Ein neuer ICE nach Hamburg, dafür zwei Verbindungen ab Saarbrücken verloren: Die Begeisterung über das neue Angebot der Bahn hält sich im Saarland in Grenzen. Zumal der Schnellzug in die Hansestadt bereits im August wieder ausläuft. Die Reaktionen.
Update | Saarbrücken · Ein neuer ICE nach Hamburg, dafür zwei Verbindungen ab Saarbrücken verloren: Die Begeisterung über das neue Angebot der Bahn hält sich im Saarland in Grenzen. Zumal der Schnellzug in die Hansestadt bereits im August wieder ausläuft. Die Reaktionen.
14.10.2026 , 17:45 Uhr
Im Saarland gibt es zwar Zustimmung für die neue ICE-Verbindung ab Saarbrücken nach Hamburg, gleichzeitig aber herbe Kritik wegen des Wegfalls anderer Fernzuganschlüsse. (Symbolbild)
Foto: dpa/Christoph SchmidtUpdate von Mittwoch, 14. Oktober, 17.45 Uhr: Nicht nur aus der Saar-Politik wird Kritik am Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn (DB) Mitte Dezember laut. Zwar kommt mit der Linie Saarbrücken – Hamburg eine neue Direktverbindung. Doch dafür fällt je eine Linie auf den Strecken Saarbrücken – Berlin und Saarbrücken – München weg. Das sieht auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD), ein gemeinnütziger Umweltverband, kritisch.
„Vor allem der Entfall des frühen ICE ab Saarbrücken (Abfahrt bisher: 5.37 Uhr) über Mannheim nach München wird viele Pendler und Fernreisende treffen“, schreibt der stellvertretende Saar-Landesvorsitzende Manuel Schauer in einer Pressemitteilung. „Denn seit Jahrzehnten konnten Saarländer mit dieser Verbindung von Saarbrücken und Homburg aus zum Umsteigeknoten Mannheim oder direkt nach München fahren“, führt er fort.
Der neu dazukommende ICE nach Hamburg sei wegen seiner späteren Fahrzeiten „kein adäquater Ersatz“. Der Verband kritisiert zudem, dass das zweite ICE-Zugpaar auf der Strecke Saarbrücken – Berlin wegfallen soll.
Der Verkehrsclub fordert von der Politik, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Fernverkehr zu ändern. Derzeit könne die DB Fernverkehr AG alleine darüber entscheiden, welche Fernzüge von und nach Saarbrücken fahren, schreibt der VCD. „Ziel muss es sein, dass der Fernverkehr auch in Städten außerhalb der Hauptstrecken sichergestellt wird; der Fernverkehr muss alle größeren Städte in einem Deutschlandtakt verknüpfen“, schreibt Schauer.
Weiterhin fordere der VCD das Land und den Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd in Kaiserslautern dazu auf, für den wegfallenden ICE einen Regionalzug zu bestellen, der zwischen Saarbrücken und Mannheim mit Halten in St. Ingbert, Homburg und Landstuhl verkehrt. So solle die entstehende Taktlücke geschlossen werden.
Neben aller Kritik lobt der VCD die Saar-Landesregierung: „Ab Fahrplanwechsel erhöht sich mit dem S-Bahnkonzept die Zahl der Regionalzugverbindungen innerhalb des Saarlandes deutlich.“
Erstmeldung von Mittwoch, 14. Oktober, 12.51 Uhr: Der reguläre Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn (DB) Mitte Dezember bedeutet auch fürs Saarland Veränderungen, insbesondere beim Fernverkehr. Zwar soll es eine neue Direktverbindung ab Saarbrücken nach Hamburg geben. Diese ist aber nur zeitlich begrenzt verfügbar. Und zwei bisherige Schnellzuglinien fallen sogar weg. Das sorgt für Kritik im Saarland.
So reagiert Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) zwiegespalten auf die Ankündigung der DB. Zwar begrüße er, dass ab 13. Dezember täglich ein ICE direkt von Saarbrücken nach Hamburg fahren soll. Doch er kritisiert, dass gleichzeitig jeweils eine von zwei täglichen Direktverbindungen nach Berlin und nach München wegfallen. Und auch die neue Hamburg-Linie muss Mitte August 2027 wegen Bauarbeiten schon wieder gekappt werden, fährt dann nur zwischen Saarbrücken und Frankfurt.
„Die neue Direktverbindung nach Hamburg ist eine gute Nachricht für Saarbrücken und die gesamte Eurometropole“, teilt OB Conradt mit. Dies verbessere die Anbindung des Saarlandes an Frankfurt und Norddeutschland und stärke den Fernverkehrsstandort.
„Gleichzeitig dürfen wir nicht darüber hinwegsehen, dass wichtige Verbindungen nach Berlin und München zumindest vorübergehend reduziert werden. Für eine Landeshauptstadt und das Zentrum einer deutsch-französischen Eurometropole mit rund 1,5 Millionen Menschen ist das insgesamt keine zufriedenstellende Entwicklung“, erklärt Conradt.
