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Gummigeschosse und Schlagstöcke: Gewalt überschattet Proteste gegen Tourismus auf Mallorca

Дата публикации: 28-07-2026 06:16:00




Zehntausende demonstrierten auf Mallorca gegen Massentourismus – friedlich, bis die Polizei mit Schlagstöcken und Gummigeschossen in die Menge geht. Spaniens Regierung nennt Bilder „inakzeptabel" und kündigt eine Untersuchung an.



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Gummigeschosse und Schlagstöcke Gewalt überschattet Proteste gegen Tourismus auf Mallorca

Polizisten bei der Demonstration gegen den Overtourismus am 26. Juli 2026.

Polizisten bei der Demonstration gegen den Overtourismus am 26. Juli 2026.

Foto: Tomàs Moyà/EUROPA PRESS/dpa/Tomàs Moyà

Madrid · Zehntausende demonstrierten auf Mallorca gegen Massentourismus – friedlich, bis die Polizei mit Schlagstöcken und Gummigeschossen in die Menge geht. Spaniens Regierung nennt Bilder „inakzeptabel" und kündigt eine Untersuchung an.

Mallorca hat die größte Demonstration gegen den Massentourismus in seiner Geschichte erlebt – und am Ende einen Polizeieinsatz, dessen Bilder nun die Insel erschüttern. Nach einem stundenlang friedlichen Protestzug mit Zehntausenden Menschen kam es am Sonntagabend im Zentrum der Inselhauptstadt Palma zu Auseinandersetzungen. Die Polizei ging mit Schlagstöcken und Gummigeschossen gegen Demonstranten vor. Mindestens acht Menschen wurden nach Angaben des Rettungsdienstes verletzt, ein Teilnehmer wurde festgenommen.

Videos und Fotos zeigen, wie Polizisten auf Demonstranten und offenbar ebenfalls auf Unbeteiligte einschlagen und mit Gummigeschossen in die Menge feuern. Augenzeugen zufolge wurden auch Touristen und Journalisten von Geschossen und Schlagstöcken getroffen. Ein junger Mann erlitt eine blutende Kopfverletzung. Spaniens Regierung kündigte eine Untersuchung der Vorfälle an. Einige der Bilder seien „inakzeptabel“, erklärte der spanische Regierungsrepräsentant auf der Urlaubsinsel, Alfonso Rodríguez.

Protest gegen Wirtschaftsmodell

Zu der Kundgebung unter dem Motto „Mallorca al límit“ – Mallorca am Limit – hatte das Bündnis „Menys Turisme, Més Vida“ aufgerufen: weniger Tourismus, mehr Leben. Die Demonstration wurde von mehr als 140 Bürgerinitiativen und Umweltschutzgruppen unterstützt. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 25.000 Menschen, die Veranstalter sprachen von 70.000. Inselmedien schätzten die Zahl der Teilnehmer auf etwa 50.000 und urteilten, es sei die bislang größte Demonstration gegen die Folgen des Massentourismus auf Mallorca gewesen.

Etwa anderthalb Stunden lang zog eine nicht enden wollende Menschenkette durch Palma. Familien mit Kindern liefen neben Rentnern, Umweltaktivisten, Gewerkschaftern und Landwirten, die mit Traktoren gekommen waren. „Mallorca steht nicht zum Verkauf“, „Mallorca ist ausgebucht“ und „Hier passt niemand mehr hinein“ stand auf den Plakaten. Immer wieder riefen die Teilnehmer: „Wer Mallorca liebt, zerstört es nicht“ und „Mallorca wird nicht verkauft, Mallorca wird verteidigt“.

Viele Botschaften richteten sich nicht gegen einzelne Urlauber, sondern gegen ein Wirtschaftsmodell, das nach Ansicht der Demonstranten immer neue Besucherrekorde braucht. „Tourismus ja, aber nicht so“, lautete einer der häufigsten Sätze. Wasserpistolen, mit denen Aktivisten bei früheren Protesten Urlauber bespritzt hatten, blieben diesmal zu Hause. Weder wurden Feriengäste bedrängt noch Hotels oder Immobilienbüros beschmiert.

