Neustadt, Gröpelingen, Huchting – in diesen Bremer Stadtteilen haben Bürger die meisten Ratten gemeldet. Wie viele es sind und warum die Gesundheitsbehörde die neue Rattenverordnung als Erfolg wertet.
Ratten sind in Großstädten ein Problem – in Bremen werden die meisten in der Neustadt und in Gröpelingen gemeldet. Jens Kalaene
Seit Oktober ist in Bremen eine Verordnung in Kraft, wonach Besitzer von Grundstücken verpflichtet sind, Rattenvorkommen von zwei oder mehr Exemplaren zu melden und professionell bekämpfen zu lassen. Darüber hinaus ist das Melden nun einfacher als zuvor; auf Behördenseite erfolgt zudem eine bessere Abstimmung.
Wo wurden die meisten Ratten gemeldet?Die meisten Meldungen kommen bislang aus den Stadtteilen Neustadt, wo es 128 Meldungen gab, sowie Gröpelingen (126 Meldungen). In Huchting meldeten Bürger 67 Mal Ratten, in Walle waren es 53 Meldungen. Spezifische Hotspots wie Spielplätze, Keller oder Parkanlagen gebe es nicht, teilt Lukas Fuhrmann, Leiter des Büros der Gesundheitssenatorin, mit. Erfasst ist der Meldungszeitraum 1. Oktober 2025 bis 31. Mai 2026. Fuhrmann glaubt, dass in Gröpelingen deshalb so viele Ratten gemeldet wurden, weil das Thema dort auch im Ortsamt und Beirat präsent sei und es vermutlich auch aus diesem Umfeld Meldungen über Ratten gegeben haben könnte.
Lassen sich Rückschlüsse aus den Meldungen ziehen?Der Rückschluss, dass nur aufgrund der Meldungen in den genannten Stadtteilen der Rattenbefall besonders groß sei, sei nicht legitim, sagt Fuhrmann. Die Zahlen spiegelten lediglich das Meldeverhalten der Bürger wider. Insgesamt gab es im genannten Zeitraum 1227 Rattenmeldungen in Bremen. 1012 davon trafen über das Internet-Meldeformular ein, die übrigen 215 Meldungen gingen per E-Mail, Anruf oder Besuch im Gesundheitsamt ein.
Immer wieder wird von Rattenbefall an der Schlachte, den Wallanlagen oder auch am Sielwall berichtet. Deckt sich dieser Eindruck mit den Zahlen der gemeldeten Nager?Nein. Für die Adressen Sielwall, Schlachte, Herdentor, Bürgermeister-Smidt-Straße und die gleichnamige Brücke sowie für den Ostertorsteinweg liegen dem Gesundheitsressort bislang keine einzige Meldung vor. Für den Doventorsdeich und den Stephaniwall gibt es laut Fuhrmann insgesamt drei Meldungen. Allerdings gelte auch in diesen Fällen, dass die Zahlen lediglich das Meldeverhalten wiedergäben.
Warum wurde die neue Verordnung eingeführt?Mit der Verordnung zur Feststellung und Bekämpfung von Ratten in Bremen (BremRatBekV), die seit dem 17. Oktober gilt, sollen Ratten-Hotspots besser und schneller bekämpft werden können. Da Ratten über Flöhe, Zecken oder ihren Urin mehr als 120 Infektionskrankheiten auf Menschen und Tiere übertragen können, soll dadurch die Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten verbessert werden. Die Meldungen erfolgen zentral beim Gesundheitsamt.
Neben der telefonischen Möglichkeit gibt es auf den Bremer Service-Internetseiten ein Online-Meldeformular, über das Bürger die schädlichen Nager melden können. Je nachdem, wo sie auftreten, werden in einem zweiten Schritt gezielt die zuständigen Stellen wie Hansewasser, der Lebensmittelüberwachungs-, Tierschutz- und Veterinärdienst des Landes (LMTVet), das Ordnungsamt oder Immobilien Bremen verständigt. Bisher mussten Bürger selbst den richtigen Ansprechpartner herausfinden.
Wie zufrieden zeigt sich das Gesundheitsressort mit der neuen Rattenverordnung?Die Einführung der Verordnung zum 17. Oktober 2025 bewertet das Gesundheitsressort grundsätzlich positiv, sagt Lukas Fuhrmann. Dadurch sei ein einheitlicher Meldeweg für Rattensichtungen geschaffen worden. Da Bürgerinnen und Bürger ihre Beobachtungen nun an einer zentralen Stelle melden können und die Hinweise anschließend strukturiert an die jeweils zuständigen Behörden weitergeleitet werden, könnten die Maßnahmen gezielter koordiniert und bearbeitet werden, teilt Fuhrmann mit.
Darüber hinaus schaffe die Verordnung eine wichtige Grundlage, um ein möglichst vollständiges und ortsteilbezogenes Lagebild zum Rattenvorkommen in der Stadtgemeinde Bremen zu gewinnen. Belastbare Daten seien wichtig, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, Schwerpunkte zu identifizieren und Maßnahmen passend auszurichten.
Oliver Krol von der McKill-Schädlingsbekämpfung hat seit Einführung der neuen Verordnung mehr zu tun.
Foto: KATJA THIELE
Oliver Krol ist geschäftsführender Gesellschafter beim Schädlingsbekämpfer McKill mit Hauptsitz in Habenhausen. Genaue Zahlen zu Einsätzen kann Krol kurzfristig nicht nennen, er sagt allerdings: "Es ist spürbar, dass wir seit der Einführung der Verordnung mehr Aufträge zur Rattenbeseitigung haben."
Zwar suggerieren die bislang ausbleibenden Meldungen bei der Behörde, dass es im Bereich Sielwall und Schlachte kaum Ratten gebe. Allerdings hat Krol anhand seiner guten Auftragslage – auch aus dem Gastrobereich – stattdessen festgestellt, dass in diesem Areal sehr wohl ein Rattenvorkommen existiert. "Durch die Nähe zum Wasser ist dies aber auch nicht verwunderlich", sagt Krol. Dass nicht in allen Stadtteilen gleichermaßen Menschen Ratten melden, führt Krol auf die menschliche Psyche zurück. "Das hat auch viel mit Schamgefühl zu tun. Wenn man Ratten hat, hat man schnell den Eindruck: ‚Ich bin dreckig‘. Auch wenn das gar nicht stimmt."
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