Das Leben in Griechenland wirkt im Urlaub paradiesisch. Eine Auswanderin erzählt, was im Alltag schwieriger ist.

Kathleen O’Donnell
Nach ihrem ersten Besuch in Athen verliebte sich unsere Autorin in die Stadt und zog 2022 nach Griechenland.
Sie liebt ihr Leben dort, hat aber festgestellt, dass der entspannte Alltag auch unerwartete Nachteile mit sich bringt.
Häufig geschlossene Geschäfte und die gelassene Mentalität machen manche Dinge im Alltag schwieriger als gedacht.
Nach einer Woche Urlaub in Griechenland, in der ihr in kleinen Cafés Freddo Espresso trinkt, stundenlang in Tavernen zu Abend esst und Einheimische dabei beobachtet, wie sie scheinbar ganz entspannt ihren Alltag genießen, fragt ihr euch vielleicht: Könnte ich hier leben?
Mir ging es genauso. Ich bin in Boston aufgewachsen, habe mich aber bei meinem ersten Besuch in Athen in die Stadt verliebt. Ich hatte meinen Job gekündigt, um ein Jahr lang zu reisen – und Griechenland gefiel mir so gut, dass ich nach Ablauf des Jahres hierherzog.
2022 bekam ich meine Aufenthaltserlaubnis und einige Jahre später kaufte ich hier eine Wohnung. Ich liebe mein Leben in Athen. Aber ich habe gelernt, dass die Realität eines entspannten Lebens ziemlich anders aussieht als die Vorstellung davon.
Anfang August macht so vieles zuIn meinem zentral gelegenen Athener Viertel schließen fast alle Geschäfte und die meisten Cafés und Restaurants im August für mindestens zwei Wochen. Die Athener verlassen die Stadt dann in Scharen, um auf Inseln und in Dörfern Urlaub zu machen.
Für viele Amerikaner klingt die Vorstellung, mindestens zwei Wochen am Stück Urlaub zu nehmen, romantisch. Ich kann das nachvollziehen. Während meiner Zeit in den USA konnte ich noch nie so lange Urlaub machen.
Wenn aber so viele Menschen gleichzeitig verreisen, kann der Alltag kompliziert werden. Ich muss mich um Behördengänge lange im Voraus kümmern, meine Einkäufe sorgfältig planen und wegen der ausgedünnten Sommerfahrpläne im öffentlichen Nahverkehr längere Wartezeiten einplanen.
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Natürlich gilt das nicht für alle. Ich kenne Menschen, die in der Tourismusbranche arbeiten und in den Sommermonaten in der Hochsaison 14 Stunden am Tag arbeiten – eine weitere Schattenseite des Lebens hier und eine Erinnerung daran, dass nicht jeder die Vorteile des „Slow Living“ genießen kann.
Entspannte Wochenenden sind schön – aber sie brauchen Planung
Kathleen O’Donnell
Meine Wochenenden in Griechenland sehen ganz anders aus als früher in Amerika. Sonntags sind in meinem Viertel die meisten Supermärkte, Geschäfte und sogar große internationale Einzelhändler geschlossen. Viele kleinere Geschäfte in meiner Nähe schließen samstags ebenfalls früh.
Nach einer langen Arbeitswoche alles zu erledigen, was ansteht, kann deshalb ganz schön stressig sein. Ich liege samstagmorgens nur selten entspannt im Bett und trinke langsam meinen Kaffee.
Versteht mich nicht falsch: Ich bin froh, dass es einen Tag gibt, an dem fast alle frei haben. Ich liebe es, dass der Sonntag in Griechenland dazu da ist, sich mit Freunden und Familie zu treffen und zu entspannen, statt Erledigungen zu machen.
Aber manchmal vermisse ich die Möglichkeit, sonntags einfach einkaufen zu gehen.
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Bei den Handwerkern, die meine Wohnung renoviert haben, und bei Lieferdiensten habe ich gelernt, dass „ávrio“ – also „morgen“ – hier nicht unbedingt einen festen Termin bezeichnet.
Meistens bedeutet es eher „später“: vielleicht morgen, wenn alle Umstände passen, oder in ein paar Tagen, einer Woche oder irgendwann, bevor der Sommer vorbei ist. Auf „morgen“ folgt oft ein „Das kommt darauf an“ und ein Schulterzucken.
Diese Flexibilität ist wunderbar, wenn sie einem selbst zugutekommt. Wenn man allerdings tagelang darauf wartet, dass ein Elektriker endlich funktionierende Lampen in der neuen Wohnung installiert, kann sie frustrierend sein.
Daran musste ich mich nach meinem Leben in Boston erst gewöhnen. Dort bedeutete „morgen“ normalerweise tatsächlich den nächsten Tag.
Trotzdem liebe ich mein Lebenstempo hier
Kathleen O’Donnell
Auch wenn es an meinem Lebensstil hier einige Dinge gibt, die nicht ideal sind, genieße ich mein Leben in Griechenland sehr.
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Ich mag es, dass meine Freunde hier spontan am selben Tag einen Kaffee mit mir trinken gehen, statt einen Termin einen Monat im Voraus festzulegen. Ich liebe nichts mehr als ein vierstündiges Abendessen an einem warmen Sommerabend, bei dem der Kellner uns nicht zum Gehen drängt. Oder einen ganzen Sonntag am Strand zu verbringen und einfach ein Buch zu lesen.
Die Vorstellung von einem vollkommen entspannten Leben am Mittelmeer ist allerdings genau das: eine Vorstellung. Was im Urlaub paradiesisch wirkt, kann ganz anders aussehen, wenn man sich hier ein Leben aufbaut.
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