Drei Hektar zwischen Kleingärten und einer Straße – der Wolfskuhlenpark in Bremen-Kattenturm wirkt eher wie ein Durchgangsort. Lärm prägt den Aufenthalt mehr als Vogelgezwitscher. Lohnt sich ein Picknick dort?
Straßenlärm statt Vogelzwitschern: Wer im Wolfskuhlenpark Verkehrsgeräusche ausblenden will, sollte eigene Musik mitbringen. Roland Scheitz
Wenn die Sonne hervorkommt und ganz Bremen auf den Beinen ist, um die Sonnenstrahlen im Grünen zu genießen, zieht es die meisten Personen sicherlich in den beliebten Bürgerpark. Aber auch andere Parks in Bremen und umzu haben ihren Charme, weshalb ich mich, bewaffnet mit meiner Picknickdecke, einem guten Buch und ganz vielen Snacks, auf den Weg mache, einen Park zu besuchen, den ich bisher nur vom Vorbeifahren kenne. Mit der Linie 27 kann ich vom Hauptbahnhof direkt nach Kattenturm durchfahren und vor dem Wolfskuhlenpark an der Haltestelle „Wolfskuhlenweg“ aussteigen. Ab da muss ich nur noch über die Ampel, und schon befinde ich mich im Schatten des kleinen Parks.
Der Park an sich ist nicht groß – er umfasst drei Hektar und wird eingeschlossen von der vielbefahrenen Kattenturmer Heerstraße und einer Kleingartensiedlung. Er ist von Spazierwegen und Teichen durchzogen. Das Wasser der Wasseranlagen ist derartig von Algen bedeckt, dass sie fast schon mit zur Grünanlage zählen könnten. Es dauert nicht lange, bis ich meine Runde durch den Wolfskuhlenpark gedreht habe, um diesen zu erkunden. Dabei begegne ich hauptsächlich Personen auf dem Rad und Menschen, die die Grünanlage für eine schnelle Runde mit ihrem Hund nutzen. Mich beschleicht bereits bei der ersten Begehung das Gefühl, dass der Park nicht gerade als Aufenthaltsort oder Naherholungsgebiet genutzt wird. Er hat eher Durchgangscharakter, aber das macht mir nichts aus.
Foto: © WESER-KURIER • OPENSTREETMAP CONTRIBUTORS
Immerhin finde ich auf meinem Weg eine Wiese, die nicht nur zwei gute Schattenplätze bietet, sondern auch eine Sandkuhle und eine Federwippe für Kinder. Der Platz scheint unberührt, weil auf der Wiese Blumen ungestört wachsen. Ein Platz zum Aufhalten ist also da, und auch zahlreiche Bänke, um sich auszuruhen, stehen im Park verteilt. Viel los ist allerdings nicht, und so habe ich die Wiese für mich alleine. Sobald ich meine Decke ausgebreitet und meine Snacks darauf verbreitet habe, nehme ich mir einen Moment, um den Park einfach mal zu erleben. Menschen begegnen mir keine, was sowohl seine Vor- und Nachteile haben kann – je nachdem, ob man Gesellschaft oder einen ruhigen Ort zum Entspannen sucht. Allerdings fällt mir Letzteres nicht gerade leicht. Die Wiese liegt sehr nah an der Straße, denn nur eine Baumreihe trennt sie vom Trubel des Verkehrs.
Musik gegen den StraßenlärmEs herrscht also leider stetiger Straßenlärm, der zwar eintönig ist und sich mit guter Musik auf den Ohren verdrängen lässt, aber so richtig glücklich macht mich das nicht, weil ich ja gerade die Natur suche, um diese mit all meinen Sinnen zu erleben. Ich würde lieber Insekten summen und Vögel zwitschern hören. Am Himmel höre ich aber eher die Flugzeuge, weil der Park in der Einflugschneise des Bremer Flughafens liegt. So richtig abschalten kann ich leider nicht. Der Anblick des Parks und die Atmosphäre sind sehr schön, aber es sind die Einflüsse der Menschen, die dem Aufenthalt die Schönheit rauben.
Damit meine ich nicht nur den Straßenlärm, sondern auch den Müll, der ins Wasser oder an den Wegesrand der Spazierwege geschmissen wurde. Auf dem Wasser schwimmen Metalldosen, die im Sonnenlicht glänzen, und ein alter Klappstuhl ragt heraus, der dort rücksichtslos entsorgt wurde. Auf einer Bank liegen kleine Plastiktüten: Ich würde darauf tippen, dass es sich bei dem ehemaligen Inhalt um illegale Substanzen handelt.
Mit drei Hektar ist der Wolfskuhlenpark nicht groß. Er liegt eingeschlossen zwischen Kleingärten und Hauptstraße.
Foto: Roland Scheitz
Der Park an sich ist wirklich sehr schön und könnte als Geheimtipp großes Potenzial haben, wenn es die beiden genannten Faktoren nicht gäbe. Vor allem die Geschichte des Parks gibt dem Ort einen märchenhaften Charakter: Seinen Namen trägt er, weil dort vor langer, langer Zeit eine Kutsche von Wölfen verfolgt wurde und in einen der Tümpel gestürzt sein soll. Historische Beweise liegen dafür zwar nicht vor, aber spannend bleibt es trotzdem. Außerdem war die Parkanlage Teil eines ehemaligen Gutshofes aus dem 16. Jahrhundert, der mittlerweile nicht mehr existiert. Seit den 1930er-Jahren ist der Park eine öffentliche Grünanlage. Im Jahr 2003 wurde der Wolfskuhlenpark gestalterisch überarbeitet, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern.
Sanierung für mehr AufenthaltsqualitätDie Änderungen können sich sehen lassen, weil der Park wirklich schön ist. Aber der Respekt vor dem Ort scheint mir zu fehlen, wodurch der Park leider nicht zum Verweilen einlädt. Ein Gefühl, das die Anwohner und die fehlenden Besucher zu teilen scheinen, weil ich die meiste Zeit alleine bin oder die Leute den Park nur schnell durchqueren. „Also ich würde meine Freundin jetzt nicht fragen, ob wir einen Ausflug zum Wolfskuhlenpark machen wollen“, sagt ein Spaziergänger. Ich treffe mehr Enten als Menschen, aber es ist schön, diese zu beobachten.
Foto: Weser-Kurier Grafik
Ein wichtiger Aspekt, den man beim Besuch des Wolfskuhlenparks aktuell beachten sollte: Ein paar Bäume tragen ein Flatterband, das vor dem Eichenprozessionsspinner warnen soll. Die Raupen und Nester dieses Schmetterlings sind aufgrund ihrer Gifthaare gefährlich für Mensch und Tier. Ich glaube, dass der Park noch kein geeignetes Ausflugsziel für ein Picknick ist – auch aufgrund der fehlenden Sanitäranlagen.
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