Für Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung im Saarland sei die Bundeshauptstadt ein wichtiges Ziel. Er spricht darum von einem „Rückschritt“ nicht nur für Berufspendler. Er fordert mit Blick auf die Strecke Saarbrücken-Berlin von der Bahn „eine klare Perspektive, wann die zweite Verbindung wiederhergestellt wird.“ Die zweite Berlin-Verbindung entfällt laut Bahn wegen „verschiedener Baueinschränkungen“ 2027 ganzjährig. Eine von zwei täglichen Direktverbindungen nach München hatte die Bahn indes mit Verweis auf eine zu geringe Auslastung gestrichen. Dauerhaft gesichert sein müsse auch die neue Hamburg-Verbindung.
Jubelstürme löst all dies auch im saarländischen Mobilitätsministerium nicht aus. Zwar unterstreicht eine Sprecherin, dass die Baumaßnahmen an den Schienen und der gesamten Infrastruktur der Bahn „als notwendig angesehen“ werden. Die in die Jahre gekommene Technik müsste modernisiert werden. Nichtsdestotrotz fordere die Landesregierung „eine verlässliche Anbindung an die restliche Bundesrepublik“.
Die zusätzliche, wenn auch zunächst zeitlich begrenzte ICE-Linie nach Hamburg sei zu begrüßen. Doch für das Saarland sei es unerlässlich, dass nach Abschluss der Arbeiten „wieder ein verlässliches Angebot nach Berlin geschaffen wird und das Saarland so auf der Schiene weiterhin national und international vernetzt bleibt“.
Mit Unverständnis reagiert der Saarbrücker OB indes auf die Entscheidung, die ursprünglich für 2028/2029 vorgesehene umfassende Sanierung der Bahnstrecke Forbach-Saarbrücken-Ludwigshafen auf die Zeit nach 2031 zu verschieben.
„Unsere Bahnstrecke braucht dringend eine Modernisierung“, kritisiert Conradt. Die Verschiebung der umfassenden Korridorsanierung dürfe nicht bedeuten, dass Maßnahmen, die keinen Aufschub dulden, ebenfalls warten müssen. „Sicherheitsrelevante Arbeiten, die Beseitigung akuter Engpässe und notwendige Verbesserungen für einen verlässlicheren Betrieb müssen trotz der Verschiebung unverzüglich umgesetzt werden“, so Conradt.
Was den grenzüberschreitenden Verkehr betrifft, setzt Oberbürgermeister Conradt auf „Überlegungen der Deutschen Bahn und der französischen SNCF, ab 2028 eine zweite tägliche Direktverbindung zwischen Paris und Berlin einzurichten“. Gute Chancen rechnet er dieser aus, da der bestehende Schnellzug nach DB-Angaben „mit mehr als 80 Prozent sehr gut ausgelastet“ sei.
Diese neue ICE/TGV-Verbindung müsse zwingend über Saarbrücken führen. Das wäre laut Conradt eine hervorragende Ergänzung zu der bestehenden Strecke über Straßburg. Eine verbindliche und zeitnahe Entscheidung darüber verlangt er von beiden Bahn-Unternehmen.
Ähnlich sehen es auch die Verantwortlichen im Mobilitätsministerium. Die Saar-Regierung setze sich seit Jahren „mit Nachdruck für eine leistungsfähige, attraktive und verlässliche Fernverkehrsanbindung des Saarlandes ein“, heißt es von dort. Auf gute Schienenverbindungen innerhalb Deutschlands und insbesondere nach Frankreich sei das Saarland angewiesen. Es gehe um zuverlässige Anschlüsse „an die wichtigen deutschen Fernverkehrsknoten“.
Konkret zum Schnellzug Saarbrücken-Paris: Derzeit sollen keine konkreten Hinweise darauf vorliegen, dass aufgrund der verschobenen Generalsanierung dauerhaft Verbindungen zwischen Frankfurt und Paris über Saarbrücken wegfallen könnten. Aber: „Gleichwohl sind die damit verbundenen Unsicherheiten ernst zu nehmen.“ Das Saarland erwarte von Bahn und Bund, dass „die Zuverlässigkeit und Attraktivität dieser wichtigen deutsch-französischen Verbindung gewährleistet bleiben“. Die saarländische Regierung setze sich ausdrücklich dafür ein, dass die in Aussicht gestellte, zweite tägliche Direktverbindung zwischen Berlin und Paris über Saarbrücken geführt wird.
Hier der Überblick über die veränderten Fernverkehrsverbindungen vom und ins Saarland ab dem 13. Dezember:
Die DB dünnt ihr Angebot auf zwei Strecken aus.
Zwischen Saarbrücken – München fällt eine Verbindung weg.
Saarbrücken – Berlin wird nur noch einmal pro Tag gefahren.
Neu ist die ICE-Direktverbindung Saarbrücken – Hamburg: