Aktuelle Studien zeigen: Die meisten Nutzer surfen mit Browsern, die kaum Schutz vor Tracking bieten. Welcher Browser hält, was er verspricht?
Aktuelle Studien zeigen: Die meisten Nutzer surfen mit Browsern, die kaum Schutz vor Tracking bieten. Welcher Browser hält, was er verspricht?
Rund 3,7 Milliarden Menschen nutzen Google Chrome – doch eine im Dezember 2025 veröffentlichte Studie des Software-Anbieters Digitain zeigt: Ausgerechnet der beliebteste Browser der Welt gehört beim Datenschutz zu den Schlusslichtern. Digitain testete 13 Browser und verrechnete die Ergebnisse zu einem Privacy Risk Score von 1 bis 99. Je höher der Wert, desto schlechter der Schutz. Chrome landete mit einem Score von 76 auf dem letzten Platz. Brave und Mullvad Browser erzielten die besten Werte. Das Open-Source-Testportal PrivacyTests.org bestätigt dieses Bild: LibreWolf, Mullvad Browser und Tor Browser zeigen den stärksten Schutz gegen sitzungsübergreifendes Tracking.
Hermann Sauer ist IT-Sicherheitsexperte engagiert sich seit über 20 Jahren für Datenschutz und Online-Anonymität. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Neben dem Schutz vor Werbetrackern stellt sich eine ebenso wichtige Frage: Welche Daten sendet der Browser selbst an seinen Hersteller? Die wegweisende Studie von Professor Douglas Leith am Trinity College Dublin untersuchte genau das. Brave sendete als einziger Browser keinerlei Identifikatoren. Chrome, Firefox und Safari lagen im Mittelfeld. Edge und Yandex bildeten das Schlusslicht, weil beide persistente Kennungen übermitteln, die sich nicht abschalten lassen.
Chrome sendet bei aktivierter Synchronisierung Browserverlauf und Nutzungsstatistiken an Google. Edge übermittelt eine persistente Gerätekennung, die über Neuinstallationen hinweg bestehen bleibt. Firefox erlaubt es, Telemetrie vollständig zu deaktivieren. LibreWolf und Mullvad senden keinerlei Telemetrie.
Google Chrome dominiert den Markt mit rund 67 Prozent Anteil, sammelt aber die meisten Nutzerdaten. Beim Tracker-Blocking erzielte Chrome null von 100 Punkten – Werbenetzwerke können Chrome-Nutzer ungehindert verfolgen. Selbst der Inkognito-Modus schützt nur vor anderen Nutzern desselben Geräts, nicht vor Google oder dem Internetanbieter.
Microsoft Edge erreichte einen Score von 63 – etwas besser, aber mit problematischer dauerhafter Gerätekennung. Apple Safari schneidet mit einem Score von 49 deutlich besser ab – Apples Intelligent Tracking Prevention blockiert Drittanbieter-Cookies standardmäßig. Mozilla Firefox liegt mit einem Score von 50 auf ähnlichem Niveau. Als Produkt einer gemeinnützigen Stiftung basiert Firefox nicht auf Werbeeinnahmen. Mit uBlock Origin und dem Enhanced Tracking Protection auf Stufe Streng wird Firefox zum soliden Datenschutz-Werkzeug.
LibreWolf basiert auf Firefox, deaktiviert jedoch sämtliche Telemetrie ab Werk und sendet keinerlei Daten an den Hersteller. Vorinstalliert sind der Werbeblocker uBlock Origin und eine gehärtete Konfiguration. Der Nachteil: Updates müssen teilweise manuell eingespielt werden, und es gibt keine Cloud-Synchronisierung.
Mullvad Browser wurde vom schwedischen VPN-Anbieter Mullvad und dem Tor-Projekt entwickelt. Alle Nutzer erscheinen mit identischem Browser-Fingerabdruck, was Identifizierung extrem erschwert. In der Digitain-Studie gehörte Mullvad zusammen mit Brave zu den Spitzenreitern.
Apple zwingt alle iOS-Browser, seine WebKit-Engine zu verwenden – die Datenschutz-Unterschiede sind daher gering. Auf Android bieten Brave und DuckDuckGo Browser guten Schutz. Experten empfehlen Brave auf Android und Safari oder Brave auf iOS.
Viele Dienste lassen sich sowohl als App als auch im Browser nutzen. Aus Datenschutzsicht ist der Browser fast immer die bessere Wahl. Native Apps erhalten Zugriff auf Gerätefunktionen wie Standort, Kamera, Mikrofon und Kontakte. Studien zeigen, dass über 70 Prozent der Apps mehr Berechtigungen anfordern, als nötig wäre. Wer einen Dienst im Browser aufruft, profitiert automatisch von Tracker-Blockierung, Cookie-Isolation und Fingerprinting-Schutz.
Wer seinen Standard-Browser nicht wechseln möchte, sollte zumindest die Datenschutz-Einstellungen verschärfen, Telemetriedaten deaktivieren und einen Werbeblocker wie uBlock Origin installieren. Deutlich mehr Schutz bieten spezialisierte Browser wie LibreWolf oder Mullvad, die Datenschutz ab Werk liefern. Bei Erweiterungen gilt: So wenige wie möglich installieren und deren Berechtigungen kritisch prüfen. Und wenn ein Dienst sowohl als App als auch im Browser verfügbar ist, ist die Browser-Variante fast immer die datenschutzfreundlichere Wahl.
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