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Sebastian Lemke: "Wir sind nicht gekommen, um Hallo zu sagen."

Дата публикации: 29-06-2026 18:15:14

Zweitliga-Aufsteiger Energie Cottbus hat nicht nur längst schon den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen, sondern auch schon jede Menge Spieler verpflichtet. Mit welchen Zielen der Klub in die kommende Saison geht, darüber spricht Präsident Sebastian Lemke im Interview.


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Interview Cottbus-Präsident Sebastian Lemke "Wir sind nicht gekommen, um Hallo zu sagen. Wir wollen bleiben"

Hat den Zweitligastart im Visier: Sebastian Lemke, Präsident des FC Energie Cottbus. (Imago)
Hat den Zweitligastart im Visier: Sebastian Lemke, Präsident des FC Energie Cottbus. (Imago)

Für viele Fußball-Fans ist wohl vor allem Trainer Claus-Dieter Wollitz das Gesicht der jüngsten Cottbuser Erfolgsgeschichte. Doch auch die Bilanz von Präsident Sebastian Lemke kann sich sehen lassen. Seit seinem Amtsantritt 2020 ist der Klub von der Regionalliga bis in die zweite Liga aufgestiegen. Und hat sich dabei auch wirtschaftlich konsolidiert. Welche Ziele er nun in der kommenden Zweitliga-Saison mit Energie verfolgt, darüber spricht er im Interview.

rbb|24: Herr Lemke, das Abenteuer 2. Bundesliga bahnt sich schon an, das Training hat begonnen, die ersten Testspiele sind absolviert, das neue Trikot und neue Stars wie Rückkehrer Leo Bittencourt wurden vorgestellt. Welche Stimmung nehmen Sie wahr rund um Energie Cottbus?

Sebastian Lemke: Eine ungebrochene Euphorie seit dem Tag des Aufstiegs. In der Stadt, in den Landkreisen, in der ganzen Region freuen sich die Menschen auf die zweite Liga. Ich habe das Gefühl, die Leistung von Energie Cottbus wird wahrgenommen, fünfeinhalb Jahre nachdem der Verein am Abgrund stand, aber auch nach den 12 Jahren Zweitliga-Abstinenz.

rbb|24: Seit fünfeinhalb Jahren sind Sie Präsident bei Energie, waren dem Verein aber auch schon vorher lange verbunden, als Dauerkarteninhaber und später als Sponsor. Was war die beste Zeit mit Cottbus – und wo würden Sie die jetzige einsortieren?

Lemke: Der Aufstieg in die 2. Liga war schon ein riesiges Highlight. Ich glaube, den Aufstieg in die 3. Liga haben alle erwartet und der war notwendig, muss man auch sagen. Der Verein gehört aufgrund seiner Größe und der Wucht nicht in die 4. Liga, bei allem Respekt gegenüber dieser Liga. Auch finanziell ist Energie Cottbus nicht lang in der vierten Liga zu halten. Aber dass wir so schnell in die 2. Liga kommen, das war nicht zu erwarten. Momentan ist es immer noch ein Traum, so richtig in der Wirklichkeit ist es noch nicht angekommen.

Ich glaube, der Verein und die ganze Stadt und die Region und die Menschen sind wieder eins geworden. Das war schon mal in den Jahren nach 1997 so, wo man zusammengeschweißt war und eine Jetzt-erst-recht-Stimmung hatte (der damalige Regionalligist Cottbus stand im DFB-Pokal-Finale und schaffte erst den Zweitliga-, dann der Bundesliga-Aufstieg, Anm. d. Red.).

rbb|24: Sie haben gesagt, Energie Cottbus sei lange nicht mehr so attraktiv gewesen wie aktuell. Das zeigt sich sicherlich auch an den Sponsoren, an den Partnern, vor allem am neuen Ausrüster Adidas. Der Vertrag mit dem Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach sei durch den Aufstieg zu einem Mega-Vertrag angewachsen, meinten Sie. Was heißt das in Zahlen?

Lemke: Über Zahlen können wir natürlich nicht sprechen. Aber der Vertrag lohnt sich sehr für Cottbus. Mir wurde mal gesagt, als der Vertrag in trockenen Tüchern war: So einen Vertrag mit einem Ausrüster gab es in Cottbus bisher noch nicht. Mit der Partnerschaft können wir auch den Merchandising-Bereich ganz anders ausbauen. Die Vermarktung von Trainingskleidung, Repräsentationskleidung und Reisebekleidung, das gab es früher alles nicht.

rbb|24: Aber was hat sich durch den Aufstieg denn konkret verbessert?

