Für die Tourismuskritiker auf Mallorca ist die Sache klar: „Wir haben uns in keiner Hinsicht verbessert, im Gegenteil: Die Lage ist schlimmer als im vergangenen Jahr“, heißt es von der Bewegung "Menys turisme, més vida". An diesem Sonntag (26.7.) geht Mallorca erneut gegen die negativen Auswirkungen des Massentourismus auf die Straße.
Für die Tourismuskritiker auf Mallorca ist die Sache klar: „Wir haben uns in keiner Hinsicht verbessert, im Gegenteil: Die Lage ist schlimmer als im vergangenen Jahr“, heißt es von der Bewegung "Menys turisme, més vida". An diesem Sonntag (26.7.) geht Mallorca erneut gegen die negativen Auswirkungen des Massentourismus auf die Straße.
Zwei Jahre nachdem die ersten großen Proteste die Debatte über die touristische Überfüllung der Insel ins Zentrum der Politik gerückt hatten, fordern die Mallorquiner erneut Grenzen für ein Modell, das sie für die Wohnungsnot und das ständige Gefühl verantwortlich machen, auf einer überfüllten und bedrängten Insel festzustecken.
Keine Reduzierung, nur Eindämmung„Die Landesregierung hat uns ignoriert“, heißt es bei "Menys turisme, més vida", die die Kundgebung organisieren. Die Regierung von Marga Prohens habe die Kritik an ihrer Politik bislang abgefedert, indem sie zwar Verständnis für die Überlastung signalisiere, jede Form von Reduzierung des Tourismus aber ablehne und ihre Strategie auf bloße Eindämmung beschränke.

Marga Prohens gibt sich gerne als Entscheiderin. Aber in Sachen Politik zögert auch sie. / B. Arzayus
Diese Beschwichtigungsversuche laufen jedoch ins Leere, während Mallorca weiter touristische Rekorde bricht. 2025 kamen insgesamt 13,56 Millionen Besucher auf die Insel, 1,35 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch 2026 setzte sich der Trend fort: Von Januar bis Mai wurden bereits 4.188.216 Touristen gezählt, 2,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Prozentual wirken diese Zuwächse gering, tatsächlich bedeuten sie aber Zehntausende zusätzliche Besucher auf einer Insel, die nach Ansicht der Initiativen längst an ihrer Belastungsgrenze angekommen ist.
Weiter gegenseitige SchuldzuweisungenDie Balearen-Regierung hält dennoch weitgehend an seiner bisherigen Darstellung fest. Drei Jahre nach ihrem Amtsantritt vermeidet Ministerpräsidentin Marga Prohens Selbstkritik und verweist bei Fragen zur Überlastung immer wieder auf das „Erbe“ des früheren Linksbündnisses.
Dabei blendet die PP-Chefin aus, wie scharf ihre Partei in der Opposition sämtliche Versuche kritisiert hatte, das touristische Wachstum zu begrenzen oder die Ferienvermietung während der Amtszeiten von Francesc Antich und Francina Armengol stärker zu regulieren.
75 Prozent der Einwohner finden: Es sind zu viele UrlauberEine 2025 von der Tourismusagentur AETIB erstellte Umfrage ergab, dass drei von vier Balearen-Bewohnern der Ansicht sind, es kämen zu viele Touristen auf die Inseln. Auch die Proteste spiegeln diese Sorge wider. Die Demonstration 2024 war mit 25.000 Teilnehmern nach Angaben der spanischen Regierungsdelegation und 50.000 nach Angaben der Veranstalter historisch. 2025 fiel die Beteiligung geringer aus. An diesem Sonntag wollen die Plattformen wieder an die Dynamik der ersten Proteste anknüpfen und die Kundgebung erneut zu einem „historischen“ Ereignis machen.
Geprägt wird der Protest zudem von zwei jüngsten Vorfällen. Zum einen veröffentlichte "Menys turisme, més vida" ein Dokument, in dem die Plattform zu „gewaltfreien direkten Aktionen“ gegen tourismusnahe Unternehmen aufruft. Zum anderen wurden zwei junge Aktivistinnen festgenommen, denen Sachbeschädigungen an mehreren Gebäuden in Santa Maria vorgeworfen werden. Bilder der beiden Frauen in Handschellen sorgten auf Mallorca für großes Aufsehen.

Die beiden Aktivistinnen auf dem Weg zum Gericht. / Ana B. Muñoz
Breiten gesellschaftlicher Konsens gefordertDer Vorsitzende der Umweltschutzorganisation GOB, Joan Moranta, erklärt, die Insel sei „am Limit“. Die Demonstration reagiere auf eine unbestreitbare Realität: „Schon im Jahr 2000 haben wir gesagt, dass wir mit zehn Millionen Touristen an der Grenze sind. Heute nähern wir uns 20 Millionen.“ Moranta beklagt, in den vergangenen zwei Jahren habe es „keinerlei Verbesserung“ gegeben. Er fordert einen breiten gesellschaftlichen Konsens, der über einzelne Parteien hinausgeht, um die Überlastung anzugehen.
Auch der Sprecher von "Menys turisme, més vida", Pere Joan Femenia, sieht den touristischen Druck erneut deutlich wachsen: „Wir haben sowohl in der Hoch- als auch in der Nebensaison wieder einen Anstieg festgestellt. Die Saison beginnt immer früher.“ Die Plattform rechnet nicht damit, dass der Govern seinen Kurs ändern wird: „Wir haben keine Hoffnung auf wirksame Maßnahmen zur Eindämmung oder auf einen touristischen Rückbau. Uns wurden bereits Maßnahmen versprochen, die sich als unzureichend erwiesen haben.“
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