Bis 2045 müssen die Gemeinden im Saarland auch beim Heizen klimaneutral werden. In Schmelz wurde daher nun eine erste Zwischenbilanz im Zuge der dortigen Wärmeplanung gezogen – und die sorgt beim Bürgermeister für Alarmstimmung.
Schmelz · Bis 2045 müssen die Gemeinden im Saarland auch beim Heizen klimaneutral werden. In Schmelz wurde daher nun eine erste Zwischenbilanz im Zuge der dortigen Wärmeplanung gezogen – und die sorgt beim Bürgermeister für Alarmstimmung.
Setzt in vielen Fällen noch auf Öl und Gas: Zum Heizen nutzen viele Menschen in Schmelz noch fossile Energieträger. Bis spätestens 2045 soll die Kommune jedoch auch in diesem Bereich klimaneutral werden.
Foto: RuppenthalDen Drang, die Heizung aufzudrehen, dürfte wohl keiner der Anwesenden auf der jüngsten Gemeinderatssitzung im Rathaus von Schmelz verspürt haben. Die hohen Temperaturen der vergangenen Tage machten sich auch hier deutlich bemerkbar. Gleichzeitig stand mit der Kommunalen Wärmeplanung ein Thema auf der Tagesordnung, welches anderswo im Saarland mitunter schon für hitzige Diskussionen gesorgt hatte. In Schmelz ging es zunächst jedoch erst einmal um den bisherigen Status quo beim Heizen in der Gemeinde. Und der sorgte insbesondere beim Schmelzer Bürgermeister für deutliche Ernüchterung.
Die Zahlen, die das am Umweltcampus Birkenfeld angesiedelte Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (Ifas) – welches mit der Erstellung der Wärmeplanung von der Gemeinde Schmelz beauftragt wurde – im Rat präsentierte, sprachen eine deutliche Sprache: Geht es um das Heizen, sind die Menschen hier zu großen Teilen von fossilen Energieträgern abhängig. Diese dominieren bei der Wärmeerzeugung mit einem Anteil von rund 89 Prozent und sorgen auch zum größten Teil für die 35.600 Tonnen CO2-Äquivalente, die in der Gemeinde zuletzt durch das Heizen freigesetzt wurden.
Die Verwandlung eines Hauses aus den 50er Jahren zum Passivhaus
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Mit einem Anteil von knapp 93 Prozent sind private Haushalte dabei die größte Emittentengruppe. Industrie sowie Gebäude aus dem Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen sind wiederum für nur vier Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes im Zuge der Wärmeerzeugung verantwortlich. Öffentliche und kommunale Liegenschaften sogar nur für drei Prozent.
Rund zwei von drei Haushalten in Schmelz setzen demnach auf Heizöl. Im saarlandweiten Vergleich ist dies deutlich mehr als in anderen Kommunen in der Region. Gut ein Fünftel aller Heizungen werden in Schmelz wiederum mit Erdgas betrieben. Braun- und Steinkohle spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Mit rund elf Prozent ist der Anteil derjenigen, die beim Heizen auf Erneuerbare Energien setzen, wiederum vergleichsweise gering. Bundesweit lag dieser Anteil zuletzt bei etwa 19 Prozent.
Dass er die aktuellen Heizzahlen seiner Gemeinde durchaus alarmierend empfindet, macht Schmelz Bürgermeister Wolfram Lang (SPD) auch im Nachgang der Sitzung im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. „Es hat mich im ersten Moment doch schon sehr überrascht, wie abhängig wir in Schmelz vor allem noch von Öl sind“, sagt Lang. Dabei zeige die aktuelle weltpolitische Entwicklung, deutlich, dass man diese Abhängigkeit verringern müsse. Dass auf Bundesebene das bisherige Heizungsgesetz dahin gehend nun wieder abgeändert werden soll, dass auch nach 2045 der Einbau von neuen Öl- und Gasheizungen möglich sein soll, hält Lang für „definitiv falsch“. Gleichzeitig sei es jedoch wichtig, dass das Thema Wärmewende „nicht mit der Brechstange“, sondern vor allem „sozialverträglich“ vorangetrieben werde.
Letzteres dürfte vor allem in Schmelz von Bedeutung sein. Denn die Mehrheit der Gebäude hier wurde bereits vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 errichtet – viele Häuser sind entsprechend energetisch sanierungsbedürftig. Zudem ist ein Großteil der hiesigen Zentralheizungen älter als 20 Jahre und müssten daher in absehbarer Zeit ausgetauscht werden. Nach Angaben des Ifas wären in Schmelz rund 3000 zentrale Heizungsanlagen davon betroffen.
Gleichzeitig zeigen erste Untersuchungen im Zuge der Wärmeplanung: Viele Menschen in Schmelz werden künftig wahrscheinlich nicht von einem Wärmenetz profitieren können. Demzufolge wären die Chancen hierfür nur in Schmelz-Bettingen und dem Gemeindebezirk Hüttersdorf – und dort auch nur in Teilen – entsprechend hoch. In allen anderen Teilen der Gemeinde zeichnet sich also bereits jetzt ab, dass hier in Zukunft wohl vor allem auf dezentrale Lösungen, wie etwa Wärmepumpen, gesetzt werden muss.
„Persönlich hätte ich mir da in der Tat ein etwas höheres Potenzial erhofft“, sagt Lang, betont aber gleichzeitig, dass es sich hierbei nur um erste grobe Untersuchungen handele. Daher wolle man jetzt auch genauer in den entsprechenden Kerngebieten schauen, ob und wie genau sich ein Wärmenetz hier künftig eignen würde.
Potenzial für eine klimafreundlichere Wärmeversorgung ist in Schmelz dabei durchaus gegeben. So könnte laut dem Zwischenbericht des Ifas künftig unter anderem das Thema Geothermie in der Gemeinde eine größere Rolle spielen. Aber auch bei der Solarthermie und der Wärmeerzeugung durch Biomasse bestünden noch gewisse Potenziale.
Die Gemeinde selbst will laut Bürgermeister Wolfram Lang jedenfalls mit gutem Beispiel vorangehen. So würde etwa beim geplanten Kita-Neubau in Schmelz-Außen untersucht, ob hier künftig mittels Geothermie geheizt werden könne. Bis endgültig klar ist, wer in Schmelz auf ein Wärmenetz hoffen kann und wer sich selbst Gedanken um eine klimafreundlichere Form des Heizens machen muss, wird jedoch noch etwas Zeit vergehen. Mit der Fertigstellung des Kommunalen Wärmeplans wird im Schmelzer Rathaus erst gegen Ende des Jahres gerechnet. (leis)