Ein feiner linker Fuß, Champions-League-Erfahrung und mehr als überraschend von 1860 München zum 1. FC Saarbrücken gewechselt: Neuzugang Siemen Voet könnte beim FCS der neue Abwehrchef werden. Dafür will er mit Leistung vorangehen.
Saarbrücken · Ein feiner linker Fuß, Champions-League-Erfahrung und mehr als überraschend von 1860 München zum 1. FC Saarbrücken gewechselt: Neuzugang Siemen Voet könnte beim FCS der neue Abwehrchef werden. Dafür will er mit Leistung vorangehen.
Abwehrspieler Siemen Voet wechselte vom insolventen Zwangsabsteiger 1860 München zum 1. FC Saarbrücken.
Foto: Andreas Schlichter„Blau und Schwarz – das passt“, findet Siemen Voet, Neuzugang des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken, der damit von den Vereinsfarben her zurück zu seinen Wurzeln kehrt. Denn der Innenverteidiger, der in Belgien bei Club Brügge ausgebildet wurde, trug schon bei „De Boeren (Die Bauern) Blauw-Zwart“.
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Beim FCS soll der 26-Jährige eine ganz zentrale Rolle in der Abwehr einnehmen. Deshalb haben die Verantwortlichen in Saarbrücken auch nicht lange gezögert, als die „Transfer-Tür“ beim Belgier überraschend aufging. Durch den insolvenzbedingten Zwangsabstieg vom TSV 1860 München war der Leistungsträger (37 Einsätze in der Saison 2025/2026) der Löwen-Defensive ablösefrei zu haben – und der FCS schlug zu. „Direkt nach der Insolvenz von 1860 München hat Nico Sahm (Leiter Kaderplanung beim FCS) mit meinem Berater telefoniert und gesagt: ‚Wir wollen dich unbedingt‘“, beschreibt der 26-Jährige das Zustandekommen des Transfers: „Wenn ein Club, ein Traditionsverein, mit diesen Fans direkt so interessiert ist und dich unbedingt haben will, dann ist das für mich auch ein gutes Gefühl.“
Der „Insolvenz-Schock“ der Löwen hatte Voet aus dem Nichts getroffen. „Ich war im Hotel in Kos in Griechenland. Und dann kamen all diese Nachrichten. Meine Familie und Freunde fragten mich, was da bei 1860 los sei. Und ich sagte: ich habe wirklich gar keine Ahnung“, erinnert sich der 1,90 Meter große Abwehrspieler. Auch Saarbrückens Sportvorstand Markus Thiele betonte in der Pressemitteilung: „Wir haben vom Schicksal von 1860 profitiert, sonst wäre er gar nicht zu haben gewesen.“
Und „Glücksfall“-Voet bringt anders als viele andere der 15 Neuzugänge des FCS reichlich Erfahrung in das neu strukturierte Team. In der Saison 2021/2022 verließ der 26-Jährige Brügge und wechselte in die erste niederländische Liga zu PEC Zwolle. Nach einer Saison und dem Abstieg des Vereins in Liga zwei ging es für den Abwehrspieler in die slowakische Hauptstadt zu Slovan Bratislava.
Doch nach nur neun Einsätzen verlieh ihn der Verein für die Saison 2023/2024 zurück in die Niederlande zu Fortuna Sittard. „Dort hatte ich eine Top-Saison. Und für mich war klar, ich will gerne hierbleiben“, erklärt Voet, der aber zu Bratislava zurückkehren musste. Und obwohl der Innenverteidiger auch danach nur auf 13 Ligaeinsätze kam, durfte Voet auch drei Mal in der Champions-League-Gruppenphase gegen Dynamo Zagreb (1:4), den AC Mailand (2:3) und bei Atlético Madrid (3:1) auflaufen. Danach endete die für den Belgier durchwachsene Zeit in der Slowakei, die nur durch die Einsätze in der Königsklasse brillierte. Mit dem anschließenden Wechsel zu den „Löwen“ nach München wollte Voet wieder „Spielfreude haben“.
