Rekordhitze, Proteste gegen Massentourismus, Sonnenfinsternis – vieles aus der Urlaubssaison 2026 dürften Residenten und Urlaubern im Gedächtnis bleiben. Doch was nehmen die Hauptakteure aus den letzten Monaten mit? Ein Resümee zum fin de temporada.
Rekordhitze, Proteste gegen Massentourismus, Sonnenfinsternis – vieles aus der Urlaubssaison 2026 dürften Residenten und Urlaubern im Gedächtnis bleiben. Doch was nehmen die Hauptakteure aus den letzten Monaten mit? Ein Resümee zum fin de temporada.
Zufriedene HoteliersEgal ob Cala Ratjada, Peguera, Cala Millor, Playa de Palma oder Alcúdia – die Hoteliers an den Küstenorten zeigen sich auf MZ-Anfrage allesamt zufrieden mit der scheidenden Urlaubssaison. „Bastante bien“ („ziemlich gut“) ist praktisch unisono die Aussage auf die Frage, wie’s denn so gelaufen ist. „Sogar noch etwas besser als in der vergangenen Saison, wir können uns wirklich nicht beschweren“, fügt Gaspar Rodríguez von der Hoteliersvereinigung Playa de Palma hinzu. Und das soll schon was heißen, in einer Branche, die tendenziell trotz klingelnder Kassen gern mal meckert.

Urlauber an der Playa de Palma. / Bosch
Besonders erfreulich für die Anbieter: die hohe Auslastung der Unterkünfte. An der Playa de Palma beispielsweise habe die Belegung im Gesamt-Saison-Durchschnitt bei 85 bis 95 Prozent gelegen. Einen balearenweiten Rückgang deutscher Urlauber, den das spanische Statistikinstitut kürzlich proklamierte, habe man hier kaum gespürt. „Nur ganz subtil im Last-minute-Bereich, der wurde aber durch andere Nationalitäten aufgefangen“, so Rodríguez. Überhaupt sei an der Playa in dieser Saison so ziemlich alles wie am Schnürchen gelaufen. „Die öffentliche Verwaltung hat tolle Arbeit geleistet und für deutlich mehr Sicherheit und Polizeipräsenz gesorgt als zuvor, nicht zuletzt bei der Sonnenfinsternis im August“, schwärmt er – und lobt auch die öffentlichen Investitionen in Infrastruktur. „Hoffentlich wird jetzt auch alles sauber gehalten.“
Auffällig in diesem Jahr: Die Extremhitze und das Sommerwetter bis weit in den Herbst hinein. Letzteres habe den sonst drastischen Urlauberrückgang im Oktober an der Playa ein wenig abgeschwächt. Ähnliches bemerkt auch Antonio Mayol von der Hoteliersvereinigung in Peguera. „Aktuell sind noch 75 bis 80 Prozent der Betten belegt.“ Wegen der Triathlon Challenge Peguera, aber auch wegen des – von Unwetterwarnungen abgesehen – guten Wetters. „Gut möglich, dass die Saison sich mittelfristig angesichts des Klimas immer weiter in den November hinein verschiebt. Gleichzeitig machen viele Hotels im Februar tendenziell später auf“, so Mayol.

Wochenmarkt in Alcúdia / Nele Bendgens
Carmen Zierer, Geschäftsführerin der Hotelvereinigung Can Picafort und Alcúdia zieht ein ähnliches Fazit: Der Saisonbeginn sei schwächer als erhofft gewesen, eine gute Hauptsaison und eine positive Entwicklung im September und Oktober hätten die Startschwierigkeiten aber ausgeglichen.
„Hitze kein Problem“Generell habe die Hitze die Urlauber deutlich weniger gestört als die Einheimischen, betonen die Hoteliers. „Auf so etwas sind wir vorbereitet, alle Räumlichkeiten sind klimatisierte Oasen“, bewertet etwa Maria Antonia Moll, Vorsitzende der Hoteliersvereinigung Capdepera. Auch die Sorge, dass die Großdemonstrationen gegen Massentourismus mittelfristig Gäste verscheuchen könnten, hält sich bei den Hoteliers in Grenzen. Alle sind sich aber einig: Das Hauptproblem bei der Debatte sei die illegale Ferienvermietung – und die müsse die Politik endlich mal effektiv bekämpfen.

