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WM-Kolumne: Für die Tonne - und ganz egal

Дата публикации: 30-06-2026 12:00:00

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist ausgeschieden bei der Weltmeisterschaft. Weshalb die aktuelle Gemütslage lautet: Schland unter. Dabei ist Gewinnen doch eigentlich überhaupt nicht so wichtig.


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Kolumne "Make Fußball great again" Für die Tonne - und ganz egal

Deutschlands Nationalspieler Nick Woltemade nach dem WM-Aus (imago images/Moritz Mueller)
Deutschlands Nationalspieler Nick Woltemade nach dem WM-Aus (imago images/Moritz Mueller)

Ein mit 48 Mannschaften und 104 Spielen aufgeblähtes Turnier. Veranstaltet von einem als korrupt geltenden Weltverband und ausgerichtet unter anderem von US-Präsident Donald Trump. Über den man vieles schreiben könnte - nur wenig Gutes. Eine Weltmeisterschaft mit zu weiten Wegen und zu hohen Preisen. Politisch wie wirtschaftlich. Ob die Schönheit, die der Fußball sein kann, dagegen ankommt, beobachtet Fußball-Fanatiker Ilja Behnisch in dieser Kolumne zur FIFA Fußball-WM.

Als ich in meinen Zwanzigern war, zogen meine Eltern beruflich bedingt für ein paar Jahre in die USA, nach New Jersey. Das war schön für sie und schön für mich, denn ich konnte sie mehrmals für ein paar Wochen dort besuchen. Tagelang durch das sehr nahe gelegene New York staunen und darüber, wieviel Energie eine Stadt und ihre Einwohner ausüben können. So viel Energie, dass selbst ein perspektivloser Schluff wie ich es damals war, dachte: Ich will und muss und werde etwas aus meinem Leben machen! Etwas Großes! Etwas, das bleibt!

Der Traum vom Erfolg

Was genau das sein könnte, das wollte mir zwar nicht einfallen. Die Früchte des Erfolgs ernten sah ich mich dafür umso leichter. Besonders leicht in der Shopping Mall, die sich in der Nähe meines elterlichen Wohnortes befand und mithin in einer so exquisiten Gegend, dass auf den Fluren dieses Einkaufszentrums nicht irgendwelche Autos ausgestellt und beworben wurden, sondern Bentleys. Mein Favorit: Ein Continental GT zum Verkaufspreis von rund 150.000 Dollar.

Ich war jung, erfolglos und sicher, dass ich irgendwann im Besitz eines solchen Autos sein würde. Rund 20 Jahre später ist festzuhalten: Ich bin sehr zufrieden mit meinem vor fünf Jahren für 10.000 Euro gebraucht gekauften Hochdachkombi. Und überhaupt auch sonst.

Es ist passiert, was zu erwarten war

Dabei könnte man mein Leben auch schnell als Sammelsurium des Scheiterns betrachten. Nichts, was ich beruflich jemals versucht habe, war erfolgreich. Keine Bücher, keine Podcasts. Nichts von bleibendem Wert, wie man so sagt. Außer es gemacht zu haben und die auf dem Weg erlangte Erkenntnis: Damit bin ich in bester, ja in überragender Gesellschaft.

Womit wir beim Fußball und Schland unter wären. Neuesten Studien zufolge wird je Weltmeisterschaft ja immer nur ein Land auch tatsächlich Weltmeister. Dass Deutschland beim Versuch, the one zu sein, im Sechszehntel-Finale gegen Paraguay ausgeschieden ist, ist dabei angesichts der Erwartungen zwar so etwas wie ein vorzeitiger Enttäuschungs-Erguss. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese DFB-Elf es bis ins Finale oder gar zum Titel hätte schaffen können, lag aber ohnehin im mikroskopischen Bereich. Es ist also genau das passiert, was zu erwarten war: Der Weltmeister 2026 heißt nicht Deutschland.

Zu wenig Spaß

Meinen Lebensbeobachtungen folgend würde ich bei 99 Prozent ansetzen: 99 Prozent aller Dinge, die nicht zum unmittelbaren Lebenserhalt der Menschen beitragen, sind für die Tonne. Oder verflüchtigen sich. Selbst das, was für den Moment ein Erfolg zu sein scheint. Horchen Sie doch mal in sich hinein: Wie viele Spieler der Weltmeister-Elf von 1954 können Sie ad hoc aufzählen? Eben. Man lebt, stirbt und wird vergessen.

Das mag ernüchternd klingen, lässt sich aber leicht auffangen. Etwa mit den Worten der amerikanischen Surf-Legende Philip Edwards, der einst sagte: "Der beste Surfer ist der, der am meisten Spaß hat."

Und vielleicht wiegt also schwerer als der verpasste WM-Titel, dass diese deutsche Nationalmannschaft und allen voran ihr zunehmend dünnhäutiger wirkender Trainer rund um die WM-Partien nie so wirkten, als hätten sie Freude am eigenen Tun. Weil sie dachten, es ginge allein oder vor allem ums Gewinnen. Wie das so ist in den Zwanzigern. Ob man sich nun einen Bentley leisten kann oder nicht.

Sendung: rbb|24, 30.06.2026, 14:50 Uhr
Audio: rbb|24, 30.06.2026, Ilja Behnisch

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Классификация: Спорт. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: -2. Информативность: 3. Источник: www.rbb24.de.