Wer viel verdient, ist nicht automatisch reich. Der Fall Eike Immel zeigt, warum Einkommen allein keine finanzielle Sicherheit garantiert.
Eike Immel verdiente als Fußballprofi viel Geld und lebt heute von Grundsicherung. Sein Fall zeigt: Einkommen allein schafft keine Sicherheit.
Eike Immel war Nationaltorwart, spielte in der Bundesliga und verdiente nach aktuellen Berichten zeitweise 400.000 D-Mark im Jahr. Heute lebt der frühere Fußballprofi von staatlicher Grundsicherung. Immel sagt selbst, der Umgang mit Geld sei nie seine Stärke gewesen. Bereits 2008 meldete er Privatinsolvenz an.
Rebecca Kehrl hat als Schuldenexpertin und Rechtsanwältin die Plattform Schuldenexit gegründet, um Betroffenen frühzeitig Orientierung zu bieten. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Sein Fall ist extrem aber gerade deshalb macht er einen Unterschied sichtbar, der im Alltag oft übersehen wird: Ein hohes Einkommen ist noch kein Vermögen. Ein guter Verdienst ist keine Garantie dafür, dauerhaft finanziell sicher zu sein.
Wer sehr gut verdient, wirkt von außen automatisch finanziell abgesichert. Doch entscheidend ist nicht allein, was monatlich hereinkommt, sondern wie viel davon dauerhaft bleibt.
Steigen die Ausgaben mit dem Einkommen, entsteht trotz hoher Einnahmen nicht zwangsläufig Vermögen. Teure Autos, Reisen oder andere laufende Verpflichtungen können einen Lebensstandard schaffen, der nur funktioniert, solange das Einkommen auf demselben Niveau bleibt. Genau darin liegt eine Gefahr: An hohe Einnahmen gewöhnt man sich schnell. Ein Einkommen kann aber deutlich schneller verschwinden als die dazugehörigen Ausgaben.
Der Unterschied zeigt sich, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Eine Karriere endet, ein Unternehmen scheitert, Krankheit oder Trennung verändern die finanzielle Situation oder Aufträge brechen weg.
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Wer in guten Jahren Rücklagen aufgebaut hat, kann einen solchen Einschnitt eine Zeit lang abfedern. Wer seinen Lebensstandard dagegen vollständig aus dem laufenden Einkommen finanziert, kann trotz früher hoher Einnahmen schnell unter Druck geraten.
Das Prinzip gilt nicht nur für ehemalige Spitzensportler. Auch ein gut verdienender Angestellter kann finanziell verletzlich sein, wenn Kreditraten, Leasingverträge und laufende Kosten fast das gesamte Einkommen binden. Umgekehrt kann jemand mit geringerem Gehalt stabiler aufgestellt sein, wenn wenig Schulden bestehen, Rücklagen vorhanden sind und die Fixkosten überschaubar bleiben.
In Deutschland sprechen wir viel über Gehälter. Wer 3.000, 5.000 oder 10.000 Euro verdient, wird schnell einer bestimmten finanziellen Kategorie zugeordnet. Doch das Monatseinkommen sagt erstaunlich wenig darüber aus, wie sicher jemand tatsächlich steht.
Vermögen entsteht erst aus dem Teil des Einkommens, der nicht wieder ausgegeben wird. Wer mehr verdient, hat bessere Möglichkeiten, Vermögen aufzubauen. Automatisch passiert das aber nicht. Mit steigendem Einkommen steigen häufig auch die Ansprüche an den Lebensstandard. Was einmal Luxus war, wird zur Fixkostenposition. Fällt das Einkommen weg, lassen sich solche Verpflichtungen oft nicht im gleichen Tempo reduzieren.
Bei Eike Immel wäre es falsch, seinen finanziellen Absturz allein äußeren Umständen zuzuschreiben. Er hat selbst öffentlich eingeräumt, dass der Umgang mit Geld nicht seine Stärke gewesen sei.
Gerade deshalb zeigt sein Fall die andere Seite der Debatte: Ein hohes Einkommen schafft Handlungsspielraum, aber dieser Spielraum muss genutzt werden. Finanzielle Sicherheit entsteht nicht automatisch mit der nächsten Gehaltserhöhung. Sie entsteht durch Rücklagen, begrenzte laufende Verpflichtungen und die Fähigkeit, den eigenen Lebensstandard nicht vollständig an das maximal verfügbare Einkommen anzupassen.
Wer gut verdient, sollte finanzielle Sicherheit nicht mit dem monatlichen Einkommen verwechseln. Sinnvoll ist es, zuerst Rücklagen aufzubauen und laufende Verpflichtungen so zu begrenzen, dass sie auch bei einem Einkommensrückgang noch tragbar bleiben.
Bei Leasing, Konsumkrediten oder hohen Fixkosten hilft eine einfache Frage: Würde ich diese Ausgaben auch noch problemlos tragen können, wenn mein Einkommen einige Monate deutlich sinkt?
Wer merkt, dass trotz guten Einkommens kaum etwas übrig bleibt, sollte früh gegensteuern und Einnahmen sowie feste Ausgaben vollständig gegenüberstellen. Kredite sollten nicht dazu dienen, einen dauerhaft zu hohen Lebensstandard zu finanzieren. Ein gutes Gehalt ist vor allem die Chance, Vermögen und einen Puffer aufzubauen.
Der gefährlichste Irrtum lautet deshalb: „Ich verdiene doch genug.“ Denn wer seinen Lebensstandard nur halten kann, solange das Einkommen unverändert hoch bleibt, ist nicht unbedingt wohlhabend. Er ist abhängig vom nächsten Gehalt.
Eike Immels Geschichte ist außergewöhnlich. Die Lehre daraus ist es nicht. Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie viel verdiene ich? Sondern auch: Was bleibt davon, welche Verpflichtungen habe ich aufgebaut und wie lange würde mein finanzielles Leben funktionieren, wenn morgen deutlich weniger Geld hereinkäme?
Ein hohes Einkommen kann den Weg zu finanzieller Sicherheit erheblich erleichtern. Es ersetzt sie aber nicht.
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