ICE-Zwangsstopp nahe Saarbrücken: Darum saßen Passagiere auf der Strecke Frankfurt – Paris mitten in der Nacht fest. Erst nach Stunden ging es für sie weiter. Bei hohen Temperaturen fiel zudem die Klimaanlage aus.
Saarbrücken · ICE-Zwangsstopp nahe Saarbrücken: Darum saßen Passagiere auf der Strecke Frankfurt – Paris mitten in der Nacht fest. Erst nach Stunden ging es für sie weiter. Bei hohen Temperaturen fiel zudem die Klimaanlage aus.
Ein ICE ist in der Nacht auf Samstag in den Bahnhof nach Forbach/Lothringen geschleppt worden, nachdem er auf freier Strecke bei Stiring-Wendel im Département liegengeblieben war. (Archivaufnahme)
Foto: Sophia SchülkeGravierende Panne bei der Deutschen Bahn (DB): Dabei ist ein ICE von Frankfurt/Main über Saarbrücken nach Paris kurz hinter der Grenze in Lothringen über Stunden gestrandet. Passagiere saßen in dem Fernzug fest. Erst mit großer Verspätung und Umstiegen erreichten sie ihr Ziel: die französische Hauptstadt.
Bis dahin stand der Schnellzug bei Stiring-Wendel im ans Saarland angrenzenden Département Moselle auf freier Strecke. Darüber berichtet zuerst die Lothringer Tageszeitung Républicain Lorrain (Bezahlschranke). Was die Situation in der Nacht auf Samstag, 27. Juni, noch zugespitzt haben soll: Die Klimaanlage des Zuges sei zudem ausgefallen, während draußen wegen des Extremwetters außergewöhnlich hohe Temperaturen herrschten. Fenster der modernen Bahnen sind nicht zu öffnen.
Der ICE war am Freitag um 18.53 Uhr in Frankfurt planmäßig gestartet. Normalerweise hätte er am Pariser Bahnhof Gare de l’Est um 22.50 Uhr eintreffen sollen. Doch die übliche Fahrtzeit von knapp unter vier Stunden zog sich durch den Zwangsaufenthalt direkt hinter der saarländischen Grenze hin: Erst am frühen Samstagmorgen kamen die Reisenden am Ziel an. An die 380 Menschen seien davon betroffen gewesen.
Der Républicain Lorrain schildert eine „chaotische Weiterfahrt“ mit mehreren Umstiegen. Doch zunächst sollen die Fahrgäste in dem stillstehenden ICE ausgeharrt haben. Mehr als drei Stunden mussten sie in dem Zug ausharren, der sich zunehmend aufgeheizt habe. Erst danach seien die ICE-Kunden in einen französischen Regionalzug (TER) umgestiegen. Dieser habe sie dann nach Forbach gebracht.
Mit zwei Ersatz-TGV ging es von dort weiter nach Paris. Erst gegen 5.30 Uhr kamen sie an, heißt es weiter. Beim TGV handelt es sich um das französische Gegenstück der Staatsbahn SNCF zum ICE (Intercity-Express) der DB. Beide Unternehmen betreiben mit ihren jeweiligen Schnellzügen im Wechsel die Verbindung zwischen Paris und Frankfurt über die saarländische Landeshauptstadt. TGV steht für Train à grande vitesse – Zug mit großer Geschwindigkeit.
Der ICE von deutscher Seite sei gegen 21.45 Uhr bei Stiring-Wendel liegen geblieben. Nach Auskunft eines Bahnsprechers in Berlin sei dafür ein technischer Defekt verantwortlich gewesen, wie die SZ auf Anfrage am Sonntag erfährt. Worum es sich dabei konkret handelte, dazu macht der Unternehmensvertreter keine Angaben.
Während der havarierte ICE gegen 2.45 Uhr mit einer Ersatzlokomotive in den Bahnhof nach Forbach geschleppt wurde, seien die Fahrgäste von dort aus über Metz nach Paris gebracht worden. Der DB-Sprecher entschuldigt sich „für alle Unannehmlichkeiten in dieser besonderen Situation“. Gleichzeitig verweist er auf die Fahrgastrechte, die Kunden bei Verspätungen bis hin zu Ausfällen zustehen.
Bereits seit geraumer Zeit kommt es im grenzüberschreitenden Bahn-Verkehr, an dem die DB beteiligt ist, immer wieder zu Verzögerungen und gestrichenen Fahrten. Das sorgt insbesondere im Ausland für Kritik. Während Verantwortliche in Frankreich bereits mehrfach auf Probleme mit der DB hinwiesen, stoppte die Schweiz länderübergreifende Züge der Deutschen Bahn an ihrer Grenze dauerhaft, um den in der Eidgenossenschaft in der Regel funktionierenden Fahrplantakt einhalten zu können.
Informationen zu den Fahrgastrechten bietet die Deutsche Bahn (DB) auf dieser Internetseite. (ian)