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200.000 Euro pro Kind – ohne zweites Einkommen wird es eng

Дата публикации: 02-10-2026 18:36:00

Kinder kosten Geld – doch machen sie Familien arm? Daten und Experten zeigen, welche Rolle Einkommen, Erwerbsarbeit, Wohnkosten und Transfers spielen.

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Deutschlands Geburtenrate fällt auf ein Rekordtief. Gleichzeitig werden die Kosten für Familien höher. Doch machen Kinder tatsächlich arm – oder liegt das Problem woanders?

763 Euro geben Eltern im Schnitt pro Monat für ein Kind aus. Bis zum 18. Geburtstag summiert sich das auf rund 160.000 Euro – inflationsbereinigt werden inzwischen bis zu 200.000 Euro veranschlagt.

Ein Kind kostet also Geld. Ein zweites noch mehr. Gleichzeitig kann das Einkommen sinken, wenn ein Elternteil wegen der Betreuung weniger arbeitet. Machen Kinder Familien in Deutschland also arm?

Die Frage nach den Kosten bekommt vor dem Hintergrund der sinkenden Geburtenzahlen zusätzliche Brisanz. 2025 wurden in Deutschland 654.241 Kinder geboren – so wenige wie seit 1946 nicht mehr. Die Geburtenziffer sank auf 1,32 Kinder je Frau, nach 1,35 im Jahr zuvor.

Besonders gefährdet: Alleinerziehende und Mehrkindfamilien

Die Kosten von Kindern beeinflussen also den Kinderwunsch. Ob Kinder Familien tatsächlich arm machen, ist allerdings eine andere Frage.

Nach Angaben von Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) lag das Risiko, mit Kindern in die Armut abzurutschen, zwischen 2020 und 2025 im Schnitt bei rund 14 Prozent. Damit lag die Quote sogar etwas unter dem Armutsrisiko der Gesamtbevölkerung (16 Prozent).

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Doch es gibt zwei Gruppen, die dennoch betroffen sind, mit Kindern arm zu werden: Fast jeder dritte Alleinerziehendenhaushalt ist von Armut bedroht. Familien mit drei oder mehr Kindern sind ebenfalls besonders gefährdet. Sebastian Heimann, Bundesgeschäftsführer vom Deutschen Familienverband, spricht deshalb von „Familienarmut“:

„Je mehr Kinder Eltern haben, desto schwieriger wird es, die Familie mit einem Durchschnittseinkommen über Wasser zu halten.“

Problematisch wird also die Kombination mehrerer Faktoren: Steigende Ausgaben treffen auf sinkende Einkommen, wenn ein Elternteil wegen der Betreuung weniger arbeitet. Die Bertelsmann Stiftung nennt eingeschränkte Erwerbsmöglichkeiten, hohe Wohnkosten und unzureichende Unterhaltszahlungen als Armutsrisiken.

Das Armutsrisiko wird also maßgeblich davon bestimmt, wie viele Menschen im Haushalt Einkommen erwirtschaften können. Für Alleinerziehende ist das besonders problematisch: Zum einen fällt wegen der Betreuung Erwerbszeit weg, zum anderen gibt es kein zweites Einkommen, das diesen Verlust auffangen könnte.

Grabka sieht deshalb einen wichtigen Ansatzpunkt darin, die Erwerbsbeteiligung zu erhöhen. Das Steuer- und Transfersystem müsse so verändert werden, dass sich eine Ausweitung der Arbeitszeit auch spürbar beim Nettoeinkommen bemerkbar mache.

Einkommen kaum gestiegen, Preise schon

Doch die realen Einkommen sind wegen der schwachen Wirtschaftsdynamik in den vergangenen Jahren kaum oder gar nicht gestiegen, während die Preise laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) seit 2021 um rund 25 Prozent zugelegt haben. Tobias Hentze vom IW bringt die Entwicklung auf einen einfachen Nenner:

„Es ist offensichtlich, dass das Leben in den vergangenen fünf Jahren deutlich teurer geworden ist. Insbesondere die steigenden Wohnkosten belasten Familien, weil diese mehr Platz benötigen.“

Hinzu kommen die Sozialabgaben. Nach Hentzes Rechnung ist der Anteil des Bruttogehalts, der nach Abgaben übrig bleibt, zuletzt gesunken – vor allem wegen höherer Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Staatliche Leistungen federn nur einen Teil der Belastung ab

Kindergeld bekommen Familien unabhängig vom Einkommen. Hinzu kommen – je nach finanzieller Situation – etwa Kinderzuschlag, Wohngeld oder weitere Unterstützungen. Die Bertelsmann Stiftung kritisiert allerdings, dass viele dieser Leistungen nicht alle anspruchsberechtigten Familien erreichen.

„Das Problem ist, dass es eine Vielzahl familienpolitischer Leistungen gibt, die teilweise aufeinander angerechnet werden und die zu unterschiedlichen Fristen bei unterschiedlichen Stellen beantragt werden müssen“, sagt Sarah Menne, Senior Project Manager bei der Bertelsmann Stiftung.

Der Paritätische Gesamtverband kommt zu einer ähnlichen Einschätzung:

„Das Problem ist weniger das Fehlen einzelner Instrumente als ihre unzureichende Höhe, ihre Komplexität und ihre mangelnde Zielgenauigkeit“, sagt die Pressesprecherin des Verbands, Claudia Cornelsen.

Gleichzeitig kann das Transfersystem dazu führen, dass sich ein höheres Arbeitseinkommen nicht vollständig im verfügbaren Haushaltseinkommen niederschlägt. Wer knapp über Fördergrenzen liegt, verliert möglicherweise Zuschüsse, während die zusätzlichen Kosten bleiben. Das ist die sogenannte Transferentzugsrate.

Sie zeigt: Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Haushalt mit geringem Erwerbseinkommen nach Einrechnung staatlicher Leistungen über ein höheres verfügbares Einkommen verfügen als eine Familie mit höherem Arbeitseinkommen, die keine entsprechenden Transfers mehr erhält.

Besonders schwierig kann es für Haushalte werden, die knapp oberhalb von Fördergrenzen liegen. Ihr Einkommen reicht zwar für den Lebensunterhalt, gleichzeitig tragen sie aber hohe Markt-Mieten und bekommen bestimmte Zuschüsse nicht mehr. Das ist die sogenannte Transferentzugsrate: Ein Teil des zusätzlichen Einkommens wird durch den Wegfall staatlicher Leistungen wieder aufgezehrt.

Für Familien ist das Risiko sehr unterschiedlich

Die Daten ergeben deshalb kein einheitliches Bild. Die finanzielle Lage hängt stark davon ab, ob ein oder zwei Erwachsene arbeiten, wie viele Kinder im Haushalt leben und wie hoch die Wohnkosten sind.

Die Bertelsmann Stiftung weist zugleich auf die langfristigen Folgen von Armut hin. Rund jedes fünfte Kind wachse demnach in einer Familie auf, die armutsgefährdet ist oder Leistungen der Grundsicherung bezieht.

„Besonders problematisch ist, dass Armut häufig dauerhaft wirkt“, sagt Menne.

Sie beeinträchtige nicht nur das Aufwachsen und Wohlbefinden der Kinder, sondern könne auch Bildungs- und Teilhabechancen einschränken.

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