Was machen wir heute? Ein Langzeittest mit dem Nanotest TTV10 hatte uns bereits schon früher gezeigt, wie stark Auftragsdicke, thermische Zyklen und die tatsächliche Kontaktfläche das Ergebnis verändern können und das zweite Graphen-Sheet läuft nun nach mehr als 9.300 ausgewerteten Zyklen ebenfalls weiterhin stabil. Eine dick aufgetragene Thermal Grizzly Duronaut Pro konnte durchaus überzeugen, erreicht dagegen dünn aufgetragen den definierten Temperaturgrenzfall und die Thermal Hero Quantum scheitert trotz großzügiger Auftragsmenge noch früher an sich selbst. Die dicke Duronaut-Schicht hält also deutlich länger durch, zeigt aber ein wechselhaftes thermisches Verhalten.
Was machen wir heute? Ein Langzeittest mit dem Nanotest TTV10 hatte uns bereits schon früher gezeigt, wie stark Auftragsdicke, thermische Zyklen und die tatsächliche Kontaktfläche das Ergebnis verändern können und das zweite Graphen-Sheet läuft nun nach mehr als 9.300 ausgewerteten Zyklen ebenfalls weiterhin stabil. Eine dick aufgetragene Thermal Grizzly Duronaut Pro konnte durchaus überzeugen, erreicht dagegen dünn aufgetragen den definierten Temperaturgrenzfall und die Thermal Hero Quantum scheitert trotz großzügiger Auftragsmenge noch früher an sich selbst. Die dicke Duronaut-Schicht hält also deutlich länger durch, zeigt aber ein wechselhaftes thermisches Verhalten. Entscheidend ist aber bei allen Testobjekten nicht nur die Temperatur beim ersten Benchmark, sondern ihre Entwicklung über Tausende Lastwechsel. Zum Einsatz kommt erstmals die von mir entwickelte Analysesoftware für den Nanotest TTV10 in der Version 1.1.49, die gnadenlos und ehrlich offenlegt, was in den ganzen Messzyklen wirklich passiert (oder auch nicht). Genau darum wird es heute gehen, denn auch wenn Euch das Thema bisher nicht so wirklich interessiert hat, ich werde versuchen, neue Einblicke zu schaffen, die Ihr in dieser Form noch nirgendwo lesen konntet.
Die heute gezeigten Grafiken und Metriken stammen alle aus diesem neuen Programm, in das ich viel Herzblut und Zeit investiert habe. Warum ich diesen weiteren Artikel heute dann noch nachreiche bzw. einschiebe? Ich habe sehr viel Feedback bekommen, dass Teile meines Reviews zum Graphen-Pad bereits wissenschaftlich zu komplex oder abgehoben gewesen seien, zumindest aber in weiten Bereichen zu langatmig. Genau deshalb habe ich mich entschlossen, das mit frischen Daten noch einmal zu “entschärfen” und etwas anschaulicher und auch kürzer zu erkären. Dann versteht Ihr vielleicht auch, warum ich das Thema so spannend finde und die Software genau das macht, was sie macht. Heute sogar mal mit Erklärung der Diagramme.
Der erste Benchmark sieht selten das eigentliche ProblemWir kennen das ja: So eine frisch aufgetragene Wärmeleitpaste ist ein dankbarer Testkandidat für Benchmark-Blender. Man trägt sie auf, montiert den Kühler, lässt das System kurz warmlaufen und erhält meistens eine hübsche Temperaturzahl. Vergleicht man mehrere Produkte innerhalb einer Stunde, sieht die Sache schnell nach einer objektiven Rangliste aus und man schafft dann schon mal Charts mit bis zu 90 Pasten. Nur beantwortet diese Rangliste eine andere Frage als die, die den Besitzer eines Prozessors oder einer Grafikkarte nach ein oder zwei Jahren interessiert: Wie gut bleibt der Kontakt, wenn das Material immer wieder erwärmt, zusammengedrückt, entspannt und abgekühlt wird? Das ist der Punkt, an dem sich ein Wärmeleitmaterial bewähren muss. Nicht unbedingt beim ersten Aufheizen, sondern beim tausendsten. Eine Paste kann im frischen Zustand hervorragend sein und später deutlich schlechter werden. Umgekehrt kann eine anfangs wenig spektakuläre, aber mechanisch robuste Kontaktlage über längere Zeit die sinnvollere Lösung sein. Wer nur die ersten Temperaturen abliest, misst die Anfangsleistung. Über die Haltbarkeit weiß er damit praktisch noch nichts.
