Trotz aller Aufstiegseuphorie bereitet den Verantwortlichen des FC Energie Cottbus ein Bereich Kopfschmerzen: die eigene Nachwuchsarbeit. Gleich mehrere Talente wanderten kürzlich ab.
Präsident Lemke selbstkritisch "Unsere Schuld": Energie Cottbus klagt über Abwanderung von Nachwuchs
Aufsteiger FC Energie Cottbus hat am vergangenen Mittwoch die Vorbereitung auf das Abenteuer 2. Bundesliga aufgenommen. Während die Rückkehr ins deutsche Fußball-Unterhaus nachhaltig für Euphorie in der Lausitz sorgte, wurde Trainer Claus-Dieter Wollitz bei einem Thema sehr deutlich: "Was im Nachwuchs in den letzten Monaten passiert ist, ist nicht den Werten entsprechend, die Energie Cottbus gerne haben möchte", sagte der Coach auf der Pressekonferenz zum Trainingsauftakt.
"Es geht darum, Spieler individuell zu begleiten und zu entwickeln und so vorzubereiten, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, oben [bei den Profis; Anm. d. Red.] anzukommen. Und wenn Sie die letzten Jahre sehen, sind hier sehr wenige Spieler oben angekommen, obwohl regelmäßig viele Spieler im Training dabei waren." Gerade im Verbund mit der Sportschule in Cottbus müsse "da mehr rauskommen".
Besonders an einen Verein verlor der FC Energie in den vergangenen Tagen und Wochen auffallend viele Talente: So verstärkte sich Regionalligist Greifswalder FC mit Joel Awuah (19 Jahre alt), Michael Sternberg (19), Musa Alkan (19), Felix Schubart (19) und Janis Juckel (21).
Dass sich gleich mehrere Nachwuchskicker für den Weg aus der Lausitz in Richtung Ostsee entscheiden, kommt nicht von ungefähr. Bereits im vergangenen Mai hatte der GFC nämlich die Verpflichtung von Matthias Rahn als neuen Sportdirektor bekanntgegeben. Der 36-Jährige hatte zuvor das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des FC Energie geleitet. Außerdem wechselte auch der ehemalige Cottbuser U19-Coach Alain Karim nach Greifswald, wo er zur neuen Saison den Cheftrainer-Posten übernehmen wird. In der Vorsaison hatte Karim die U19 von Energie bis ins Viertelfinale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft geführt.
Führten den FC Energie Cottbus zurück in die 2. Bundesliga: Trainer Claus-Dieter Wollitz (li.) und Vereinspräsident Sebastian Lemke [Quelle: IMAGO / Fotostand]
"Der Verein hat es in den letzten fünf Jahren nicht geschafft, sich im Nachwuchsbereich weiterzuentwickeln", sagte Vereinspräsident Sebastian Lemke im rbb-Interview selbstkritisch über den FC Energie. Zum Teil führte er das auch auf die rapide Entwicklung im Profi-Bereich - mit den Aufstiegen von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga - zurück, wodurch das Augenmerk der Verantwortlichen nur ungenügend auf dem NLZ gelegen hätte.
"Das, was in den vergangenen Wochen passiert ist, hat auch gezeigt, dass wir teilweise aufs falsche Personal gesetzt haben. Daraus müssen wir jetzt auch kluge Schlüsse ziehen." Energie Cottbus müsse über den Nachwuchs Geld verdienen, das heißt: "Entweder wir holen Spieler hoch für die erste Mannschaft, die dann Potenziale haben, sich dort zu entwickeln" oder man müsse mit den herausragenden Talenten Ablösesummen generieren.
Außerdem betonte Lemke: "Wir waren anscheinend nicht in der Lage, zwei Mitarbeiter in leitenden Positionen so zu führen, dass es im Sinne des Vereins war. Es sind mehrere Spieler in den Norden gegangen - ich mache da Greifswald gar keinen Vorwurf, sie haben einfach die Möglichkeiten ausgenutzt, das ist okay", so Lemke. Solange man aber unter Vertrag stehe, sollte man "die Interessen des Arbeitgebers und nicht andere Interessen vertreten." Aber: "Es ist unsere Schuld. Wir haben es nicht richtig unter Kontrolle gehabt."
Für die neue Saison sind die Lausitzer nun auf der Suche nach einem neuen U19-Coach. Jenen Posten bezeichnete Wollitz als "wichtigste Position" an der Schnittstelle zur Profi-Mannschaft. "Wir möchten einen U19-Trainer, der Spieler entwickelt und den Verein ganz klar in den Vordergrund stellt", so Wollitz weiter.
Auch von der zur kommenden Saison eingeführten U21-Liga der Deutschen Fußball Liga (DFL) erhofft sich Wollitz positive Effekte für die eigene Nachwuchsförderung. In diesem Wettbewerb, an dem neben Energie unter anderem auch der 1. FC Union und Hertha BSC teilnehmen werden, können talentierte Kicker an der Schwelle zum Profi-Bereich essenzielle Spielpraxis sammeln.
Aus Cottbuser Sicht dürfte das die Chance erhöhen, dass junge, hochveranlagte Spieler dem Verein langfristig erhalten bleiben – anstatt frühzeitig ablösefrei zu wechseln.
Sendung: rbb|24, 01.07.2026, 14:02 Uhr
Audio: rbb|24, 01.07.2026, Simon Wenzel im Gespräch mit Sebastian Lemke
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