In Palma gehen Zehntausende gegen die Auswüchse des Massentourismus auf die Straße. Sie wollen Urlauber nicht vertreiben, sondern bezahlbare Wohnungen, weniger Staus und Schutz für Wasser und Strände.
Menschen marschieren bei einer Demonstration gegen den Massentourismus durch die Straßen von Palma auf Mallorca.
Foto: Clara Margais/dpa/Clara MargaisMeinung | Madrid · In Palma gehen Zehntausende gegen die Auswüchse des Massentourismus auf die Straße. Sie wollen Urlauber nicht vertreiben, sondern bezahlbare Wohnungen, weniger Staus und Schutz für Wasser und Strände.
Mallorca hat gesprochen. So laut wie wohl noch nie. Zehntausende Menschen gingen in Palma auf die Straße, um gegen die Auswüchse des Massentourismus zu protestieren. Wer darin bloß eine Demonstration gegen Urlauber sieht, hat die Botschaft nicht verstanden.
Die Menschen auf Mallorca wissen sehr genau, wovon sie leben. Der Tourismus bezahlt ihre Löhne, finanziert Geschäfte und Restaurants und trägt einen großen Teil des Wohlstands. Kaum jemand will die Gäste vertreiben. Aber immer mehr Einwohner fragen sich, was ihnen dieser Wohlstand noch nützt, wenn sie keine bezahlbare Wohnung finden, jeden Sommer im Stau stehen und erleben, wie Strände, Dörfer und Wasserreserven an ihre Grenzen geraten.
Tourismus wächst, Insel kann nicht wachsen
Die konservative Inselregierung versteckt sich hinter einem „Pakt für Nachhaltigkeit“, der mit allen Beteiligten abgeschlossen werden soll. Doch dieser besteht bisher nur aus Absichtserklärungen und hat sich als reine Luftnummer erwiesen. Nötig sind Entscheidungen: gegen illegale Ferienwohnungen, für bezahlbaren Wohnraum, für deutliche Grenzen bei Mietwagen, Kreuzfahrtschiffen und weiteren Hotelprojekten.
Polizei greift ein, Protest wird überschattet
Diese Vorfälle dürfen aber nicht von der eigentlichen Botschaft ablenken. Und diese lautet: Das Urlaubsparadies Mallorca muss seinen Tourismuskurs ändern, wenn es nicht am eigenen Erfolg zugrunde gehen will. Die Frage ist nur, ob die Politik den Mut dazu findet.