Für diese Untersuchung habe ich heute vier reale Messreihen durch den TTV10 Analyzer Next 1.4.9 geschickt. Auf der einen Seite steht das Graphen-Sheet HCF-013-03, das ich noch nicht im Review vorgestellt habe, das aber bald auch in Deutschland verfügbar sein wird. Auf der anderen Seite stehen zwei Auftragsvarianten der Thermal Grizzly Duronaut Pro, einmal dünn als „Thin“ und einmal deutlich stärker als „Thick“ bezeichnet. Als Negativbeispiel kommt noch die wirklich abartige Thermal Hero Quantum hinzu, ebenfalls mit bewusst großzügiger Materialmenge, denn ich bin ja fair. Die Ergebnisse sind übrigens teilweise so unterschiedlich, dass die reine Angabe einer Starttemperatur den eigentlichen Verlauf geradezu verschleiern würde.
Die Übersicht zeigt die beobachteten Laufzeiten, die vollständigen Analysezyklen, den normierten thermischen Feldindex und die tatsächlichen maximalen RTD-Temperaturen. Sie ist natürlich keine echte Rangliste unter identischen Leistungsbedingungen, denn dafür sind die Faktoren bis hin zur abführbaren Leistung einfach zu unterschiedlich. Genau diese Unterscheidung spielt im Folgenden dann auch noch eine wichtige Rolle. Wir sich fragt, warum kein PTM-Sheeet mit im Test erscheint: man kann die ersten paar zehntausend Zyklen mit denen des Graphen-Sheets recht gut vergleichen.
Unser Messgerät schaut nicht nur auf einen heißen PunktDer, oder besser eigentlich das TTV steht für Thermal Test Vehicle. Dahinter steckt in unserem Fall keine gewöhnliche CPU, deren interne Regelung zwischendurch Takt und Leistung verändert, sondern eine definierte Wärmequelle als ASIC mit einer aktiven Fläche von ungefähr 24,9 × 24,9 Millimetern. Vier getrennte Heizzonen bringen die Wärme ins System. Sechzehn RTD-Temperatursensoren erfassen, wie sie sich über die Fläche verteilt. Die zusätzliche Wasserreferenz ermöglicht es, den Einfluss der Kühlbedingungen bei der Auswertung zu berücksichtigen. Das klingt zunächst nach reichlich Messtechnik für eine dünne Schicht Wärmeleitmaterial. Genau darin liegt aber der Vorteil. Eine einzelne CPU-Temperatur sagt uns nicht, ob der gesamte Kontakt schlechter geworden ist oder nur eine bestimmte Ecke. Die sechzehn Sensoren liefern dagegen ein räumliches Bild. Wir erkennen, ob die komplette Fläche wärmer wird, ob einzelne Hotspots ausbrechen, ob sich das thermische Zentrum verlagert und ob der Zustand nach einer scheinbaren Verschlechterung wieder zurückspringt.
