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WM-Kolumne: Mit Heavy Metal gegen die Wand?

Дата публикации: 03-07-2026 17:41:00

Jürgen Klopp soll also der Nachfolger von Julian Nagelsmann werden als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Was nach einer 1a-Lösung klingt, wirft aber zugleich ganz schön viele Fragen auf.


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Kolumne "Make Fußball great again" Mit Heavy Metal gegen die Wand?

Nationalmannschafts-Trainerkandidat Jürgen Klopp (imago images/Frank Hoermann)
Nationalmannschafts-Trainerkandidat Jürgen Klopp (imago images/Frank Hoermann)

Ein mit 48 Mannschaften und 104 Spielen aufgeblähtes Turnier. Veranstaltet von einem als korrupt geltenden Weltverband und ausgerichtet unter anderem von US-Präsident Donald Trump. Über den man vieles schreiben könnte - nur wenig Gutes. Eine Weltmeisterschaft mit zu weiten Wegen und zu hohen Preisen. Politisch wie wirtschaftlich. Ob die Schönheit, die der Fußball sein kann, dagegen ankommt, beobachtet Fußball-Fanatiker Ilja Behnisch in dieser Kolumne zur FIFA Fußball-WM.

Ich kann nicht mehr genau sagen warum, aber als ich mit 16 Jahren unbedingt (unbedingt) meine erste E-Gitarre haben wollte, musste es das Modell einer Les Paul in der Lackierung cherry sunburst sein. Wochenlang wälzte ich Kataloge, sparte wo ich konnte und belagerte meine Eltern. Ein weiteres Leben ohne Les Paul wäre schon möglich, so mein Dauergesang, aber schon auch sinnlos.

Der Traum ging in Erfüllung. Dass es "nur" der günstige Nachbau des teuren Originals war, war mir egal. Denn es ging mir einzig und allein um die Optik und das Gefühl, das ich mit dem Besitz dieser Gitarre vorausahnend verband. Was eine furchtbare Dummheit war. Weil eine Les Paul so gar nicht zu den großen, fleischigen Fingern passte, mit denen ich ins Leben gestellt wurde. Weshalb sie eigentlich nie so richtig gut spielbar war für mich.

Ist Klopp nicht einfach nur ein Statussymbol?

Daran musste ich denken, da der Deutsche Fußball Bund (DFB) jetzt in der Kommunikation nach dem Rücktritt von Julian Nagelsmann anfügte: "Hinsichtlich der Neubesetzung des Trainerpostens wird die DFB-Spitze nunmehr das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen. Er hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert."

Nun ist Jürgen Klopp eine ziemlich naheliegende Begierde. Der ehemalige Innenverteidiger, badische Pokalsieger 1987 (1. FC Pforzheim) und Hessenmeister 1990 (Rot-Weiß Frankfurt), ist gleich zwei Mal zum Welttrainer des Jahres gekürt worden (2019, 2020) und hat auf jeder seiner Trainer-Stationen (Mainz, Dortmund, Liverpool) sektenführerähnliche Beliebtheit erreicht. Aber auch bei allen anderen Fußball-Fans ist "Kloppo" wohlgelitten. Nicht umsonst hat man rund um diese Weltmeisterschaft 2026 das Gefühl, es gibt mehr Werbespots mit Jürgen Klopp als WM-Spiele bei diesem XXL-Turnier. Aber macht ihn all das zwangsläufig zum idealen Nachfolger für Julian Nagelsmann? Oder einfach nur zu einem Statussymbol? Zur Les Paul des DFB?

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Das viele schöne Geld

Mit mehr als acht Millionen Mitgliedern in knapp 24.000 Vereinen ist der DFB der größte Sportverband der Welt. Finanziell steht er nach zuvor schwierigen Jahren wieder ganz ordentlich da, verfügt laut Jahresabschluss 2025 über ein Eigenkapital von 188 Millionen Euro. Damit könnte man sich die Abfindung für Julian Nagelsmann und die Ablöse für Jürgen Klopp locker leisten, auch wenn sie sich zusammen genommen womöglich auf einen zweistelligen Millionen-Betrag belaufen. Aber sollte man, nur weil man kann? Oder wäre ein bisschen Demut nicht mindestens ebenso sexy? Und das viele Geld zum Beispiel in der Nachwuchsförderung nicht besser aufgehoben?

Klopp und Nagelsmann haben vieles gemeinsam

Es lassen sich ja einige Zweifel an Klopp vorbringen. In seiner derzeitigen Haupttätigkeit als "Head of Soccer" bei einem Getränkekonzern soll auch deshalb nicht alles nur wahre Liebe sein, weil Klopp wohl weniger vom drögen Tagesgeschäft halte, als es dem Getränkekonzern lieb sei. So berichtete es zumindest das Fußballmagazin "11Freunde" [Bezahlinhalt] in der Titelgeschichte seiner März-Ausgabe.

Zudem hat der Brillenträger des Jahres 2008 noch nie als Nationaltrainer oder in Verbandsstrukturen gearbeitet. Auch hat er als Spieler nie selbst an großen Länder-Turnieren teilgenommen. Kurzum: Ziemlich vieles, was Julian Nagelsmann nun im Rückblick vorgeworfen wird, trifft auch auf Jürgen Klopp zu. Und dann wäre da ja noch die Frage nach dem Stil.

An Ideen mangelte es nie - nur an einer passenden

Klopp beschrieb die von ihm bevorzugte Spielweise einmal als "Heavy Metal". Weil: Pressing, Gegenpressing und also insgesamt Tempo, Tempo, Tempo. In der täglichen Arbeit als Vereinstrainer hat er diese Philosophie auf jeder seiner Stationen nahezu und mit Erfolg perfektioniert. Aber ob sich das in den wenigen Tagen, die so ein Nationalmannschafts-Lehrgang jeweils Zeit bietet, auch einschleifen lässt? Schaut man auf die deutschen Nationalmannschaften der letzten fünf, sechs Turniere, lässt sich zudem wohl ohne viel Widerspruch behaupten: An Ideen mangelte es nie. Nur an einer passenden.

Aber wer weiß – vielleicht passt es ja doch und Deutschland wird unter Jürgen Klopp direkt Europameister 2028 oder Nations-League-Sieger. Wann auch immer dieses Fantasie-Turnier sein nächstes Finale spielt. Ein bisschen ist es auch egal. Was bleibt, ist der Eindruck, dass der größte Sportverband der Welt seine Entscheidungen so fällt wie ich, als ich 16 Jahre alt war. Und bei aller gebührenden Nachsicht mit mir selbst: Das ist kein gutes Zeichen.

Sendung: rbb|24, 03.07.2026, 19:41 Uhr

Audio: rbb|24, 03.07.2026, Ilja Behnisch

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