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Trainingsauftakt bei Hertha BSC: Ein Meer von Fragezeichen

Дата публикации: 29-06-2026 09:06:34

Hertha BSC startet in die Vorbereitung auf die anstehende Saison. Während die Berliner vor einem Jahr noch klar den Aufstieg als Saisonziel nannten, ist aktuell überhaupt nicht erkennbar, wohin es gehen soll.


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Saisonvorbereitung bei Hertha Ein Meer an Fragezeichen

Geschäftsführer Peter Görlich (l.) und Sportdirektor Benjamin Weber von Hertha BSC. (Foto: IMAGO / Contrast)
Geschäftsführer Peter Görlich (l.) und Sportdirektor Benjamin Weber von Hertha BSC. (Foto: IMAGO / Contrast)
  • Fußball-Zweitligist Hertha BSC startet in die Vorbereitung auf die anstehende Saison
  • Berliner verkündeten vor einem Jahr den Aufstieg als Ziel, nun ist überhaupt nicht erkennbar, wohin es gehen soll
  • Ob Kader oder Trainerteam – es gibt viele Fragezeichen

Vorfreude ist bekanntlich die größte Freude. Von diesem Phänomen leben auch die Saisonvorbereitungen von Profi-Fußballklubs. Jeden Sommer können sich Fans ihre perfekte Saison ausmalen und dabei jegliche Rationalität blauäugig ignorieren. Enttäuscht werden sie schon früh genug.

Vorher heißt es, das neue Trikot der Saison zur Leinwand aller erdenklichen Träume zu stilisieren. Man soll sich voreilig in den 17-jährigen Nachwuchsstürmer verlieben, weil dieser im ersten Testspiel gegen den regionalen Kreisligisten einen Doppelpack schnürt - "Ich glaube, der wird diese Saison durchbrechen". Das Gerücht zum 27-jährigen bulgarischen Spielmacher, von dem man bis eben noch nie etwas gehört hatte, hat nach einem dreiminütigen Highlight-Clip auf Youtube mit fetziger Elektro-Untermalung das gute Recht, dich vollständig anzuzünden.

Ach, wenn es doch immer so einfach und unbeschwert wäre. Doch Hertha BSC, so scheint es am Tag des Trainingsauftakts für die Saisonvorbereitung, erlaubt seiner Anhängerschaft in diesem Sommer wohl nicht einmal jene Vorfreude. Es ist mal wieder kompliziert an der Hanns-Braun-Straße.

Elf Abgänge – und noch kein einziger Neuzugang

"Wir wissen noch nicht, was in diesem Transfersommer passiert. Aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir Qualität verlieren", hatte Herthas Geschäftsführer Peter Görlich auf der Mitgliederversammlung im vergangenen April verkündet. Und ja, die "alte Dame" muss einen gewaltigen Aderlass verkraften.

Mit Fabian Reese geht die Galionsfigur und mit Kennet Eichhorn das Juwel des Vereins von Bord. Zudem haben sich mit Michal Karbownik und jüngst Michael Cuisance zwei weitere Stammkräfte verabschiedet. Hinzu kommen Spieler wie Toni Leistner, Diego Demme, Maurice Krattenmacher und Dawid Kownacki. Insgesamt elf Spieler kehren Hertha den Rücken zu. Tjark Ernst, Linus Gechter, Marten Winkler oder Marton Dardai, die allesamt mit Wechseln in Verbindung gebracht werden, könnten noch folgen.

Herthas bisherige Transferperiode gleicht einem Sommerschlussverkauf: Alles muss (oder will) raus. Einen Neuzugang haben die Blau-Weißen hingegen noch nicht präsentieren können.

Zwei Wahrheiten über Herthas Kader

Hertha führt eine Kernsanierung im Kader durch. Auch das ist Teil der "größten Transformation im Fußball", die Görlich im April für den Klub ankündigte. Hier gibt es zwei Wahrheiten. Einerseits hat Hertha eine Frischzellenkur im Kader nach drei enttäuschenden Jahren dringend nötig. Es braucht neue Impulse und Profile – und ein wesentlich gesünderes Klima, wie auch Gehaltsgefüge.

Andererseits war und ist Hertha aufgrund der wirtschaftlichen Lage dringend auf Transfereinnahmen angewiesen. Dass der Hauptstadtklub trotz Einnahmen jenseits der 20 Millionen Euro noch immer keinen einzigen Neuzugang verkünden konnte, illustriert den besorgniserregenden Zustand eindrucksvoll.

Fans sorgen sich – und Hertha reagiert

Hertha wird immer mehr zum "gefestigten Zweitligisten", wie Vereinspräsident Fabian Drescher zuletzt feststellte. Die finanziellen Möglichkeiten und Strahlkraft nehmen ab, die Substanz schmilzt so schnell wie Eis in den jüngsten Berliner Sommertagen – und die Spieler ziehen von dannen, teilweise auf explizite Einladung des Vereins.

Dass so im Vereinsumfeld bislang keinerlei Vorfreude auf die kommende Spielzeit entsteht, ist verständlich. Die Fans wissen nicht, wohin der Verein steuert – und sorgen sich. "Uns ist bewusst, dass die aktuelle Situation intensiv diskutiert wird", kommuniziert Hertha gegenüber "Bild". "Entscheidungen im Kader, im Personalbereich und im finanziellen Rahmen folgen keinem kurzfristigen Aktionismus, sondern einem klaren Plan. Dass dies nach außen nicht immer spektakulär wirkt, ist Teil dieses Weges."