Hinzu kommen Tausende Heiz- und Abkühlzyklen. Der TTV10 Analyzer, also meine Software, erkennt daraus die vollständigen Lastphasen, trennt Peak und Plateau, prüft die Messqualität, beobachtet Reifungsprozesse und untersucht das längerfristige Verhalten. Die Kühlwasserbezugsgröße wird für die hier gezeigten Analysen rechnerisch auf 20 °C normiert. Ein wärmerer oder kühlerer Referenzwert soll schließlich nicht mit einer Materialänderung verwechselt werden. Die gemeldeten 100-°C-Ereignisse stammen ausdrücklich aus den unveränderten RTD-Rohwerten, nicht aus einer nachträglich korrigierten Temperatur. Das dahinter stehende mathematische Modell ist Bestandteil der Software und wurde speziell dafür auch angepasst.
Auch die elektrische Heizleistung haben wir für jeden Datensatz erneut aus den qualifizierten Plateaus kontrolliert. Das HCF-Sheet (Grapphen) wurde im Median mit rund 1.200 Watt belastet, Duronat Pro (dicke Schicht) mit 1.030 Watt, Duronat Pro (dünne Schicht) mit 895 Watt und Thermal Hero Quantum mit nur 833 Watt. Das sind Heizleistungen des TTV-Aufbaus, keine CPU-Package-Power-Angaben. Sie sind nicht gleich,denn ich musste bei den Pasten die Leistung bewusst drosseln, um nicht gleich eine Notabschaltung zu riskieren. Das ist natürlich bereits ein erstes Indix, aber noch kein Beweis. Die vier Versuche sind deshalb kein streng kontrollierter Vierfach-Blindvergleich bei exakt demselben Wärmestrom, was ja gar nicht funktionieren würde. Umso wichtiger ist es, die jeweilige Zeitentwicklung innerhalb einer Messreihe und nicht einfach vier einzelne Temperaturen gegeneinander zu halten. Der kontinuierliche Verlauf macht deutlich sichtbar, was bei einem üblichen Kurzbenchmark fast vollständig unter den Tisch fällt: Das Material wird nicht bloß einmal warm. Es muss den Kontakt nach jedem Lastwechsel erneut zuverlässig herstellen und halten. Und genau da wird es wirklich spannend.
Was mein Analyzer als Alterung erkennt und was nichtEine Verschlechterung der Wärmeübertragung muss nicht sofort als dramatischer Temperaturanstieg auffallen. Zu Beginn können sich Partikel und Binder erst unter dem Montagedruck verteilen, Lufteinschlüsse zurückgehen und bislang unvollständig benetzte Stellen besser anliegen. Eine solche Reifung kann die Temperaturen sogar verbessern. Später kann dieselbe Kontaktzone durch zyklische Scherbewegungen, Umverteilung oder Hohlraumbildung wieder schlechter werden. Der Analyzer versucht deshalb nicht, die erste Messminute zur ewigen Wahrheit zu erklären. Er bestimmt eine qualifizierte reife Referenz. Beim HCF-Datensatz ist das ein festes Fenster von 120 Zyklen, von Zyklus 1.667 bis 1.786. Diese Referenz wird danach nicht fortwährend nachgezogen. Sonst würde ein schleichend schlechter werdendes Material seinen eigenen Maßstab ständig verändern und könnte sich gewissermaßen gesundrechnen. Aus den sechzehn Sensoren wird unter anderem ein thermischer Feldindex gebildet. Er berücksichtigt nicht nur eine allgemeine Verschiebung der Temperaturen, sondern auch lokal stärker werdende heiße Bereiche. Seine Skala ist dimensionslos. Ein Index von 2 bedeutet weder „doppelt so schlecht“ noch „50 Prozent Restlebensdauer“. Die hinterlegten Orientierungsbereiche helfen, Änderungen des thermischen Zustands sichtbar zu machen. Sie sind aber keine unabhängig kalibrierten Material-Ausfallgrenzen.
