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„Wir haben es nicht gut gemacht“: Regisseurin Marga Melià über Mallorcas Tourismus-Dilemma

Дата публикации: 24-07-2026 15:33:52

Sie ist die bekannteste Regisseurin der Insel. Jetzt kehrt Marga Melià unter dem Titel „Suportant el paradís“ (Das Paradies ertragen) mit einem Doppelprojekt in Form von Buch und Film zurück – und setzt sich darin mit den Herausforderungen auseinander, auf einer touristisch geprägten Insel zu leben. Das Buch ist eine Neuauflage eines Interviewbands, den Melià im Jahr 2011 veröffentlicht hatte. Darin sprach sie mit bekannten Kulturschaffenden der Insel, unter anderem Miquel Barceló, Miguel Adrover, Maria del Mar Bonet und Tomeu Caldentey. Bei der Doku, die im Rahmen des Atlàntida Film Fests in Palma (24.7.–2.8.) Premiere feiert, spricht sie sowohl mit den im Buch auftauchenden Persönlichkeiten als auch mit jüngeren Künstlern. Ein Gespräch über das, was der Tourismus mit der Insel gemacht hat – und wer dafür verantwortlich ist.

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Sie ist die bekannteste Regisseurin der Insel. Jetzt kehrt Marga Melià unter dem Titel „Suportant el paradís“ (Das Paradies ertragen) mit einem Doppelprojekt in Form von Buch und Film zurück – und setzt sich darin mit den Herausforderungen auseinander, auf einer touristisch geprägten Insel zu leben. Das Buch ist eine Neuauflage eines Interviewbands, den Melià im Jahr 2011 veröffentlicht hatte. Darin sprach sie mit bekannten Kulturschaffenden der Insel, unter anderem Miquel Barceló, Miguel Adrover, Maria del Mar Bonet und Tomeu Caldentey. Bei der Doku, die im Rahmen des Atlàntida Film Fests in Palma (24.7.–2.8.) Premiere feiert, spricht sie sowohl mit den im Buch auftauchenden Persönlichkeiten als auch mit jüngeren Künstlern. Ein Gespräch über das, was der Tourismus mit der Insel gemacht hat – und wer dafür verantwortlich ist.

Sie haben die Interviews für das Buch 2009 und 2010 geführt. Welche Entwicklungen hat man damals schon vorhergesehen?

Vor allem den Identitätsverlust. Damals sprach man noch eher von der Globalisierung als heute von der Gentrifizierung. Egal an welchen Ort man reist, überall ist es gleich. Man findet dieselben Geschäfte, dieselben Restaurants, dieselben ästhetischen Muster. Wo bleibt da die Essenz eines Ortes? Wir sehen es auf Mallorca auf verschiedenen Ebenen. Etwa bei der Sprache. Das Katalanische wird immer mehr zurückgedrängt. Oder in der Natur. Orte, die uns wichtig waren, gehen verloren, weil sie immer stärker ausgebeutet werden. Ich war als Kind häufig am Caló des Moro. Meinem Sohn habe ich die Bucht bis heute nicht gezeigt. Sie ist immer überfüllt. Es fühlt sich an, als gehöre einem der Ort nicht mehr. Das ist sehr traurig. Manche der Gesprächspartner hatten eine dunkle Vorahnung. Ihnen wurde aber Panikmache vorgeworfen.

Gab es damals Lösungsansätze?

Damals glaubte man noch, eine Diversifizierung des Tourismus und eine Entzerrung über das ganze Jahr könnten eine gute Lösung sein. Viele Menschen, die damals ein Problem erkannten, dachten: Wenn die Besucher nicht nur wegen Sonne und Strand kämen, sondern auch wegen unserer Kultur, unserer Berglandschaften und all der besonderen Seiten Mallorcas, würde sich die Situation verbessern. Heute muss ich sagen: Das war ein Irrtum.

Gab es Aspekte unseres Alltags heute, die damals noch nicht vorhergesehen wurden?

Die Wohnungsnot. Diese brutalen Preissteigerungen bei Immobilien- und Mietpreisen, aber auch den Lebenshaltungskosten allgemein, war kaum vorherzusehen. Nur der Schriftsteller Cristòbal Serra, der damals schon sehr alt war, drückte Sorge über die Auswirkungen auf die Kaufkraft der Menschen aus.

