Wut geht uns alle an und betrifft auch jeden. Deshalb widmet das Düsseldorfer Duo Hartmann/Mueller diesem starken Gefühl einen Liederabend im Theatermuseum. Denn Wut kann auch ein Ventil sein, aus dem Neues und Kreatives entsteht.
13.10.2026 · 16:55 Uhr
Düsseldorf · Wut geht uns alle an und betrifft auch jeden. Deshalb widmet das Düsseldorfer Duo Hartmann/Mueller diesem starken Gefühl einen Liederabend im Theatermuseum. Denn Wut kann auch ein Ventil sein, aus dem Neues und Kreatives entsteht.
Seit drei Jahren befassen sich Daniel Mueller und Simon Hartmann auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema Wut. „Fuchsteufelswild“ ist das letzte Projekt in dieser Reihe des Künstlerduos. Vor der Premiere im Dezember im Ringlokschuppen Ruhr und der sich anschließenden Tour mit Stopps in Köln und München gibt es einen Appetizer in Form eines performativen Liederabends am 16. und 17. Oktober im Theatermuseum.
Derzeit laufen noch die Proben für das kleine Ensemble um die beiden Künstler. Es ist in den 17 Jahren, seit es das Duo Hartmann/Mueller gibt, erst das dritte Mal, dass sie in einer größeren Gruppe auf der Bühne stehen. „Durch eine Spitzenförderung besteht noch die finanzielle Möglichkeit, andere Künstlerinnen und Künstler ins Boot zu holen“, erzählt Daniel Mueller.
Seit 2009 arbeiten er und Simon Hartmann bereits zusammen. Kennengelernt haben sie sich an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Beide entschieden sich recht spät für den Tanz. „Die Folkwang hat uns trotzdem aufgenommen und viele künstlerische Ausdrucksformen geboten, die wir in unsere gemeinsamen Projekte einfließen lassen können“, resümiert Daniel Mueller.
Gefragt, was sie am Thema Wut so gereizt hat, dass sie sich über einen längeren Zeitraum damit auseinandersetzen wollten, antwortet Mueller: „Wut trägt jeder in sich, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Wir alle haben unsere Erfahrungen in unterschiedlichsten Kontexten gemacht.“ Hartmann ergänzt: „Wir sind ja zu sechst diesmal und wenn jeder Geschichten erzählt, erinnert man sich gleich an eigene Erlebnisse. So befruchtet sich die Gruppe gegenseitig.“
Was genau macht denn Simon und Daniel wirklich sauer? „In der Retrospektive kommen mir da viele Beispiele aus der Kindheit. Missverständnisse, die mich wirklich wütend gemacht haben“, erinnert sich Daniel Mueller. Er sei schwul und das sei ihm schon als Kind bewusst gewesen. „Ich habe niemals einem heteronormativen Jungen entsprochen, der Fußball mag oder auf Autos stand“, erzählt der Tänzer. Die Akzeptanz sei vor allem seinem Vater schwergefallen, fährt er fort. Der hätte aus seinem Sohn gern einen Fußball- oder Handballprofi gemacht. Dass sein Erstgeborener Papas sportliche Karrierepläne nicht teilte, war ein harter Schlag für das Verhältnis zwischen Vater und Sohn.
Persönliche Erfahrungen wie diese flossen in die Arbeit am Singspiel „Fuchsteufelswild“ und den anstehenden Liederabend ein. „Es ist ein Prozess, in dem wir uns gerade befinden“, ergänzt Simon Hartmann. Seine Wut speist sich ebenfalls aus Kindheitserfahrungen. „Ich bin in einem sehr christlichen Umfeld aufgewachsen. Der Glaube wurde mir von meinen Eltern geradezu übergestülpt. Da war kein Raum für einen eigenen Weg.“
Beide sind inzwischen selbst Eltern. „Auch in diesen Konstellationen taucht das Thema Wut natürlich auf. Kinder lassen ihren Emotionen oft freien Lauf und gerade Wut ist ein Gefühl, das man als Eltern nur schwer zulassen kann“, weiß Daniel Mueller und erklärt sich das so: „Diese kindliche Wut ist oft so irrational und du fragst dich, wieso rastet der Kleine gerade jetzt total aus, nur weil wir nach zwei Stunden Spielplatz nach Hause gehen?“
Die beiden haben auch Literaturrecherche betrieben. „In den Fachbüchern geht es immer nur darum, wie man Wut deckelt und nicht, wie man ihr Raum geben kann“, bilanziert Simon Hartmann. Sein Kollege stimmt zu: „Es fehlt immer ein Austragungsort. Wir erleben auch in der Gesellschaft immer öfter, wie sich Wut Bahn bricht.“
Um genau dieses Ventil zu bieten, haben die beiden im vergangenen Jahr die interaktive Installation „Wütet!“ im Theatermuseum realisiert, die Kindern und Erwachsenen eine Möglichkeit bot, mal so richtig auszurasten und zum Beispiel Porzellan zu zerdeppern. Die Idee entstand aus der Frage heraus, wie sich ein wütender Körper verhält. „Dafür brauchten wir eine Situation, in der sich ein Körper mit Wut ausdrückt, ohne wütend zu sein“, sagen sie. Die zerstörerische Kraft, die dabei freigesetzt wird, schafft Platz für Neues und Kreativität.
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