Eine zweite, bewusst getrennte Auswertung betrachtet die räumliche Krümmung und Verschiebung des Temperaturfeldes. Die Software nennt das Warpage- beziehungsweise Kontaktanalyse. Gemeint ist dabei zunächst eine thermische Warpage-Signatur: eine rechnerisch aus den Sensorwerten abgeleitete Veränderung der Feldform. Der TTV biegt sich dadurch nicht plötzlich vor unseren Augen messbar um einen bestimmten Mikrometerbetrag. Ohne zusätzliche mechanische Vermessung lässt sich aus dieser Signatur weder eine reale Durchbiegung in Millimetern noch eine konkrete Pump-out-Menge bestimmen. Das schmälert ihren Nutzen nicht. Wenn sich das Temperaturfeld über die Zeit deutlich und wiederholt verlagert, ist das ein wichtiges Indiz für einen nicht mehr konstanten Wärmeübergang. Zusammen mit steigenden lokalen Temperaturen, dem Verhalten der Plateaus und der zeitlichen Abfolge wird daraus eine überzeugendere Diagnose als aus einer einzelnen Maximaltemperatur. Die konkrete mechanische Ursache muss dennoch gegebenenfalls mit Materialinspektion oder einer separaten Kontaktmessung abgesichert werden.
Thermischer Warpage-Index (oben): Die blaue Kurve gehört zum Graphen-Sheet, die orange zur Thermal Hero Quantum. Beim Graphen-Sheet sinkt der Index nach einer kurzen Anfangsphase leicht und bleibt anschließend über mehr als 9.000 Zyklen nahezu konstant. Die Quantum beginnt dagegen bereits mit einem wesentlich höheren Wert, der während ihrer vergleichsweise kurzen Messdauer sogar noch zunimmt. Das weist auf eine erheblich andere und ausgeprägtere räumliche thermische Feldform hin. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um eine gemessene mechanische Verformung.
Unterschied zwischen Mitte und Rand (Mitte): Beim Graphen-Sheet bleibt der Unterschied zwischen der zentralen und äußeren thermischen Reaktion positiv und verändert sich nach dem Einlaufen nur noch wenig. Die Quantum besitzt dagegen einen deutlich negativen Wert. Das bedeutet, dass sich Mitte und Rand thermisch in einem grundlegend anderen Verhältnis zueinander verhalten. Die beiden Materialien erzeugen unter ihren jeweiligen Versuchsbedingungen also sehr unterschiedliche Temperaturverteilungen. Die negativen Werte der Quantum bedeuten keine negativen Temperaturen.
Verbleibende thermische Kontaktverschiebung (unten): Die blaue Kurve des Graphen-Sheets schwankt über den langen Versuch überwiegend in einem relativ engen Bereich. Bei der Quantum fallen die Werte bereits während ihrer kurzen Laufzeit deutlich höher aus und schwanken stärker. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass ihr thermischer Kontaktzustand erheblich unruhiger ist. Allerdings wurden beide Materialien mit unterschiedlichen Heizleistungen und nicht identischen Versuchsbedingungen geprüft. Die Grafik zeigt daher einen deutlichen Unterschied im beobachteten thermischen Verhalten, aber keinen unmittelbaren Nachweis einer bestimmten mechanischen Schadensursache.
Der räumliche Vergleich zwischen Graphen-Sheet und der Super-Luftpumpe Thermal Hero Quantum illustriert genau diese Trennung. Die Kurven beschreiben die thermische Feldform. Sie zeigen keine direkt gemessene mechanische Verbiegung beider Proben und sind auch keine Mikrometer-Skala. Aber sie erzählen bereits so schon eine echte Horror-Geschichte.