Lemke: Der Vertrag hat immer mehrere Standbeine. Da geht es um eine Geldleistung, also um Sponsoring, dann geht es die Ausrüstung selber, es geht um den Merch-Bereich. Und dann muss man wirklich sagen, wie ich es neulich bei der Präsentation des Trikots betont hatte, es war gar keine große Verhandlung notwendig. Adidas hatte uns einen Vertrag hingelegt für alle unterschiedlichen Ligen, was wertschätzend ist. Der gibt uns jetzt mit dem Aufstieg neue Möglichkeiten.

rbb|24: Sie nehmen gerade ganz viele Schritte auf einmal, investieren in vielen Bereichen, wie Infrastruktur und Transfermarkt. Haben Sie als Präsident, der ja auch noch andere Zeiten erlebt hat, manchmal Angst, dass es zu viel auf einmal wird?

Lemke: Angst ist das falsche Wort. Aber ich erinnere mich 12 Monate zurück, als ich gesagt hatte, dass es kein gesundes Wachstum ist und dass der Aufstieg eventuell zu früh kommen könnte. Das wurde mir hier und da übel genommen. Doch dazu stehe ich auch jetzt, der Aufstieg wäre voriges Jahr zu früh gekommen.

Gerade merken wir, was auf uns zurollt. Wir wollen eine Mannschaft aufstellen, die weiterhin diesen offensiven, mutigen Fußball spielt. Da gibt es eine Menge Aufgaben, wir müssen den Staff entsprechend erweitern. Das Stadion ist nicht auf dem Stand der Zeit, es ist kein Zweitligastadion und kein Erstligastadion mehr. Von daher sind wir dankbar, jetzt die Förderungen bekommen zu haben, und erst mal diese DFL-Auflagen erfüllen zu können. Gerade gleicht das Stadion einem Ameisenhaufen, überall wird gearbeitet und gewerkelt. Also Angst: nein. Aber wir sollten mit einer großen Demut und großem Respekt an die Sache rangehen.

rbb|24: Ihr Klub hat bereits acht Spieler verpflichtet. Es wirkt so ein bisschen, als fiele es derzeit nicht schwer, die Spieler von Energie zu überzeugen.

Lemke: Das spüren wir schon. Ich glaube, es hat sich in der Branche rumgesprochen, dass es Spaß macht, bei uns zu arbeiten als Fußballer. Ich glaube wir haben einen Cheftrainer und Staff, die den Jungs viel ermöglichen, die jungen Spielern Chancen geben, sich auch zu zeigen. Die aber auch Spielern, die schon mal höher gespielt haben und vielleicht einen Knick in der Karriere hatten, eine Chance geben und wieder auf den Platz bringen. Der Staff, allen voran Pele (Trainer Claus-Dieter Wollitz), hat ein Händchen, daraus eine Mannschaft zu formen, die extreme Leistungen bringen kann. Aber auch die Verpflichtung letztes Jahr von unserem Kaderplaner Maniyel (Nergiz) hilft natürlich, sehr zeitig einen Plan zu haben, wo wir hinwollen, was wir vorhaben.

rbb|24: Leonardo Bittencourt ist natürlich der größte Name unter den Neuzugängen. Er hätte wahrscheinlich auch in der ersten Liga irgendwo in Europa einen Verein gefunden.

Lemke: In Gesprächen mit Leo hat man sofort gemerkt, dass er Lust darauf hat, dass er die Entwicklung verfolgt hat die ganzen Jahre und auch etwas zurückgeben möchte. In Cottbus hat er Fußballspielen gelernt, hier wurde mit 17 Jahren in die 2. Liga reingeworfen und in den Profifußball geführt.

rbb|24: Wie kam der Deal zustande?

Lemke: Es war ein Dienstagabend, da rief mich Pele an und fragte, ob wir was Verrücktes machen wollen. Bei Leo Bittencourt sei ein Fenster aufgegangen, er könnte eventuell nach Cottbus kommen - ob er anrufen darf.

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Ich warne davor, dass man jetzt wieder ganz woanders hinguckt. Wir sollten bei unseren Werten bleiben, das ist vor allem Bescheidenheit.

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Sebastian Lemke

rbb|24: Er durfte, offensichtlich.

Lemke: Ich erinnerte ihn an unsere Rahmenbedingungen und dass es bezahlbar sein muss. Und dann gab es ein Telefonat zwischen Pele und Leo. Ich glaube, nach 15 Minuten rief mich Pele noch mal an, dass das Fenster wirklich auf ist und ich Leo noch mal anrufen solle. Dann ging es sehr schnell, es waren faire, sehr respektvolle, sehr wertschätzende Gespräche innerhalb von drei, vier Tagen.

