Nach über 300 Gesprächen sieht Auswanderungsexperte Nicolas Kreutter einen Fehler immer wieder: Viele suchen nach dem perfekten Land. Dabei gibt es das nicht.
Nach über 300 Gesprächen sieht Auswanderungsexperte Nicolas Kreutter einen Fehler immer wieder: Viele suchen nach dem perfekten Land. Dabei gibt es das nicht.
Sicher, sonnig und günstig soll es im zukünftigen Traumland sein. Dazu niedrige Steuern, eine gute Gesundheitsversorgung, wenig Bürokratie und am besten freundliche Menschen. Diese Wunschliste begegnet mir immer wieder, wenn Menschen nach dem passenden Land zum Auswandern suchen.
Das Problem: Das Land gibt es nicht. Nach mehr als 300 Gesprächen mit Auswanderern weltweit für meinen Podcast Einfach aussteigen würde ich sogar sagen, dass die Suche nach dem perfekten Land eine der häufigsten Fallen bei der Auswanderungsplanung ist.
Nicolas Kreutter ist Podcaster, Autor und zweifacher Auswanderer. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Natürlich ist es verständlich, möglichst wenig Kompromisse machen zu wollen. Am Ende geht es bei einer Auswanderung um eine der größten Entscheidungen des Lebens. Doch wer versucht, ein Land zu finden, das alle Wünsche gleichzeitig erfüllt, kann lange suchen.
Ich erlebe immer wieder, dass Auswanderungspläne nicht an Visa, Geld oder fehlenden Jobmöglichkeiten scheitern, sondern schon viel früher: Menschen vergleichen Länder so lange miteinander, bis keines mehr gut genug erscheint. Sie bleiben in einer Schleife hängen und wandern am Ende gar nicht aus.
Die Schweiz bietet beispielsweise Sicherheit, eine hohe Lebensqualität und gute Jobmöglichkeiten. Dafür sind Immobilien und Kinderbetreuung sehr teuer. Thailand lockt mit warmem Klima und vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten, dafür können Sprache, Visa und Bürokratie zur Herausforderung werden.
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Auch meine Wahlheimat Irland ist nicht perfekt. Ich liebe die Natur, die Gelassenheit und unser Leben auf dem Land. Dafür müssen wir mit deutlich mehr Regen und höheren Lebenshaltungskosten klar kommen. Und von einem öffentlichen Verkehrsnetz wie in Deutschland, wo man mit Bus und Bahn überall hinkommt, können wir hier nur träumen. Ohne Auto ist man in Irland praktisch aufgeschmissen.
Die entscheidende Frage ist darum nicht: „Welches Land ist perfekt?“ Sondern: „Mit welchen Nachteilen kann ich gut leben?“
Was muss dein neues Land unbedingt bieten? Sicherheit, warmes Klima, gute Schulen, niedrige Lebenshaltungskosten oder Karrierechancen? Wer zehn Dinge gleichzeitig zur obersten Priorität erklärt, hat am Ende keine. Hilfreich können dabei auch Vergleichstools sein.
Wir haben beispielsweise den kostenlosen EINFACH AUSSTEIGEN Länderkompass entwickelt, der persönliche Prioritäten mit verschiedenen Ländern abgleicht und so eine erste Orientierung gibt.
Mindestens genauso wichtig ist, was für dich NICHT funktioniert. Extreme Hitze? Hohe Steuern? Eine große Sprachbarriere? Schlechte medizinische Versorgung? Oft helfen Ausschlusskriterien bei der Suche viel mehr als eine lange Wunschliste.
Das schönste Land bringt dir nichts, wenn du dort nicht dauerhaft leben darfst oder deinen Lebensunterhalt nicht finanzieren kannst. Aufenthaltsrecht, Jobmöglichkeiten, Einkommen, Steuern und Gesundheitsversorgung müssen darum direkt am Anfang überprüft werden.
Spanien ist nicht gleich Spanien – genauso wenig wie Irland, die USA oder Australien. Klima, Lebenshaltungskosten, Infrastruktur und Lebensgefühl können sich innerhalb eines Landes deutlich unterscheiden. Am Ende wanderst du schließlich nicht in ein Land aus, sondern an einen konkreten Ort.
Verbringe unbedingt vor der Entscheidung einige Wochen dort, wo du später leben möchtest. Geh einkaufen, fahr im Berufsverkehr, schau dir Wohngegenden an und rede mit Menschen, die dort leben – sie können dir authentische Einblicke ins Leben geben.
Am Ende geht es nicht darum, ein Land ohne Nachteile zu finden, sondern zu überlegen, wo man Kompromisse machen kann und wo nicht. Das perfekte Auswanderungsland gibt es nicht. Das passende schon.