Das Graphen-Sheet HCF-013-03 – Unspektakulär und genau deshalb so interessantDas heute als Basis dienente Graphen-Pad (HCF-013-03, Test kommt bald) ist eine verbesserte Variante des bereits unlängst von mir getesteten GeekTC GX-300 und in diesem Vergleich der Kandidat, der uns am wenigsten mit abrupten Ereignissen beschäftigt. Und das ist bei einem Langzeittest ein ziemlich gutes Kompliment. Der Analyzer verarbeitet daraus 881.322 Rohdatenpunkte und 9.353 vollständige Analysezyklen. Das entspricht einer real erfassten Dauer von ungefähr 130 Stunden, also deutlich mehr als fünf Tagen kontinuierlicher Messung. Die Dateien werden vom Original-Logger tageweise getrennt. Das bedeutet aber nicht, dass jeden Tag ein neuer Versuch begann. Die UTC-Zeitstempel und Zyklusübergänge passen hier zusammen. Der Wechsel der CSV-Datei aus dem TTV10 ist ein technischer Dateischnitt, kein plötzliches Abkühlen, kein neues Auftragen des Materials und keine künstliche Lücke. Gerade bei einem Alterungsversuch ist eine solche Unterscheidung entscheidend und da muss mein Analyseprogramm wirklich aufpassen.
Nach der einheitlichen 20-°C-Normierung steht nun der aktuelle thermische Feldindex bei rund 0,625. Der größte bisher beobachtete Wert lag bei 0,834. Es gibt damit zwar Veränderungen über die Zeit, aber im zuletzt qualifizierten Trendfenster definitiv keine nachweisbare fortlaufende thermische Verschlechterung. Der Regimedetektor findet auch keine ausgeprägten großen Umkehrpunkte im heißen Sensorfeld. Bei der mit rund 1.200 Watt höchsten Plateauleistung der vier Versuche liegt das maximale gemessene RTD-Rohsignal bei 79,82 °C. Der definierte Auswertungsgrenzwert von 100 °C wurde nicht erreicht.
Thermischer Feldindex und Langzeittrend (oben links): Die schwarze Kurve zeigt die Entwicklung über die ausgewerteten Zyklen. Nach einer anfänglichen Veränderung steigt der Index kurzzeitig bis auf ungefähr 0,83, fällt anschließend wieder ab und bleibt über Tausende Zyklen vergleichsweise konstant. Die pinkfarbenen gestrichelten Linien sind interne Orientierungswerte der Software und keine physikalisch nachgewiesenen Ausfallgrenzen. Der grüne Abschnitt am rechten Ende kennzeichnet lediglich die Fortsetzung des aktuellen Zustands, keine garantierte zukünftige Lebensdauer.
Aktuell stabiler Messbereich (oben rechts): Hier betrachtet der Analyzer ausschließlich die letzten 750 gültigen Zyklen. Der thermische Feldindex schwankt nur geringfügig um ungefähr 0,6 bis 0,63. Ein anhaltender Anstieg, der auf eine fortschreitende Verschlechterung hindeuten würde, ist in diesem Abschnitt nicht erkennbar. Der grüne Pfeil bedeutet deshalb nicht, dass das Pad unbegrenzt hält. Er zeigt lediglich, dass sich aus den aktuellen Messdaten kein belastbarer zukünftiger Ausfallzeitpunkt berechnen lässt.
Veränderungen der einzelnen Kennwerte (unten links): Die waagerechten Balken zeigen, in welche Richtung sich verschiedene Eigenschaften des Wärmeübergangs zuletzt entwickelt haben. Werte links der Nulllinie nehmen ab, Werte rechts davon zu. Während beispielsweise die örtliche Umverteilung leicht zunimmt, gehen die allgemeine thermische Verschiebung und der Feldindex zurück. Die Kennwerte verändern sich also nicht gemeinsam in Richtung einer zunehmenden Verschlechterung. Ein einzelner positiver Balken bedeutet dabei noch keinen Materialschaden.
Temperaturtrends der 16 Sensoren (unten rechts): Jeder farbige Balken steht für einen der 16 Temperatursensoren und zeigt dessen aktuellen Trend, bezogen auf die Heizleistung. Einige Sensoren reagieren leicht stärker, andere schwächer. Sensor 5 besitzt dabei den auffälligsten positiven Trend. Entscheidend ist jedoch, dass sich keine gemeinsame, kontinuierliche Erwärmung aller Messpositionen abzeichnet. Die thermischen Veränderungen bleiben örtlich unterschiedlich und insgesamt begrenzt.
