Vom 19. bis 23. Mai 2026 ist eine OSBA-Delegation nach Kenia gereist und hatte vor Ort zahlreiche Austauschtermine zum Thema Open Source und digitale Souveränität. Mit dabei waren Vertreter aus dem europäischen Open-Source-Ökosystem aus den Bereichen Cloud, Identity Management, Office, Hosting, Groupware, Betrieb und Transformation.
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Vom 19. bis 23. Mai 2026 ist eine OSBA-Delegation nach Kenia gereist und hatte vor Ort zahlreiche Austauschtermine zum Thema Open Source und digitale Souveränität. Mit dabei waren Vertreter aus dem europäischen Open-Source-Ökosystem aus den Bereichen Cloud, Identity Management, Office, Hosting, Groupware, Betrieb und Transformation.
Ein Reisebericht von OSBA-Vorstandsmitglied Peer Heinlein
Nach intensiven Tagen in Nairobi kehrten wir voller Eindrücke und mit vielen neuen Kontakten und Freundschaften im Gepäck zurück nach Hause. Die Reise hat uns gezeigt, dass Kenia für Open Source, digitale Souveränität und internationale Zusammenarbeit ein außerordentlich spannendes Partnerland ist.
Tatkräftig unterstützt wurden wir von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Ohne Jörg Uehlin und sein Team wäre diese Reise so nicht möglich gewesen: Sie haben für uns ein starkes Programm bereit gestellt und Kontakte und offene Türen ermöglicht.
Schon beim Business Roundtable mit GIZ, Delegation der Deutschen Wirtschaft für Ostafrika (AHK), Import Promotion Desk, Kenya Investment Authority, Kenya Private Sector Alliance (KEPSA), Outsourcing Alliance Kenya (OAK) und Business Process Outsourcing Association Kenya (BPOAK) wurde klar: Hier geht es nicht nur um einen reinen Höflichkeitsbesuch. Denn unsere Gespräche drehten sich sehr konkret um die gemeinsamen Interessen und Bedarfe. Es ging um Fachkräfte, Wertschöpfung, digitale Infrastruktur, Verwaltung, Ausbildung, Geschäftsmodelle — und darum, wie Open Source digitale Abhängigkeiten reduzieren und lokale Kompetenz aufbauen kann. Ein Thema, das die Menschen in Kenia genauso beschäftigt wie in Deutschland.
📸 Quelle: Eng. John Kipchumba Tanui, CBS, Digitalstaatssekretär im Ministerium für Informationstechnologie und digitale Wirtschaft via Linkedin
Bei unserem Termin im Ministerium für Informationstechnologie und digitale Wirtschaft (Ministry of ICT and Digital Economy) nahm sich der Digitalstaatssekretär Principal Secretary Eng. John Kipchumba Tanui viel Zeit für den gemeinsamen Austausch. Denn Kenia hat das Potential von Open Source deutlich auf dem Schirm — beim Thema Fachkräfte für Europa ebenso wie in eigener Sache. Das Land hat mit Unterstützung der International Telecommunication Union (ITU) ein Open Source Program Office (OSPO) gegründet und stellte seine erste Version eines Kenya-Stack vor: pragmatisch, ergebnisorientiert, und mit klarer Vision von digitaler Unabhängigkeit. In diesem Moment haben wir in der OSBA-Delegation gemerkt: Die Botschaft von der digitalen Souveränität ist in Kenia längst angekommen. Was in Deutschland oft noch mühsam erklärt werden muss, wird anderswo längst ganz selbstverständlich strategisch mitgedacht. Für uns als OSBA und als Unternehmen heißt das, dass wir jetzt liefern und in der Zusammenarbeit und der Projektumsetzung mit lokalen Partnern auch präsent sein müssen.
In Nairobi fand zeitgleich zu unserem Besuch die GITEX Kenya statt — die erste GITEX überhaupt in Afrika. Kenia präsentierte sich hier nicht mehr nur als „interessanter Markt“ oder ferner Outsourcing-Standort, sondern als selbstbewusster Tech-Hub mit Ambition, Tempo und einer wachsenden IT-Szene. Beim German Business Breakfast sprachen Evanson Ikua vom kenianischen Open Source Program Office und Peer Heinlein von der OSBA über Open Source, gesellschaftliche Unabhängigkeit und deutsch-kenianische Zusammenarbeit.