l Die bereits festlich geschmückte Burg. l Aussicht auf Capdepera. l Die Wappen für den Mittelaltermarkt sind handbemalt. l Neben einer Palmflechtausstellung werden auf dem Burggelände auch dauerhaft sakrale Artefakte ausgestellt. | FOTOS: SOPHIE MONO / Mono
Deutlich mehr Kopfzerbrechen scheint in dieser Saison mal wieder das Thema Personal bereitet zu haben. Durchschnittlich blieben täglich 14 Prozent der Mitarbeiter in Hotels der Küstenorte der Gemeinde Capdepera ihrem Arbeitsplatz fern, teils entschuldigt, teils unentschuldigt, so Moll. „Manche tauchen nach wenigen Tagen einfach gar nicht mehr auf.“ Zuverlässige Mitarbeiter zu finden, sei deutlich schwerer als früher – auch weil es weniger potenzielle Arbeitskräfte zur Auswahl gibt. „Das Hauptproblem ist die Wohnungsnot“, beteuert die Hotelierin. Anders als bei großen Hotelketten seien in Urlaubsorten wie Cala Ratjada, wo die meisten Hotels kleinere Familienbetriebe sind, vom Arbeitgeber gestellte Mitarbeiterwohnungen oft keine Option, um beispielsweise Saisonkräfte vom Festland anzulocken. „Wir versuchen also, den Angestellten bestmögliche Arbeitsbedingungen zu bieten, um sie langfristig zu binden.“ Das klappe aber nur bedingt.
Und die Inflation? Die mache sich im Hotelsektor wenig bemerkbar, so die einhellige Antwort. „Die Leute kommen trotzdem, wenn auch etwas kürzer. Zudem konsumieren sie weniger Snacks oder Getränke an der Poolbar, aber das fällt kaum ins Gewicht“, so Moll. „Viele Stammkunden haben sich über hohe Flugpreise beschwert, lassen sich ihren Urlaub aber dennoch nicht nehmen“, bestätigt auch Inés Batle von der Hoteliersvereinigung Cala Millor. Auch hier sei die Saison bis zum Ende zufriedenstellend gelaufen. Dass die Gäste weniger Geld für zusätzliche Ausgaben zur Verfügung hätten, mache sich eher außerhalb der Hotels bemerkbar. „Auswärts essen zu gehen, ist für viele zum Luxus geworden, das ist bei uns Einheimischen nicht anders“, so Batle.
Wenig übrig fürs AusgehenDavon können die Gastronomen ein Lied singen. Bereits im September hatte der Vorsitzende des Branchenverbands Restauración CAEB, Juan Miguel Ferrer, öffentlich Alarm geschlagen. Nach einem verkaufsschwachen Sommer sei auch der traditionell verkaufsstärkere September schlecht angelaufen. In den vergangenen Wochen habe sich das nicht gebessert, so Ferrer jetzt.
„Wir kämpfen eine doppelte Schlacht“, erklärt er. Einerseits tue man alles dafür, die Preise trotz gestiegener Kraftstoff- und Strompreise nicht weiter anzuheben. „Das ist auch weiter unser Ziel. Nur so können wir für die Kunden attraktiv bleiben.“ Andererseits hätten diese selbst weniger Geld in ihrer Urlaubskasse übrig. Besserung sieht Ferrer angesichts der geopolitischen Lage auch für die kommende Saison nicht. Von der Politik fordert er mehr Inflationshilfen. „Letztlich gehen alle Kosten direkt von unserem Gewinn ab. Wir werden unsere Speisekarten gut überdenken müssen.“ Nicht gerade eine rosige Bilanz.
„Die Urlauber kommen mit einem sehr knappen Budget, da Flüge und Unterkünfte teurer geworden sind“, bewertet auch ein Sprecher des Verbands der Club-, Diskotheken- und Barbetreiber, ABONE, auf MZ-Anfrage. „Mitte Juli haben wir festgestellt, dass die Einnahmen unter denen des Vorjahres lagen, und auch der August schloss mit niedrigeren Umsätzen ab als im Jahr zuvor. Viele Betriebe mussten mitten in der Hochsaison personelle Anpassungen vornehmen, was in unserer Branche eher ungewöhnlich ist.“ Deshalb werde man mit Blick auf 2027 vorsichtig vorgehen. „Wir werden sowohl bei der Einstellung von Personal als auch bei der Buchung von DJs Zurückhaltung üben.“
Zu kämpfen habe der Sektor zudem mit unlauterem Wettbewerb: mit Betrieben, die wie Diskotheken arbeiten, ohne über die dafür erforderliche Lizenz zu verfügen. „Das ist mittlerweile ein chronisches Problem.“
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