Aufregung bei der Fußball-Weltmeisterschaft! Hat Donald Trump sich eingemischt und dafür gesorgt, dass ein eigentlich gesperrter Spieler wieder mitmischen darf? Und viel schwerwiegender: Hätte er auch das deutsche Aus verhindern können?
Kolumne "Make Fußball great again" Wie Donald Trump das deutsche WM-Aus hätte verhindern müssen
Ein mit 48 Mannschaften und 104 Spielen aufgeblähtes Turnier. Veranstaltet von einem als korrupt geltenden Weltverband und ausgerichtet unter anderem von US-Präsident Donald Trump. Über den man vieles schreiben könnte - nur wenig Gutes. Eine Weltmeisterschaft mit zu weiten Wegen und zu hohen Preisen. Politisch wie wirtschaftlich. Ob die Schönheit, die der Fußball sein kann, dagegen ankommt, beobachtet Fußball-Fanatiker Ilja Behnisch in dieser Kolumne zur FIFA Fußball-WM.
Es wird viel analysiert dieser Tage und mit Blick auf den Zustand des deutschen Fußballs. Warum genau ist die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA denn nun bereits im Sechzehntelfinale ausgeschieden? Gegen Paraguay! Die ja, so der aktuelle Kanon, eher Kampfsportler sind als alles andere und schon vor Probleme gestellt, den Ball überhaupt als solchen zu erkennen!
Lag das unerwartete Ausscheiden daran, dass die Mama von Bundestrainer Julian Nagelsmann vor Ort war? Oder an einer gemeinsamen Radtour, die Nagelsmann mit seiner Ehefrau unternommen hatte? Lag es an der Ödnis des Mannschaftsquartiers oder an gesamtgesellschaftlichen Phänomenen? Ist DER DEUTSCHE einfach nicht mehr leistungsbereit genug?
Und falls ja, wie haben es zum Beispiel die deutschen Basketballer trotzdem geschafft, amtierender Welt- und Europameister zu sein? In einer Sportart, die DEM DEUTSCHEN nicht schon mit dem ersten Tropfen Muttermilch ins Hirn gepflegt wird, wie es bei König Fußball der Fall ist. Oder hat der Bundestrainer schlicht das falsche System und die falschen Spieler ausgewählt? Wobei dazu sogar Parallelen gezogen werden zwischen den bundeskanzlerigen Versäumnissen von Friedrich Merz und denen von Nagelsmann.
Angesichts jüngster Entwicklungen vor dem Achtelfinalspiel der USA gegen Belgien darf angefügt werden: richtiges Indiz, falsche Interpretation! Weil der Bundeskanzler zwar keine Schuld trägt am Spielverlauf. Wobei er mit seinen 1,96 Meter eine durchaus brauchbare Kopfball-Option gewesen wäre angesichts der gefühlt drei Trilliarden verpufften Flanken, die die deutsche Elf durch den paraguayischen Strafraum prengelte. Vielmehr aber hat Merz sträflich versäumt, nachträglich für eine Korrektur zu sorgen. Dass das zumindest denkbar gewesen wäre, zeigt der Fall von Folarin Balogun. Der 25-Jährige ist Angreifer der US-Nationalmannschaft. Und der bisherige Toptorschütze des Teams bei dieser WM.
Balogun wurde beim amtierenden englischen Meister FC Arsenal ausgebildet und spielt seit drei Jahren beim französischen Top-Verein AS Monaco. Kurzum: ein internationaler Top-Stürmer. Der kaum zu ersetzen gewesen wäre im Achtelfinal-Spiel der USA gegen Belgien - aber fehlen sollte. Weil er in der Partie zuvor, beim 2:0-Erfolg über Bosnien und Herzegowina, mit einer roten Karte vom Platz geflogen war. Eine äußerst umstrittene Entscheidung war das, weshalb ziemlich klar schien, was passieren würde: ein Spiel Sperre und gut ist.
Stattdessen geschah Wundersames. Der Fußball-Weltverband vermeldete, dass die Sperre aufgrund Artikel 27 der eigenen Statuten aufgehoben und zu einer einjährigen Bewährung umgewandelt worden sei. Balogun also darf spielen gegen Belgien, was die Belgier in einer ersten Reaktion und trotz Doppel-Check im Kalender als "Aprilscherz" bezeichneten. Auch weil die Fifa keinerlei Begründung mitlieferte für ihre Entscheidung, US-Präsident Donald Trump auf seinem eigenen Social Media-Netzwerk "Truth Social" aber direkt nach der Entscheidung verkündete: "Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist und was eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht hat."
Vorausgegangen, so berichte es unter anderem "The Athletic", die Sport-Abteilung des Nachrichtenschlachtschiffs "New York Times", sei ein Telefonat zwischen Donald Trump und Fifa-Chef Gianni Infantino. Dem Gianni Infantino, der Trump im Vorfeld der Weltmeisterschaft den neu geschaffenen "Fifa Peace Prize" verlieh. Dessen Trophäe ungefähr so ansehnlich ist wie der Spielstil Paraguays. Und der, so wird mehr als nur geraunt, vor allem deshalb verliehen wurde, um Donald Trump über seinen unerfüllten Traum vom Friedensnobelpreis hinweg zu trösten.
Was das alles mit Friedrich Merz und der Schlandostrophe gegen Paraguay zu tun hat? Ganz einfach: Erinnern Sie sich noch an das Kopfballtor von Jonathan Tah in der 102. Minute der Partie? Das nicht zählte, weil der Videobeweis völlig zu Unrecht befand, dass der Torhüter Paraguays im Vorlauf des Treffers von Waldemar Anton gefoult wurde. Und jetzt stellen Sie sich mal vor, Friedrich Merz hätte nicht nur ein "unverändert gutes" Verhältnis zum US-Präsidenten Trump, wie er zuletzt betonte, sondern ein richtig, richtig gutes. Eines auf "Fifa-Peace-Prize"-Niveau. Glauben Sie nicht auch, dass dieser Donald Trump, dessen Großvater Friedrich (!) 1885 aus dem pfälzischen Weinort Kallstadt rüber machte in die USA, die Sache mit einem kurzen Telefonat hätte klären können?
Das wäre eine natürlich schwer verwerfliche Handlung. Aber mal ganz ehrlich: Was wäre besser gewesen? Moral oder ein Achtelfinale gegen Frankreich. Eben. Danke Merz.
Sendung: rbb|24, 06.07.2026, 14:25 Uhr
Audio: rbb|24, 06.07.2026, Ilja Behnisch
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