Das Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen feiert 150 Jahre. Von der Gründerzeit bis heute hat es sich stetig weiterentwickelt. Ein Blick auf seine Geschichte und die Meilensteine, die es geprägt haben.
Ein historisches Luftbild zeigt das Klinikgelände im Jahr 1930 zwischen kleiner Weser und Piepe, die damals noch miteinander verbunden waren. Links im Bild ist der Neubau mit Glasveranden aus dem Jahr 1910 zu sehen. Estel/RKK
Inhaltsverzeichnis
Ein Blick zurück in die sogenannte Gründerzeit: Als das Rotes Kreuz Krankenhaus im Jahr 1876 gegründet wurde, befand sich Bremen im Aufbruch. Die Reichsgründung im Jahr 1871 und die einsetzende Industrialisierung im Land lösten eine rasante Entwicklung aus. Die Stadt wuchs, und der Bedarf an neuer Infrastruktur war groß. Nicht durch Zufall feiert auch die Bremer Straßenbahn AG in diesem Jahr ebenfalls ihr 150-jähriges Bestehen.
Vor 150 Jahren eröffnete das Krankenhaus mit einer Oberin, einer Lernschwester, 30 Betten und einem Patienten. Nach Angaben des Krankenhauses orientierte sich die Gründung an dem Gedanken einer sozial ausgerichteten Medizin. Als wichtiger Bezugspunkt gilt dabei der Arzt und Humanist Rudolf Virchow, der für eine weltanschaulich neutrale, nicht kirchlich gebundene Ausbildung von Krankenschwestern eintrat. Damit unterschied sich das Haus nach eigener Darstellung von anderen Bremer Krankenhäusern seiner Zeit. Träger waren ein Verein und seine Mitglieder, nicht kirchliche Organisationen.
1910 entstand zusätzlich zu den ersten Gebäuden der frisch gegründeten Klinik ein Erweiterungsbau an dem "Piepe" genannten ehemaligen Stück Wallgraben. Der architektonisch markante Bau hatte verglaste Veranden, 120 Betten, Bade- und Röntgenabteilung, ein Labor und ein Radium-Emanatorium zu bieten.
Hilfe während der WeltkriegeWährend beider Weltkriege stellte das Krankenhaus seine Einrichtungen und sein Pflegepersonal zur Verfügung. 1918 wurden viele Schwestern in Lazaretten eingesetzt. Diejenigen, die in Bremen blieben, standen vor enormen Herausforderungen. Gemeinsam mit ehemaligen Angehörigen der Schwesternschaft und freiwilligen Helfern versorgten sie nach Angaben des Krankenhauses innerhalb von vier Kriegsjahren nahezu 10.000 Soldaten.
1926 bezog das Krankenhaus einen Neubau an der Osterstraße, durch den die Kapazität auf 300 Betten stieg. Zum 50-jährigen Bestehen erhielt das Haus den Namen "Willehadhaus vom Roten Kreuz". In der Zeit des Nationalsozialismus verloren die eigenständigen Rot-Kreuz-Organisationen ihre Unabhängigkeit. 1937 ging das Krankenhaus in das Eigentum des Deutschen Roten Kreuzes über.
Auch im Zweiten Weltkrieg diente das Haus als Lazarett. Wegen der Luftangriffe wurden Stationen in tiefere Gebäudeteile verlegt und viele Patienten nach Bassum ausgelagert. Das Krankenhaus wurde im Krieg in großen Teilen zerstört. Nur das Südhaus blieb so weit erhalten, dass dort weiter diejenigen Menschen versorgt werden konnten, die nicht transportfähig waren.
Wiederaufbau nach 1945Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau. Im Oktober 1945 kehrten Ärzte und Schwestern zurück nach Bremen. Am 6. Dezember 1945 wurde die Stiftung Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen gegründet – als Lehrkrankenhaus und Sitz einer staatlich anerkannten Pflegeschule.
Die Nachkriegsjahrzehnte standen im Zeichen von Wachstum und medizinischem Fortschritt. Mit einem großen Erweiterungsbau, der 1973 eingeweiht wurde, erhielt das Krankenhaus ein modernes Gesicht. Mit insgesamt 401 Betten wurde das RKK zu einer der größten Einrichtungen in Bremen zu jener Zeit.
In der jüngeren Geschichte folgten als Meilensteine weitere größere Bauprojekte. Darunter 1992 der markante Turm-Anbau zur Piepe-Seite sowie 1997 das krankenhauseigene Café K, das zugleich als öffentliches Café und Cafeteria für Patienten, Personal und Besucher ausgelegt ist.
Bauliche Meilensteine ab dem Jahr 2000Die in den 1970er-Jahren entstandenen Behandlungsbauten galten in den 2000er-Jahren als weitgehend überholt. Zwischen 2010 und 2013 fand daher die größte Neubautätigkeit der jüngsten Geschichte am RKK statt: Über 20 Millionen Euro investierte das Krankenhaus nach eigenen Angaben in den Neubau des Gebäudekomplexes Forum K mit Zentraler Notaufnahme, Terminambulanz und neuer Liegendvorfahrt von der Osterstraße aus.
Ein Luftbild aus dem Jahr 2015 zeigt die heutige Gestalt des RKK. Mehrmals sollte das Piepe genannte Gewässer im Laufe der Geschichte zugeschüttet werden. Das Krankenhaus setzte sich erfolgreich dagegen ein.
Foto: Achim Keiper/Airvisio
Im Ärztehaus Forum K siedelten sich in den folgenden Jahren viele Praxen an, deren medizinische Fachbereiche die der Klinik ergänzen. Jüngster Neuzugang ist das hausärztliche Medizinische Versorgungszentrum Osterstraße, mit welchem die Klinik im Frühjahr 2025 auf den zunehmenden Hausärztemangel in der Neustadt reagierte.
Dank für 150 Jahre UnterstützungAus organisatorischer Sicht dürfte wohl der Zusammenschluss mit der Roland-Klinik Anfang 2026 ein weiteres Großereignis für das Rotes Kreuz Krankenhaus gewesen sein. "Mit diesem Schritt haben wir unsere Kräfte gebündelt, um die medizinische Versorgung in Bremen – vor allem auch die Akutversorgung auf der linken Weserseite – weiter zu stärken", erklärt Walter Klingelhöfer, kaufmännischer Geschäftsführer des RKK, dazu.
Martin Langenbeck, ärztlicher Geschäftsführer der Klinik, ergänzt: "Unser Jubiläum soll nicht nur ein Anlass zum Feiern sein, sondern auch ein Moment des Dankes." Generationen von Patientinnen und Patienten seien im Laufe der Geschichte im Haus behandelt, begleitet und gepflegt worden. Langenbeck: "Ebenso prägend sind die vielen Mitarbeitenden, die dem RKK mit ihrem Wissen, ihrem Engagement und ihrer Empathie sein Gesicht geben. Wir danken allen, die uns in den vergangenen 150 Jahren begleitet und unterstützt haben."
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