Miller und Horace Andy. Wie gut das alles bald 40 Jahre nach Bandgründung noch funktioniert und lebt und atmet und eine schaurigschöndüstere Stimmung hervorzaubert, wie es so nur dieser Trip-Hop-Sound aus Bristol kann. Wie gut die Setlist mit natürlich "Unfinished Sympathy" und "Teardrop" dann ganz zum Schluss.

Und wie schade, dass das alles hinter der maximalen Politagitation verblasst und verpufft und regelrecht erdrückt wird. Wie jammerschade.

Sendung: rbb24 Inforadio, 08.06.2026, 6:55 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 08.06.2026, Hendrik Schröder

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Классификация: Культура. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 14.85. Источник: www.rbb24.de.