Die Protestierenden machten deutlich, dass sie sich nicht als Feinde des Tourismus verstehen. Sie wollen weniger Besucher, weniger Ferienwohnungen und weniger Kreuzfahrtschiffe – vor allem aber ein Mallorca, auf dem seine Bewohner noch eine Wohnung finden können. Die große Wohnungsnot ist inzwischen zum Symbol für all das geworden, was nach ihrer Überzeugung auf der Insel schiefläuft. Der konservativen Inselregierung wird vorgeworfen, die Menschen mit leeren Versprechen hinzuhalten, aber in Wirklichkeit nichts gegen die Probleme der Insel zu tun.

Polizei sperrte Straßen zur Kundgebung

Die Gewalt begann erst am Ziel des Protestmarsches. Die Abschlusskundgebung sollte auf einem Gelände unterhalb der Kathedrale in Palmas City stattfinden. Obwohl der Platz noch keineswegs voll war, sperrte die Polizei die Zugänge. Tausende Teilnehmer, die in den angrenzenden Straßen festsaßen, verlangten, zu der Kundgebung durchgelassen zu werden.

Das „Mallorca Magazin“ kritisierte, die Polizei habe offenbar weder Megafone noch Lautsprecher eingesetzt, um den wartenden Menschen zu erklären, weshalb sie nicht weitergehen durften. So wurde die Lage von Minute zu Minute angespannter. „Volem passar“ – „Wir wollen durch“ –, skandierte die Menge. Einige Demonstranten zerrten an den Absperrungen. Polizisten versuchten, sie zurückzuschieben. Später eskalierte die Lage, als aus einer kleinen Gruppe Plastikflaschen und andere Gegenstände flogen.

Daraufhin feuerte die Polizei Gummigeschosse ab und ging mit Schlagstöcken gegen die Menge vor. Die Inselzeitung „Diario de Mallorca“ schrieb, Polizisten hätten auf Menschen eingeschlagen, deren einziges „Vergehen“ darin bestanden habe, den Einsatz zu filmen. Die Beamten hätten wahllos auf alle Personen eingeschlagen, die ihnen in den Weg geraten seien. Nach Angaben des Blattes „ging die Polizei zu weit”. Auch „mehrere Touristen sind von Gummigeschossen getroffen worden”, berichtete das Blatt.

Tourismusboom treibt Immobilienpreise hoch

Die politische Wirkung des Protests war am Montag in Mallorcas Presse unübersehbar. „Eine Botschaft der Bürger, die man nicht ignorieren kann“, überschrieb „Última Hora“, die größte Tageszeitung der Insel, ihren Leitartikel. Im Abschlussmanifest zeichnet das Protestbündnis das Bild einer Insel, die unter ihrem wirtschaftlichen Erfolg zu ersticken droht. Der Tourismusboom treibe die Immobilienpreise in die Höhe. Wohnraum für Einheimische sei unbezahlbar geworden.

Gefordert werden eine Deckelung der Besucherzahlen, weniger Flüge und Kreuzfahrtschiffe, eine Begrenzung der Mietwagen sowie ein konsequenteres Vorgehen gegen illegale Ferienvermietungen. Weitere Hotels und touristische Großprojekte sollen verhindert werden. Außerdem verlangt das Bündnis mehr Sozialwohnungen, bessere Arbeitsbedingungen und einen stärkeren Schutz von Wasserreserven und Naturlandschaften.

„Auf Mallorca ist kein Platz mehr für weitere Autos, Hotels, Ferienwohnungen, Fast-Food-Ketten und Touristen“, heißt es in dem Manifest. Der Tourismus müsse schrumpfen, damit die Insel für ihre Bewohner bewohnbar bleibe. Die Balearen verzeichneten 2025 mit rund 19 Millionen Besuchern erneut einen Rekord. Mallorca allein kam auf etwa 13,6 Millionen Urlauber – 2026 werden noch mehr Touristen erwartet. Auf den Balearischen Inseln leben dagegen nur gut 1,3 Millionen Menschen, davon knapp eine Million auf der Hauptinsel Mallorca.

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