Hier sollte man die Beschriftung der Prognose sorgfältig lesen. „Stable over horizon“ bedeutet, dass der Analyzer im betrachteten Mess- und Analysefenster keinen belastbaren fortschreitenden Abbau findet. Es bedeutet nicht, dass das Pad hunderttausende oder gar Millionen an Zyklen garantiert übersteht oder sich die Restlebensdauer mathematisch auf unendlich setzen ließe. Eine endliche absolute Restlebensdauer kann das Modell aus dieser stabilen Reihe gerade nicht seriös bestimmen. Ein Material, das noch nicht erkennbar abbaut, besitzt im Modell keinen vertrauenswürdigen Endpunkt, den man einfach auf ein Kalenderdatum verlängern dürfte. Die Reifungs- und Mechanikdarstellung erklärt und aber, warum der aktuelle Status trotzdem mehr wert ist als nur ein einzelner günstiger Peak. Die anfängliche Entwicklung wird von der späteren, deutlich längeren Beobachtung getrennt. Der eingefrorene Referenzbereich sorgt dafür, dass ein späterer Befund nicht durch ständig neu gewählte Vergleichswerte kaschiert wird. Unter der Grafik findet Ihr auch die genaue Erkärung, was Ihr da eigentlich seht.
Temperaturspreizung (oben links): Die beiden Kurven zeigen, wie unterschiedlich die 16 Messpunkte auf der beheizten Fläche reagieren. Je kleiner die Spreizung, desto gleichmäßiger ist das Temperaturfeld. Besonders zu Beginn gehen die Unterschiede deutlich zurück. Danach beruhigen sich beide Kurven auf einem relativ konstanten Niveau. Das Graphen-Sheet erreicht also nach einer anfänglichen Anpassungsphase eine weitgehend stabile Wärmeverteilung.
Kontaktverschiebung und Umverteilung (oben Mitte): Die orange Kurve beschreibt eine gemeinsame Veränderung der thermischen Reaktion, die pinkfarbene Kurve dagegen örtliche Unterschiede innerhalb der Kontaktfläche. Beide entwickeln sich zunächst deutlich und verändern sich anschließend nur noch innerhalb bestimmter Bereiche. Das zeigt, dass sich der Wärmeübergang räumlich neu verteilt hat. Daraus lässt sich allerdings nicht unmittelbar auf eine mechanische Bewegung des Pads schließen.
Lastwechsel und Einschwingverhalten (unten links): Die blauen Ausschläge zeigen, wie stark die Temperatur beim Einschalten der Heizleistung kurzzeitig überschwingt. Die grünen Werte geben an, wie lange das System anschließend benötigt, um sich thermisch zu beruhigen. Trotz Tausender Belastungswechsel bleiben beide Größen in einem vergleichbaren Bereich. Eine kontinuierliche Verschlechterung des Einschwingverhaltens ist nicht zu erkennen.
Reifung und thermischer Feldindex (unten Mitte): Die orange Kurve beschreibt die Veränderung des thermischen Zustands gegenüber der festgelegten Referenz. Nach einem deutlichen Anstieg erreicht der Index kurzzeitig ungefähr 0,83 und geht anschließend wieder zurück. Gegen Ende pendelt er sich bei rund 0,62 ein. Die gestrichelte senkrechte Linie markiert den Beginn der reifen Referenzphase. Wichtig ist, dass der Index nach seinem Maximum nicht immer weiter steigt. Eine fortlaufende thermische Verschlechterung lässt sich daraus gegenwärtig nicht ableiten.