Jetzt will der Verteidiger die Attribute „Leidenschaft, positive Ausstrahlung und Lockerheit“ in das Team von FCS-Trainer Argirios Giannikis reinbringen – und auch als neuer Abwehrchef vorangehen? „Das ist immer ein natürlicher Prozess. Ich muss Leistungen bringen, denn wenn ich keine Leistungen bringe, kann ich auch abseits des Platzes nicht viel reden“, erklärt Voet in gutem Deutsch, für den „ganz wichtig ist, dass ich mit meiner Verteidigung richtig gut kommunizieren und gut bei Jung oder Alt diese Energie und Leidenschaft reinbringen kann.“ Denn Voet glaubt: „Wenn wir das von der Defensive aus zeigen können, gibt das für die ganze Mannschaft ein gutes Gefühl.“ Dass die 3. Liga nicht einfach ist, hat der 26-Jährige schon bei 1860 zu spüren bekommen: „In dieser Liga wollen viele Mannschaften erfolgreich sein und aufsteigen. Da musst du selbst klar im Kopf bleiben und deinen Job machen.“
Nach der schlechten vergangenen Saison, in der der FCS lange im Tabellenkeller festhing und mit Müh und Not den Ligaverbleib festzurrte, wird der Druck auch durch den großen Umbruch spürbar sein. „Für mich persönlich ist am Ende nur wichtig, was in der Kabine passiert. Wir haben unseren Coach, wir haben einen guten Staff und wir haben gute Spieler“, findet Voet: „Erwartungen gibt es bei so einem Traditionsverein immer, auch mit diesem ganz neuen Umbruch. Alle sagen, okay, jetzt läuft alles perfekt, aber das dauert alles ein bisschen. Für mich ist es ganz wichtig, dass wir am Ende nur den Fokus auf unseren Leistungen haben.“ Voet erklärt: „Du kannst grundsätzlich alles lesen und hören, was rund um den Verein oder im Stadion passiert. Aber am Ende bist du selbst einer von elf Spielern auf dem Platz und musst einfach deine Leistung bringen.“
Beim 2:0-Testspielsieg gegen die SpVgg Quierschied am vergangenen Samstag ging der Innenverteidiger, der 45 Minuten auf dem Platz stand, mit seiner Leistung voran – glänzte mit einem feinen linken Fuß und schlug gute Diagonalbälle. „Das ist auch etwas, was unser Coach will, dass wir von hinten einen guten Spielaufbau haben. Also den Ball laufen lassen, die Linie überspielen, gute Laufwege finden, das war auch immer wichtig in den Niederlanden und damit kann ich mich selbst sehr gut identifizieren“, betont Voet: „Das ist mein Spiel, das ist meine Stärke, aber in der 3. Liga geht es am Ende natürlich auch um Resultate. Da muss eine gute Kombination sein von: Okay, wir wollen zeigen, dass wir gut Fußball spielen können, aber wir wollen natürlich auch gewinnen. Und das wird in dieser Liga nicht immer nur spielerisch funktionieren.“
Abseits des Platzes fühlt sich Voet schon richtig wohl. Seine Zeit im Hotel ist ab August beendet, dann zieht der Belgier, der aktuell parallel auch noch ein Fernstudium in Global Business Management absolviert, in die Saarbrücker Innenstadt. „Es ist ganz wichtig, das Gefühl zu haben, dass ich auch lebe. Dass ich einfach fünf Minuten laufen, Kaffee trinken und wieder nach Hause gehen kann.“, erklärt der Fußballer, der eine wichtige Saarbrücker Lebensweisheit schon verinnerlicht hat: „Hauptsache gutes Essen, das habe ich schon gelernt und das ist auch ganz wichtig. Denn du bist auch Mensch und ich habe das Gefühl, dass Saarbrücken, die Innenstadt – das passt zu mir.“ Und dann soll es bei Voet auch sportlich passen: „Mein persönliches Ziel war und ist immer die zweite Liga gewesen. Jetzt möchte ich aber erst mal hier in Saarbrücken einen guten Start haben und mit dem Verein so erfolgreich wie möglich sein.“ (mwe/sve)