Durch den Klimawandel nehmen Hitzewellen auch im Saarland immer mehr zu. Ein neues Klimadashboard zeigt jetzt, wie gut unter anderem die Kommunen im Landkreis Saarlouis darauf vorbereitet sind – und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Kreis Saarlouis · Durch den Klimawandel nehmen Hitzewellen auch im Saarland immer mehr zu. Ein neues Klimadashboard zeigt jetzt, wie gut unter anderem die Kommunen im Landkreis Saarlouis darauf vorbereitet sind – und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Mit Sonnenschirmen gegen die Hitze: Die jüngste Hitzewelle belastete nicht nur wie hier in Thüringen viele Menschen, sondern auch im Saarland. Ein neues Online-Dashboard zeigt nun, wie gut Städte und Gemeinden auf solche Extremwettter und den Klimawandel angepasst sind.
Foto: Martin Schutt/dpa/Martin SchuttHeiße Tage mit Temperaturen von teils über 40 Grad Celsius, tropische Nächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad sinkt – wegen des Klimawandels werden Hitzewellen, wie sie zuletzt auch das Saarland heimsuchten, in Zukunft noch häufiger auftreten. Angesichts von zahlreichen Wohnungen, die sich unter solchen Bedingungen auf mehr als 30 Grad aufheizen, und schätzungsweise 150 saarlandweiten Hitzetoten seit Jahresbeginn stellen sich nicht wenige die Frage: Wie gut sind unsere Städte und Gemeinden eigentlich auf den Klimawandel angepasst? Ein gemeinsames Online-Dashboard vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung zeigt dies nun anhand verschiedener Indikatoren für zahlreiche Kommunen – darunter auch mehrere aus dem Landkreis Saarlouis.
Im Mittelpunkt des unter anderem auf Satellitendaten basierenden „Stadtklimadashboards“ stehen dabei vor allem zwei Indikatoren: die Erreichbarkeit kühlender Grünflächen und der Anteil versiegelter Flächen im Siedlungsgebiet. So zeigt das Dashboard einerseits wenig überraschend, dass die Hitzebelastung umso mehr steigt, je näher man im Stadt- oder Ortskern befindet und je enger die Bebauung ist. In Saarlouis ist die Belastung beispielsweise um den Großen Markt, in Dillingen um den Bahnhof und Odilienplatz besonders hoch.
Gleichzeitig sind der nächste kühlende Park oder das nächste Gewässer für viele Menschen nicht weit entfernt. In Saarlouis etwa liegt der Anteil der Bevölkerung, die weniger als 500 Meter von Grün- oder Wasserflächen entfernt wohnen, bei über 96,6 Prozent – der höchste Wert im Landkreis. Mit rund 96,2 Prozent ist der Anteil in Rehlingen-Siersburg, in Dillingen mit 95 Prozent und in Überherrn mit 93,3 Prozent ebenfalls vergleichsweise sehr hoch und noch deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt ähnlicher Gemeinden, der bei 79,2 Prozent liegt.
Merklich schlechter sieht es in dieser Hinsicht laut dem Stadtklimadashboard in Schmelz, Lebach und Saarwellingen aus. So ist die nächste kühlende Grün- oder Wasserfläche in Schmelz für rund ein Drittel der dortigen Bevölkerung fußläufig nicht oder nur nach größerer Strecke erreichbar. In Lebach und Saarwellingen ist der Anteil solcher „Defizitflächen“ mit rund 27,5 Prozent beziehungsweise 17,1 Prozent ebenfalls vergleichsweise hoch.
Viele Kommunen im Landkreis weisen demnach zudem einen hohen Grad der Flächenversiegelung auf. In Dillingen ist der Anteil des Siedlungsraumes, der wasserundurchlässig versiegelt ist, mit 80,5 Prozent beispielsweise so hoch wie nirgendwo im Landkreis und dem gesamten Saarland. Mit rund 76,5 Prozent ist die Flächenversiegelung in Saarlouis aber ebenfalls recht hoch.
Bezieht man den Grad der Versiegelung hingegen auf die jeweilige Einwohnerzahl, ergibt sich ein etwas anderes Bild. So entfallen in Saarlouis auf jeden einzelnen Einwohner „nur“ rund 228 Quadratmeter an versiegelter Fläche. Den höchsten Wert nimmt hier wiederum Saarwellingen ein, wo auf jeden Einwohner eine wasserundurchlässige Fläche von 286 Quadratmeter kommt.
Unabhängig vom Stadtklimadashboard hat jetzt auch die Architektenkammer des Saarlandes (AKS) die Bedeutung von Grünflächen und wasserdurchlässigen Flächen für die erfolgreiche Klimaanpassung unserer Städte in einer vor Kurzem veröffentlichten Mitteilung hervorgehoben. Demnach brauche es eine zügige Umsetzung von baulichen Hitzeschutzmaßnahmen im Saarland, so die Forderung der AKS. „Konzepte zur Klimaanpassung gibt es bereits oder werden erarbeitet. Aber dieser Sommer zeigt: Wir können nicht länger warten. Wir müssen einfach machen“, sagt Bettina Berwanger, Vizepräsidentin der saarländischen Architektenkammer.
Vor allem bei Hitze wohltuend: Auf dem umgestalteten Gutenbergplatz in Saarlouis wurde auch eine Anlage gebaut, mit der feiner Wassernebel versprüht werden kann. Hierdurch kann die Umgebungstemperatur des Platzes abgekühlt werden.
Foto: Kim AhrendGenerell könne ein wirksamer Hitzeschutz im urbanen Raum aber nur im „Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen“ gelingen. „Entsiegelung, Schatten spendende Bäume, verdunstungsfähige Flächen und ein intelligentes Regenwassermanagement müssen gemeinsam gedacht werden“, betont AKS-Vorstandsmitglied und Landschaftsarchitekt Carlos Stuckert.
In ihrer Mitteilung verwiest die Architektenkammer auf den Gutenbergplatz in Saarlouis als Praxis-Beispiel, für den Stuckert ein umfassendes klimaangepasstes Freiraumkonzept realisiert hatte. Über ein Wasserspiel wird hier in regelmäßigen Intervallen ein feiner Wassernebel ausgestoßen, der kühlend auf die Umgebung wirkt. Das Prinzip hatte sich die Stadt Saarlouis während der jüngsten Hitzewelle auf dem Großen Markt zeitweise ebenfalls zunutze gemacht und dort mittels einer provisorischen Konstruktion Wassernebel zur Abkühlung verteilt. (str)