📸 Quelle: von Eng. John Kipchumba Tanui, CBS, Digitalstaatssekretär im Ministerium für Informationstechnologie und digitale Wirtschaft via Linkedin
Wie diese Open-Source-Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kenia aussehen kann, wurde bei Besuchen beim Univention-Partner DewCIS und später im Heinlein-Büro Kenia deutlich, denn hier arbeiten lokale Teams vor Ort und diese Kooperation ist bereits Alltag. Wir haben darüber diskutiert, wie die Zusammenarbeit über Kontinente hinweg funktioniert, wo es noch hakt, was besser klappt als erwartet, welche Fachkompetenzen schon vorhanden sind, welche noch wachsen müssen und wie Vertrauen entsteht, wenn Teams oft nicht einmal im selben Land sitzen. Unsere bestehenden Kooperationen können für andere OSBA-Mitglieder als Vorbild und Blaupause dienen. Denn sie beweisen, dass wir hier bereits einen Schlüssel zum Erfolg gefunden haben.
An der Tatu University fiel dann der Startschuss für das develoPPP-Projekt „Digital Outsourcing Jobs for Kenya’s Youth“, getragen von GIZ, Heinlein, CareerBox Africa und weiteren Partnern. In den kommenden drei Jahren sollen mehr als 2.000 kenianische Fachkräfte technische und soziale Kompetenzen für den digitalen Arbeitsmarkt erwerben, einschließlich Training beim Linux Professional Institute (LPI) und dazugehörigen Prüfungen. Denn hier geht es nicht um billige Business-Process-Outsourcing-Arbeitskräfte, sondern um Talente, Ausbildung, langfristige Perspektiven und faire, gegenseitige Partnerschaft. Digitalstaatssekretär Tanui nahm bei diesem Termin noch einmal klar auf den Open-Source-Kenya-Stack Bezug und die Bedeutung des Ausbildungsprogramms für dieses zentrale nationale Digitalprojekt.
Die wiederholten Begegnungen mit unseren kenianischen Partner:innen haben der Reise ihre besondere Qualität gegeben. Wir trafen lokale IT-Partner:innen, NGO-Aktivist:innen und andere Interessierte über mehrere Tage hinweg immer wieder. Aus dem Visitenkartentausch wurden Gespräche, aus Gesprächen Bekanntschaften, aus Bekanntschaften Vertrauen — und konkrete Ideen, um Dinge gemeinsam zu bewegen. Mittlerweile haben sich verschiedene Stränge ergeben, in denen weiter zusammengearbeitet wird. Damit ist das Fundament für weitere Kooperationen gelegt.
In Berlin gab es am 24. Juni 2026 beim Deutsch-Kenianischen Wirtschaftstag im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) schon den nächsten Anschlusstermin, denn dort trafen wir viele kenianische Ansprechpartner:innen wieder — darunter auch Digitalstaatssekretär Principal Secretary Tanui. Wieder ging es um Open Source, Fachkräftepartnerschaft, digitale Souveränität und darum, einen gemeinsamen langfristigen Prozess mit Kontinuität zu starten. Auch in Berlin ging es noch eimal um den Start des develoPPP-Projektes, und OSBA und GIZ unterzeichneten ein Memorandum of Understanding über die weitere Kooperation um Open Source in Kenia gemeinsam weiter zu fördern.
📸 Quelle: Eng. John Kipchumba Tanui, CBS, Digitalstaatssekretär im Ministerium für Informationstechnologie und digitale Wirtschaft via Linkedin
Unsere OSBA-Reise nach Kenia wirkte in mehrere Richtungen zugleich: Sie war ein Signal an deutsche Ministerien und die deutsche Politik, dass Open Source auch international mit Ernsthaftigkeit verfolgt wird und sie war gleichzeitig ein Angebot an kenianische Partner:innen, gemeinsam an souveräner digitaler Infrastruktur zu arbeiten. Denn Open Source lebt von Ökosystemen, Menschen, Vertrauen, gemeinsamer Arbeit und der Bereitschaft, digitale Souveränität mit anderen gemeinsam aufzubauen.
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