Am Ende waren diese Komponenten wichtig: Das ist vor allem das Verhältnis zwischen Pele und Leo, das ist ein Riesenfaktor. Der zweite Faktor war, dass Leo wirklich auf viel Geld verzichtet hat. Er hatte Angebote aus der zweiten Liga und aus anderen ersten Ligen gehabt. Und er hat sich bewusst für Energie Cottbus entschieden. Das Dritte ist, dass der Verein einen Sponsor hat, der unterstützt hat.

rbb|24: Sie haben aber auch sonst spannende Spieler geholt, etwa mit Torwart Marcel Lotka, der schon ein paar Bundesligaspiele gemacht hat. Dazu viel Drittliga-Erfahrung, zum Beispiel Christian Kinsombi. Bauen Sie insgeheim an einem Kader, der noch ein bisschen mehr kann als Abstiegskampf?

Lemke: Ich warne davor, dass man jetzt wieder ganz woanders hinguckt. Wir sollten bei unseren Werten bleiben, das ist vor allem Bescheidenheit. Energie Cottbus war 12 Jahre nicht in der 2. Liga. In diesen zwölf Jahren hat sich der Fußball in Deutschland schon sehr stark entwickelt, auch in dem Konstrukt der DFL (Deutsche Fußball-Liga). Da haben wir erstmal etwas aufzuholen.

Aber was feststeht, wir sind nicht gekommen, um Hallo zu sagen. Wir wollen schon bleiben. Wir wollen auch nicht das Wort Klassenerhalt zu sehr in den Mund nehmen, weil dann beschränkt man sich auch so ein bisschen. Pele hat es neulich gesagt, wir wollen weiter unseren mutigen, offensiven, erfrischenden Fußball spielen. Ich glaube auch, dass wir versprechen können, dass es wieder zwei, drei, vier Spektakel-Fußballspiele gibt in Cottbus.

rbb|24: Wie viel Risiko sind Sie bereit, für den Klassenerhalt einzugehen?

Lemke: Wir werden immer ein kalkulierbares Risiko eingehen. Aber wir werden das, was wir bestellen, auch bezahlen können.

rbb|24: Sie haben es vorhin angesprochen: Geschäftsstelle, Staff, überall muss Energie Cottbus noch so ein bisschen wachsen, weil das Sportliche wahnsinnig schnell gewachsen ist. Inwiefern ist das gerade ein Faktor?

Lemke: Fußball ist ein aufwendiges Geschäft geworden, weil er so vielseitig und so komplex ist. Wenn man sich etwa den traurigen Abstieg bei Fortuna Düsseldorf anschaut: Wenn die Zahlen stimmen, musste Düsseldorf wegen des Abstiegs in die 3. Liga 60 Mitarbeiter entlassen. Und meines Wissens gibt es da immer noch 40 bis 50 Mitarbeiter. Auf unserer Geschäftsstelle sind es aktuell 17 Mitarbeiter. Da sieht man mal die Dimensionen, wie andere Vereine in der 2. Liga arbeiten. Wir würden es gar nicht finanzieren können, jetzt 40 Leute einzustellen. Bei uns ist viel Arbeit auf wenigen Schultern verteilt.

rbb|24: Wie viele Stellen wollen Sie denn schaffen und was sind die wichtigsten Positionen?

Lemke: Wir können das noch gar nicht an Zahlen festmachen. Wir sind momentan sehr oft in Video-Calls mit der DFL, um dort auch Dinge zu lernen. Ich bin der DFL sehr dankbar, weil sie den Vereinen helfen möchte, dieses Konstrukt fahren zu können. Wir haben gewisse Stellen, da wissen wir es, da geht es schon um sechs, sieben Leute. Wie gesagt, es gilt das Credo, wir werden kein Risiko eingehen, das den Verein finanziell gefährden wird.

rbb|24: Um welche Bereiche geht es da?

Lemke: Ein Teil ist der Nachwuchsbereich. Dann geht es aufgrund von DFL-Auflagen um Fanbeauftragte, um Sicherheitsbeauftragte. Es geht um einen Lizenzspielerverantwortlichen im Herrenbereich, den wir aktuell nicht haben.

rbb|24: Wie viel Zeit hatten oder werden sie noch in diesem Sommer für Urlaub haben?

Lemke: Das bin ich der Familie und vor allem den Kids schuldig. Wir sind da immer relativ spontan. Wir warten jetzt den 2.7. ab, wenn der Spielplan da ist und dann wird der Urlaub geplant. Dann geht es mit Sicherheit ein paar Tage weg.

Vielen Dank für das Gespräch!

Sendung: rbb|24, 29.06.2026, 19:55 Uhr

Audio: rbb|24, 29.06.2026, Sebastian Lemke im Gespräch mit Simon Wenzel

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