Santiago Cañizares warnt vor Finanzfehlern bei Profis. Seine Tipps zu Sparen, Beratern und Lebensstil helfen auch Normalverdienern.
Millionen auf dem Konto schützen nicht vor dem finanziellen Absturz. Ex-Torwart Santiago Cañizares erklärt, warum viele Profis schlecht vorbereitet sind – und was jeder daraus lernen kann.
Eine Profikarriere im Fußball bringt innerhalb weniger Jahre enorme Einkommen. Doch genau darin liegt nach Ansicht des früheren spanischen Fußball-Nationaltorwarts Santiago Cañizares ein Risiko: Viele Profis werden jahrelang auf sportliche Höchstleistungen vorbereitet – auf den Umgang mit Geld dagegen kaum, sagt Cañizares laut dem argentinischen Nachrichtenportal „Clarín“ im Podcast des Ökonomen Gustavo Martínez.
Das Wichtigste in Kürze:
„Fußballer sind – außer sie sind Kinder ehemaliger Spieler – nicht darauf vorbereitet, Vermögen zu verwalten“, so Cañizares weiter.
Der frühere Torwart von Real Madrid und Valencia begründet das mit der einseitigen Ausbildung vieler Nachwuchsspieler. Sie erhielten vor allem eine sportliche, aber kaum eine finanzielle Bildung.
Problematisch wird das besonders, wenn junge Profis innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr verdienen als zuvor. Mit dem Geld wachsen zugleich die Entscheidungen: Immobilien, Geldanlagen, Verträge oder die Auswahl von Beratern.
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Cañizares’ Warnungen richten sich zwar an Profifußballer, die Grundprinzipien gelten aber weit darüber hinaus. Auch bei Normalverdienern können steigende Fixkosten, falsche Beratung oder ein plötzlicher Einkommensrückgang die finanzielle Stabilität gefährden. Seine wichtigsten Lehren lassen sich deshalb direkt auf den Alltag übertragen:
Cañizares, der heute unter anderem für Cadena COPE und Movistar Plus als Analyst und Kommentator arbeitet, hält das persönliche Umfeld für entscheidend. Im Podcast erklärt er sinngemäß, dass der wirtschaftliche Erfolg eines Spielers stark davon abhänge, welchen Menschen man vertraut. Rund um erfolgreiche Profis gebe es zahlreiche Personen und Unternehmen, die an deren Einkommen mitverdienen wollten. Und das gilt auch für die Welt abseits des Fußballs.
Die zweite Gefahr ist laut Cañizares die kurze Dauer einer Profikarriere.
„Wenn der Fußball vorbei ist, bist du draußen – und dann ist Schluss“, sagt der Ex-Keeper.
Auch Sponsorenbeziehungen könnten nach dem Karriereende schnell an Bedeutung verlieren.
Seine Konsequenz daraus: Spieler sollten während ihrer aktiven Zeit Rücklagen bilden und langfristig investieren.
Diesen Ansatz vermittelt Cañizares nach eigenen Angaben auch seinen eigenen Kindern. Einen Teil ihres Einkommens sollen sie sparen und in Finanzanlagen stecken.
Die Gefahr ist keineswegs theoretisch. Oliver Bierhoff, ehemaliger Nationalspieler und DFB-Manager, beschäftigte sich nach seiner Karriere intensiv mit der Vermögensplanung von Profis. Gegenüber der ARD sagte er 2024, nach seiner Analyse sei etwa jeder achte Profifußballer nach der aktiven Karriere finanziell am Ende.
Ein Grund dafür: Viele Spieler verdienten schon in jungen Jahren sehr viel Geld und bauten einen entsprechend teuren Lebensstil auf. Falle das hohe Einkommen nach dem Karriereende weg, sei es für manche schwierig, die Ausgaben wieder zu senken.
Wie drastisch ein solcher Absturz ausfallen kann, zeigt das Beispiel des früheren deutschen Nationaltorhüters Eike Immel. Der ehemalige Spieler von Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart berichtete bereits 2015 im ZDF-Wirtschaftsmagazin „Wiso“, wie Luxusausgaben und fehlgeschlagene Immobilieninvestitionen sein Vermögen belasteten.
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Nach dem Ende seiner Karriere 1997 brachen seine Einnahmen stark ein, seinen Lebensstil passte er jedoch zunächst nicht entsprechend an. 2008 meldete Immel Privatinsolvenz an.
Rückblickend bezeichnete er sein damaliges Verhalten selbst als schweren Fehler. Sein Fall zeigt damit genau das Risiko, vor dem auch Cañizares warnt: Ein Millionenverdienst während weniger Karrierejahre garantiert noch lange keine finanzielle Sicherheit für das Leben danach.
Ein Paradebeispiel für eine frühzeitige Finanzplanung ist dagegen Mario Götze. Der Weltmeister von 2014 beschäftigt sich bereits während seiner aktiven Karriere systematisch mit der Zeit nach dem Profifußball.
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Gegenüber „Bloomberg“ erklärte Götze zudem, dass er sich nach dem Ende seiner Fußballkarriere stärker auf seine Investments konzentrieren wolle. Sein Ziel sei ein Portfolio, das sich langfristig selbst trägt.
Götze steht damit für den Gegenentwurf zu Fällen wie Immel: Er wartet nicht auf das Karriereende, sondern baut schon während der Jahre mit hohen Fußball-Einnahmen ein zweites wirtschaftliches Standbein auf.
Die Botschaft von Cañizares, Bierhoff und Götze reicht aber über den Profifußball hinaus: Ein vorübergehend hohes Einkommen schafft noch keine finanzielle Sicherheit. Entscheidend ist am Ende, wie viel davon langfristig erhalten bleibt.