Hertha will einen Kader bauen, der "entwicklungsfähig ist, zusammenpasst und sportlich wie wirtschaftlich langfristig trägt." Der radikale Umbruch folgt einer sportlichen wie wirtschaftlichen Neuausrichtung. Dass der Klub bereits mehrere Wunschspieler nicht bekommen hat und im Transferrennen der 2. Liga ordentlich hinterherhängt, ist jedoch genauso wahr.

Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich (li.) und Sportdirektor Benjamin Weber in einer Medienrunde am 20. Mai 2026 [Quelle: IMAGO / Nordphoto] Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich (li.) und Sportdirektor Benjamin Weber in einer Medienrunde am 20. Mai 2026 [Quelle: IMAGO / Nordphoto]

Zweifel an Trainer Leitl

Das Unbehagen der Fans rührt jedoch auch von der Trainerpersonalie. Stefan Leitl ist seit eineinhalb Jahren Übungsleiter der Berliner, hat bis auf den souveränen Klassenerhalt in der Saison 2024/25 aber nur wenige durchschlagene Erfolge vorzuweisen. In der zurückliegenden Spielzeit gelang es dem Trainerteam vor allem nicht, der Mannschaft eine überzeugende Idee mit Ball zu vermitteln, die über Umschalt- und Einzelmomente hinausgeht.

Hinzu kamen Auftritte, die Totalausfällen gleichkamen: sei es zu Saisonbeginn, dem 2:5 gegen den SC Paderborn oder 1:6 gegen Arminia Bielefeld. Hinten raus ging Hertha sogar das letzte klare Argument für Leitl – die Stabilität – verloren.

Dass Geschäftsführer Görlich sowohl mit Leitl als auch Sportdirektor Benjamin Weber weiter macht, stößt vielen Fans negativ auf - auch weil es in ihren Augen nicht zur ausgerufenen Transformation des Vereins passe. Leitl hatte das Saisonziel Aufstieg deutlich verfehlt und startet ohne großen Kredit in die neue Saison - keine guten Voraussetzungen, es herrscht sofort Druck.

Hertha-Trainer Stefan Leitl (imago images/Noah Wedel) Hertha-Trainer Stefan Leitl (imago images/Noah Wedel)

Wie will Hertha Fußball spielen?

Wie der Herthaner Fußball in der kommenden Saison aussehen soll, hat Görlich im April klar beschrieben – und dafür die 0:1-Niederlage gegen Holstein Kiel aus der abgelaufenen Rückrunde als Anschauungsmaterial genutzt. Die Kurzform: offensiv-kontrolliertes Spiel, variabler Spielaufbau, viel Vertikalität und hohes Pressing.

Leitl und seine Mannschaft konnten jenen Stil in der abgelaufenen Saison nur sehr selten umsetzen – geschweige denn über volle 90 Minuten. Es gilt abzuwarten, ob der 48-Jährige die gewünschte Philosophie mit einer überzeugenden Konstanz spielen lassen kann. Schließlich wurde Leitl einst von Liga-Konkurrent Hannover 96 auch dafür entlassen, eben keinen proaktiven, dominanten Fußball angeboten zu haben. Er wird sich in seinem letzten Vertragsjahr bei den Blau-Weißen taktisch neu beweisen müssen.

Vieles hängt am Transfersommer

Ob Hertha taktisch in eine neue Ära gleiten kann, hängt auch maßgeblich vom Transfersommer ab. Die Neuausrichtung im Kader braucht einen modernen und kohärenten Anstrich – etwas, das in den letzten drei Jahren meist fehlte. Wird es im Sommer 2026 anders?

Dass Hertha neue Wege gehen will, zeigt sich nicht nur im Kaderumbruch, sondern auch darin, dass im Maschinenraum des Vereins viel verändert wird. Görlich will das Team hinterm Team neu aufstellen, hat bereits spürbare Veränderungen im Scouting, der Kaderplanung und medizinischen Abteilungen vorgenommen. Auch im Trainerteam soll es Ergänzungen geben. Diese Dinge zahlen, wenn auch für Außenstehende meist kaum sichtbar, ebenso auf den Erfolg ein.

Herthas Saisonziel ist unklar

Staff, Kader, Trainer – vieles bei Hertha BSC verändert sich derzeit oder muss sich neu beweisen. Wollte Hertha vor einem Jahr noch mit Ausrufezeichen glänzen, stehen nun Fragezeichen im Vordergrund. Was derzeit noch viel Raum für Sorge seitens der Fans einnimmt, ist zeitgleich die Chance auf einen gesunden Neuanfang. Die Verantwortlichen wollen sich dieses Mal Zeit für die Verkündung des Saisonziels lassen.

Dass sich Hertha erneut den Aufstieg als Vorsatz nimmt, scheint unwahrscheinlich. "Die Zukunft Herthas entscheidet sich nicht daran, ob der Klub Erfolg fordert, sondern daran, ob er die Voraussetzungen dafür endlich herstellt", stellte Görlich im April klar. Der Aufstieg muss das Endprodukt sein, nicht die Strategie selbst. Klar ist: Es wird einmal mehr nicht langweilig im Westend.

Sendung: rbb|24, 29.06.2026, 10:59 Uhr
Audio: rbb|24, 29.06.2026, Marc Schwitzky

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