Die Niederlage gegen Ecuador hat die Schwächen der deutschen Nationalmannschaft aufgedeckt. Nur mit voller Konsequenz wird sie es bei der WM weit bringen können.
Es ist doch immer wieder erstaunlich, welche Lust der Fußball an historischen Parallelen hat. Als die deutsche Nationalmannschaft zuletzt ein WM-Spiel in East Rutherford vor den Toren New Yorks bestritt, 1994 gegen Bulgarien, da verlor sie dieses Spiel nach einer 1:0-Führung noch mit 1:2. Unter anderem, weil Deutschlands Torhüter Bodo Illgner, immerhin ein Weltmeister, beim entscheidenden Gegentor nicht besonders glücklich aussah.
Als die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstag zum ersten Mal seit 1994 wieder in East Rutherford spielte, diesmal gegen Ecuador, da verlor sie nach einer 1:0-Führung ebenfalls mit 1:2. Und das nicht zuletzt, weil ihr Torhüter, Weltmeister Manuel Neuer, beim entscheidenden Gegentreffer nicht besonders glücklich aussah.
Vor 32 Jahren konnten die Deutschen ihre Niederlage nicht mehr korrigieren. Das 1:2 gegen Bulgarien bedeutete für den Titelverteidiger das Aus im Viertelfinale. So schlimm ist es diesmal nicht. Das 1:2 gegen Ecuador bleibt fürs Erste ohne Konsequenzen für die Nationalmannschaft: Den Gruppensieg hatte sie schon vor dem letzten Vorrundenspiel sicher.
Das erklärte einiges. Zum Beispiel, warum ihr Gegner aus Südamerika, der noch ums Weiterkommen kämpfte, gieriger und griffiger zu Werke ging. Dass dieses Spiel für die Deutschen nicht die allerhöchste Priorität genoss, war dann doch zu sehen. Unter anderem an den Personalentscheidungen des Bundestrainers.
Julian Nagelsmann hatte erneut seine vermeintliche Stammelf aufs Feld geschickt und sich damit zunächst dagegen entschieden, ausgiebig rotieren zu lassen. Das holte er erst im Laufe des Spiels nach. Nagelsmann nutzte die Partie, um auch jene Spieler einmal einzusetzen, die unter normalen Umständen wohl eher nicht mehr zum Einsatz kommen würden.
Mit der Konsequenz, dass für die Nationalmannschaft gegen Ecuador nach elf Siegen mehr als nur eine schöne Serie zu Ende gegangen ist. Nachdem Gewinnen fast schon so etwas wie das neue Normal geworden war, wirkte diese Niederlage wie die eindringliche Warnung, dass die Dinge eben doch nicht von alleine laufen. Dafür ist der Kader in der Breite und in der Tiefe nicht gut genug.
Das Duell mit den wehrhaften Ecuadorianern hat gezeigt, dass das deutsche Team noch zu flatterhaft ist, nicht immer seriös genug und für den Geschmack des Bundestrainers manchmal noch mit „zu viel Freestyle“ unterwegs. Diesen Hang, die Dinge zu leicht zu nehmen, sollte die Mannschaft alsbald in den Griff bekommen – sonst könnte es weitere unschöne Parallelen zu 1994 geben.
Auch vor 32 Jahren gab es genügend Warnungen. Aber die Deutschen haben alle Hinweise ignoriert. Sie haben Bulgarien nicht ernst genommen, sondern waren gedanklich schon einen Schritt weiter: im Halbfinale gegen Italien. Bis dahin sind sie dann nie gekommen.
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