Räumliche Veränderungen an den Sensorpositionen (rechts): Die 16 Kreise entsprechen den tatsächlichen Positionen der Temperatursensoren. Farbe und Zahlen zeigen, wie stark sich die lokale thermische Reaktion zwischen dem ersten und letzten geeigneten Messzustand verändert hat. Besonders die oberen Sensorpositionen 1 und 5 fallen auf, während viele andere Bereiche nur geringe Änderungen zeigen. Das Wärmefeld hat sich also örtlich unterschiedlich entwickelt, ohne dass daraus bereits eine tatsächliche Verformung der Kontaktfläche abgelesen werden könnte.
Doch auch die thermische Kontaktkarte ist aufschlussreich. Bei der Graphenprobe bleibt die räumliche Verteilung über den langen Lauf vergleichsweise geordnet. Der TTV verzeichnet keine große, wiederholt umkehrende Verlagerung des heißen Sensorfeldes. Das ist ein starker praktischer Haltbarkeitsbefund für die konkrete Belastung. Ob das Material nach mehreren Monaten oder Jahren, nach noch mehr Zyklen oder unter völlig anderen Anpressbedingungen dieselbe Stabilität zeigen würde, bleibt damit allerdings natürlich offen. Auch hier unter der Grafik noch die genaue Erklärung.
Absolute thermische Kontaktform (oben links): Die Farbkarte zeigt, wie sich die auf die Heizleistung bezogene thermische Reaktion über die gesamte Kontaktfläche verteilt. Rote Bereiche besitzen höhere Werte, blaue niedrigere. Die Mitte und Teile des oberen Bereichs reagieren thermisch stärker als die äußeren Ecken. Die Karte entsteht durch rechnerische Zwischenwerte aus den 16 Sensorpositionen und ist weder eine Fotografie noch eine direkte Messung der tatsächlichen Oberflächenform.
Relative Warpage-Karte (oben rechts): Diese Darstellung zeigt nicht mehr den absoluten Zustand, sondern die räumlichen Unterschiede gegenüber der gewählten Referenz. Besonders im oberen Bereich treten positive Veränderungen auf, während größere Teile der mittleren Fläche negative Abweichungen zeigen. Damit wird sichtbar, wo sich das thermische Kontaktbild verändert hat. Der Begriff Warpage bezeichnet hier ausschließlich eine thermisch berechnete Feldveränderung und keine gemessene mechanische Durchbiegung.
Verbleibende Veränderungen nach dem Abkühlen (unten links): Die dritte Farbkarte untersucht, welche Unterschiede zum Referenzzustand auch nach dem Abkühlen noch im thermischen Messbild vorhanden sind. Besonders im oberen Bereich bleiben deutlichere Abweichungen sichtbar. Das zeigt, dass der Wärmeübergang nicht nach jedem Zyklus exakt zum ursprünglichen Zustand zurückkehrt. Ob dafür mechanische Setzung, eine Veränderung des Anpresskontakts oder andere Effekte verantwortlich sind, lässt sich aus dieser Grafik allein nicht entscheiden.
Warpage- und Kontaktentwicklung (unten rechts): Die obere blaue Kurve beschreibt die räumliche Form des thermischen Feldes. Sie fällt anfangs etwas ab und verläuft danach über Tausende Zyklen weitgehend konstant. Die orange Kurve zeigt den Unterschied zwischen der Mitte und dem Rand, der sich ebenfalls früh stabilisiert. Die stark schwankende gestrichelte blaue Kurve stellt die nach dem Abkühlen verbleibenden thermischen Kontaktverschiebungen dar. Trotz zahlreicher Ausschläge ist über die gesamte Versuchsdauer kein stetig zunehmender Verlauf dieser Größe erkennbar. Das spricht für einen insgesamt vergleichsweise stabilen thermischen Kontaktzustand.
Ich habe aber selten eine so gleichmäßige Wärmeverteilung gesehen, wie bei diesen Graphen-Pads, da kann man nur den Hut ziehen:
Auch die Rückstände nach dem Entfernen des Kühlers sind interessant, denn es gibt quasi gar keine: