Mit einem 300-Millionen-Euro-Förderprogramm will Bauministerin Verena Hubertz (SPD) den Umbau leerstehender Büro- und Gewerbeimmobilien zu Wohnraum vorantreiben. Experten sehen großes Potenzial – verweisen aber auch auf Hürden.
Bauministerin Verena Hubertz (SPD) spricht während der Vorstellung des Förderprogramms "Gewerbe zu Wohnen" mit dem Bauleiter einer Baustelle in Berlin.
Foto: Elisa Schu/dpa/Elisa SchuBerlin · Mit einem 300-Millionen-Euro-Förderprogramm will Bauministerin Verena Hubertz (SPD) den Umbau leerstehender Büro- und Gewerbeimmobilien zu Wohnraum vorantreiben. Experten sehen großes Potenzial – verweisen aber auch auf Hürden.
Mehr als 4000 Quadratmeter Fläche in bester Lage in Berlin-Mitte – und dennoch keine Mieter: In den ehemaligen Räumlichkeiten des Berliner Rundfunks herrscht gähnende Leere. Vor zwei Jahren haben die letzten Mieter die Flächen in der Nähe des Gendarmenmarktes verlassen. Neue Interessenten haben sich nicht gefunden.
Ein hoher Leerstand von Büroflächen und gleichzeitig knapper bezahlbarer Wohnraum – dieses Phänomen ist nicht nur in Berlin zu beobachten. Ein Grund ist, dass der Bedarf an Büroflächen seit der Corona-Pandemie vielerorts gesunken ist – Homeoffice hat sich in vielen Unternehmen etabliert. Zugleich zieht es viele Menschen in die Metropolen, die mit dem Schaffen von neuem Wohnraum nicht hinterherkommen. Bei den leerstehenden Flächen nahe des Gendarmenmarktes will man nun aus der Not eine Tugend machen: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) plant, auf den Gewerbeflächen 30 neue Maisonette-Wohnungen zu realisieren. Bis 2029 soll das Vorhaben abgeschlossen sein.
So wie in Berlin könnte es bald häufiger im Land zugehen: Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) will den Umbau von Gewerbe- zu Wohnraum fördern. Die SPD-Politikerin hatte ihr Vorhaben schon vor einiger Zeit angekündigt – an diesem Mittwoch fällt der Startschuss für das Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“. „Wir stellen 300 Millionen Euro bereit, um ungenutzten Büro- und Gewerbeimmobilien eine zweite Chance zu geben“, sagte die Ministerin bei ihrem Besuch auf der Berliner Baustelle am Dienstag. Das Förderprogramm ermöglicht einen Zuschuss von bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit. Insgesamt steht für 2026 eine Summe von 300 Millionen Euro zur Verfügung – rein rechnerisch könnten also mindestens 10.000 Wohnungen gefördert werden.
Generell, sagte die SPD-Politikerin, würde mit dem Programm drei Ziele miteinander verbunden. „Wir bekämpfen Leerstand, schaffen dringend benötigten Wohnraum und treiben gleichzeitig die klimagerechte Sanierung und Weiterentwicklung unserer Städte voran.“ Jedes umgebaute Gebäude spare Ressourcen und bringe „neues Leben in unsere Innenstädte“, sagte Hubertz. „Und wir vermeiden unnötige Flächenversiegelungen.“ Auch die Kommunen profitierten: Der Umbau stärke „die Attraktivität der Innenstädte, gleichzeitig fallen keine Kosten für Erschließung und andere Infrastrukturen an“.
Geknüpft ist der Umbau leerstehender Ladenlokale oder Büroflächen an Auflagen zur energetischen Sanierung. Mit der Förderung setze man „einen starken Anreiz“, sagte Hubertz. „Das ist ein Zuschuss, dieser muss also nicht zurückgezahlt werden“, fügte sie hinzu. Hubertz versprach außerdem, dass der entstehende Wohnraum bezahlbar sein soll.
Experten sehen in dem Vorhaben grundsätzlich Potenzial. So schätzte das Ifo-Institut 2024, dass durch die Umwidmung 60.000 mögliche Wohnungen in Großstädten entstehen könnten. Doch zugleich gibt es Hürden. Gewerbe- und Wohngebäude unterscheiden sich oft, etwa mit Blick auf Brandschutz, Statik oder auch Grundrisse, die einen Umbau erschweren können. In vielen Fällen rechnet sich der teure Umbau daher nicht. Dazu kommt, dass die Baukosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Das ist auch der Bauministerin bewusst: Sie räumte am Dienstag ein, dass das neue Programm bei der Lösung des Wohnungsproblems „nur ein Baustein sein“ könne.