Die WM macht aus Morgenmuffeln Frühaufsteher. Zumindest für 90 Minuten.
Räbeblatt

09.07.2026, 11.50 Uhr
Die WM macht aus Morgenmuffeln Frühaufsteher. Zumindest für 90 Minuten.

Wer vor fünf Uhr morgens ausser Haus geht, findet sich oft in einer gähnenden Leere wieder. Höchstens eine Handvoll Frühaufsteher ist bereits auf der N23 anzutreffen. Hindernisfreie Fahrt, auch durch den Bürgler Kreisel. Wer im Fitnessstudio landet, den erinnert allerhöchstens der Schweissgeruch vom Vorabend daran, dass hier wenige Stunden zuvor noch Treiben herrschte.
Und wenn die Hartgesottenen so früh etwas für ihre Fitness tun, dann aber leise. Es herrscht ein unausgesprochenes Redeverbot. Ein Nicken zur Begrüssung ist das Höchste der Gefühle, man will ja nicht die Ruhe stören. In den frühen Morgenstunden scheinen die Gewichte leiser zu klirren, und selbst das Laufband surrt gedämpft vor sich hin. Jeder konzentriert sich auf sich selbst, begleitet nur vom leisen Aufprall der Hantel auf den Boden.
Doch die gefühlte Mehrheit ist morgens eher nicht in der Muckibude anzutreffen. Die meisten schaffen es gerade rechtzeitig aus dem Bett. Kaffeetasse in die Hand, Schuhe an, Autoschlüssel suchen. Der Arbeitstag wartet. Vor Arbeitsbeginn freiwillig irgendwo auftauchen? Undenkbar.
Und dann kam der Freitag. Plötzlich war alles anders. Bereits kurz nach vier Uhr morgens rollen Kinder in Leuchtwesten mit dem Velo Richtung Schule. Im Bürgler Kreisel stockt der Verkehr, als wäre es halb acht. Und wer vor dem Thurgauer Dörfli in Weinfelden noch einen guten Parkplatz ergattern wollte, hätte besser vor fünf Uhr da sein sollen.
Von Morgenmuffeln keine Spur. Das unausgesprochene Redeverbot wurde ausgesprochen und sogleich verworfen. Statt Schweigen herrschte Stimmengewirr. Ob man kommt, war kaum die Frage, höchstens, was im Becher landet. Die einen stossen mit Bier an, die anderen leeren ihren Kaffee vor lauter Begeisterung beinahe über die eigenen Füsse. Es herrscht kollektiver Ausnahmezustand.
Die rund 100 sonst zu der Uhrzeit noch schlaftrunkenen Fussball-Enthusiasten verfolgten in der Güttingersreuti das frühe WM-Spiel. Danach zur Arbeit? Ein Kinderspiel. Drei Stunden Schlaf sind genug. WM ist ein Akronym für Wachmacher. Wer braucht da noch Koffein oder Fitness am Morgen?
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