Die Diskussion über den Wohnungsmarkt kreist meist um fehlende Wohnungen. Doch das eigentliche Problem ist komplexer: Nicht nur die Menge des Wohnraums entscheidet, sondern auch, wie er genutzt und verteilt wird. Warum mehr Bewegung im Bestand genauso wichtig sein kann wie neuer Wohnungsbau.
Dr. Axel Martin Schmitz ist Geschäftsführender Gesellschafter der RALF SCHMITZ GmbH.
Foto: Ralf SchmitzDie Diskussion über den Wohnungsmarkt kreist meist um fehlende Wohnungen. Doch das eigentliche Problem ist komplexer: Nicht nur die Menge des Wohnraums entscheidet, sondern auch, wie er genutzt und verteilt wird. Warum mehr Bewegung im Bestand genauso wichtig sein kann wie neuer Wohnungsbau.
Wir haben keinen Mangel, wir haben Knappheit.“ Diese Unterscheidung von Professor Harald Simons verändert den Blick auf den Wohnungsmarkt. Ein Mangel hieße, dass rechnerisch zu wenig Wohnfläche vorhanden ist. Knappheit beschreibt etwas anderes: Wohnungen gibt es, aber häufig nicht dort, wo sie gebraucht werden, oder sie werden nicht passend genutzt. In strukturschwächeren Regionen stehen Wohnungen leer, während Familien in Ballungsräumen Platz suchen. Zugleich wohnen viele Menschen in Häusern oder Wohnungen, die längst zu groß geworden sind. Immer stärkere Mietregulierungen haben dazu beigetragen, dass Bestandsmieten und Neuvertragsmieten weit auseinanderklaffen. Wer seit Jahren günstig auf 120 oder 150 Quadratmetern wohnt, gibt diese Wohnung kaum auf, wenn eine kleinere Wohnung teurer wäre. Bestandsmieter werden geschützt, junge Familien treffen dagegen auf einen härteren Markt. So entsteht Stillstand in einem Markt, der Bewegung bräuchte. Wer sich verkleinern möchte, findet oft kein attraktives Angebot. Wer wachsen muss, findet keinen Platz. Auch berufliche Mobilität scheitert nicht selten an der Wohnungssuche. Deshalb reicht Neubau allein nicht. Wir brauchen ihn weiter, vor allem in wachsenden Städten. Aber wir müssen zugleich Wechsel im Bestand erleichtern: durch Umzugshilfen, Entlastungen bei Verkleinerung und passende Wohnungen im vertrauten Umfeld. Die Lösung lautet nicht: weniger bauen. Sie lautet: gezielter bauen – und vorhandenen Wohnraum besser in Bewegung bringen.
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