Mittlerweile dürfte es wenige Menschen auf Mallorca geben, die sich der Probleme nicht bewusst sind.

Und die Diskussion darüber, wie man damit umgeht, ist sehr kompliziert. Mallorca war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine sehr arme Insel. Dann erschien der Tourismus als sehr schneller Weg zu Wohlstand, Geld und besseren Lebensbedingungen. Meiner Ansicht nach ließ man die Entwicklung einfach laufen. Es gab keine Grenzen und keine langfristige Perspektive. Zwar gab es seit den 1970er-Jahren Proteste gegen die Zerstörungen, die angerichtet wurden, und einzelne Künstler warnten schon damals. Insgesamt aber ist ein wirklich tiefes kollektives Bewusstsein dafür, was mit uns geschieht, erst vor sehr kurzer Zeit entstanden. Ich glaube, wir müssen uns mit unserer eigenen Rolle bei diesen Entwicklungen auseinandersetzen. Wir können nicht so tun, als wäre uns alles einfach nur widerfahren und als hätten wir nichts damit zu tun.

Tourismusdemo in Palma.

Tourismusdemo in Palma. / Cati Cladera/Efe

Auf Mallorca hört man häufig – nicht selten von Urlaubern – die Forderung, die Menschen hier sollten dem Tourismus dankbar sein. Stimmt das?

Mit dieser Einstellung bin auch ich aufgewachsen. Meine Eltern waren beide Reiseführer. Mir ist vollkommen bewusst, dass ich studieren, im Ausland leben und viele Dinge in meinem Leben tun konnte, weil der Tourismus wirtschaftliche Möglichkeiten geschaffen hatte. Bis vor relativ wenigen Jahren war es schwierig, dieses System grundsätzlich infrage zu stellen. Die Haltung lautete: Ja, es hat negative Seiten, aber wir leben vom Tourismus, und eine Alternative gibt es nicht.

Hat sich diese Haltung in Ihrer Familie mit der Zeit geändert?

Mein Vater ist vor einigen Jahren gestorben. Er hat einige der Entwicklungen nicht miterlebt. Darüber bin ich beinahe froh, denn er liebte Mallorca sehr und manche Veränderungen hätten ihm gar nicht gefallen. Meine Mutter hat ihre Meinung geändert. Sie sagt weiterhin: „Wir dürfen nicht vergessen, dass uns der Tourismus gute Lebensbedingungen ermöglicht hat.“ Aber sie sagt auch: „Wir haben es nicht gut gemacht.“

Am Sonntag (26.7.) steht die Großdemo gegen die negativen Auswirkungen des Massentourismus an. In den vergangenen Jahren hatte man das Gefühl: Die Menschen sind verärgert. Aber eine richtige Wut spürte man nicht.

Vielleicht ist es tatsächlich eine mallorquinische Eigenart. In den 1970er-Jahren lebte Joan Miró bereits seit längerer Zeit hier. Er war Katalane, hatte aber mallorquinische Familie und war auf der Insel fest verwurzelt. Er war damals kurz davor, Mallorca zu verlassen. Er lebte in Cala Major und sah, wie die Gegend plötzlich zerstört wurde. Sinngemäß sagte er: „Ich kann kaum glauben, wie passiv die Mallorquiner sind.“ Ich glaube tatsächlich, dass wir ein Volk sind, dem es schwerfällt, unmittelbar wütend zu werden. Wir möchten Konflikten eher aus dem Weg gehen.

Was ist also die Lösung?

Ich kenne die Antwort nicht. Aber ich glaube, wir brauchen eine ernsthafte Debatte darüber, was wir wollen und in welche Richtung wir gehen können. Es braucht einen Perspektivwechsel, wie ihn meine Mutter und viele andere vollzogen haben: nicht sofort zu sagen „Rühr mir das nicht an“, sondern selbstkritisch zu sein. Wenn ich das Tourismusmodell kritisiere, greife ich ja nicht die Menschen an, die in diesem Bereich arbeiten. Ich kritisiere die Folgen dieses Modells – sofern man überhaupt von einem Modell sprechen kann. Denn die vorherrschende Philosophie lautete immer: Mehr ist besser. Genau darin liegt meiner Ansicht nach der Fehler. Mehr ist nicht immer besser.

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