Die Linke in Berlin, die AfD in Sachsen-Anhalt schaffen Aufbruchsstimmung, wenn auch mit fragwürdigen Versprechungen. Und die CDU? Ihr Spitzenpersonal zeigt Talent als Trauerredner. Mit der ZDF-Dokumentation „Inside CDU“ tut sich die Volkspartei auf Abschiedstournee keinen Gefallen.
Die Linke in Berlin, die AfD in Sachsen-Anhalt schaffen Aufbruchsstimmung, wenn auch mit fragwürdigen Versprechungen. Und die CDU? Ihr Spitzenpersonal zeigt Talent als Trauerredner. Mit der ZDF-Dokumentation „Inside CDU“ tut sich die Volkspartei auf Abschiedstournee keinen Gefallen.
Friedrich Merz kann seine Politik nicht verkaufen. Emotional nicht. Rational nicht hinreichend oft. Das bekommen wir in den Tagen seit den Wahlkatastrophen für seine CDU häufig zu hören. Es ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Das Problem der CDU ist größer. Schauen wir uns das Spitzenpersonal an, das die Partei gerade als Serientäter ins Fernsehen schickt. Wir sehen einen Armin Laschet als Dauergast der TV-Talks. Er strahlt die Aufbruchsstimmung eines Karfreitags aus. Wir sehen Thorsten Frei. Der sagt sehr vernünftige Sachen. Leider tut er das mit dem Blick eines Arztes, der die Nachricht zu überbringen hat: Sie haben nur noch 100 Tage zu leben.
Und wir sehen Philipp Amthor. Der 33-Jährige ist ein begeisterter Rhetoriker. Nur wirkt er wie der Musterschüler, den schon im Klassenzimmer keiner leiden konnte. Wie groß das Problem wirklich ist, zeigt die aktuelle Dokumentation „Inside CDU“. Der Zuschauer erlebt eine Partei, die nicht über eine Brandmauer reden sollte. Diese CDU, so wie sie sich in dieser Dokumentation zeigt, braucht eine Stützmauer.
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Das ZDF-Team fährt viel Auto für seine Dokumentation – und das gerne in den Dienstwagen der CDU‑Honoratioren. Im Wagen mit Philipp Amthor. Er sitzt auf der Rückbank, redet aber, als hätte er das Steuer in den Händen. „Es geht für die CDU ums Ganze“, sagt der 33‑Jährige. Und er fügt hinzu: „Wir dürfen uns da über die AfD überhaupt keine Illusionen machen. Wenn wir so dumm sind, uns da einzulassen, entgegen der Grundprinzipien der CDU, dann ist das existenzgefährdend.“
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Als Selbstfahrer ist der Landtagsabgeordnete Andreas Renner unterwegs. Er singt dem ZDF-Publikum ein fröhliches Lied bei der Fahrt durch Baden-Württemberg. Er erzählt, dass er Lehramt studiert hat und Lehrer wurde, sogar Schulleiter. Dabei wollte er nie in die Schule, sondern Musical-Darsteller werden. Jetzt wirbt er um Stimmen für seine Partei in Baden-Württemberg. Dabei steigt er vor den ZDF-Kameras sogar in den Boxring.
Seine Schläge wirken allerdings kraftlos. Das sind Bilder aus Baden-Württemberg. Andreas Renner hat in seinem Wahlkreis Pforzheim gegen den AfD-Kandidaten zwar gewonnen, seine Partei aber landete hinter den Grünen. Aber der Wahlkampf dort ist Geschichte. Das Problem bleibt. „Aber am Ende des Tages glaube ich immer noch daran“, sagt zum Ende der Auftaktfolge Carsten Linnemann, „dass die breite Masse Deutschlands einfach von uns will, dass wir die Hausaufgaben erledigen.“ Hand aufs Herz: Wer hat jemals gerne Hausaufgaben gemacht? Aufbruchsstimmung gelingt Carsten Linnemann so sicher nicht.
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Und Friedrich Merz, der Kanzler und Vorsitzende seiner Partei? Ihm widmet das ZDF eine eigene Folge unter dem bösen Titel „Rambo Zambo“. Journalisten urteilen verheerend über ihn. „Versagen wäre ein zu hartes Wort“, sagt etwa Melanie Amann von den Funke-Medien. Um dann noch viel härtere folgen zu lassen: „Man sieht, dass er schlecht vorbereitet war. Nicht qualifiziert war für die Rolle. Null Regierungserfahrung. Und auch die menschlichen, die soften Seiten, die der Job erfordert, nicht mitbringt.“
An Optimismus versucht sich Philipp Amthor. Das ZDF begleitet ihn als Wahlkämpfer in Sachsen-Anhalt. Seine Botschaft: „Wir können stolz sein auf unsere CDU. Wir glauben daran, dass die CDU die Herausforderungen der Zukunft lösen kann. Und ich sag es mal so: Wer soll es denn sonst tun, wenn wir es nicht schaffen.“ Zu diesem Satz schwankt er heftig von links nach rechts. Der Applaus bleibt, sagen wir, verhalten. Spannend sind die Gespräche am Rand. „Sachsen-Anhalt ist nur dann verloren, wenn man es verloren gibt“, sagt Amthor da einem besorgten Parteimitglied. „Wir sollten uns nicht leiten lassen von der Angst vor der AfD“, beschwichtigt er ein anderes. Das Dauerlächeln wirkt da schon ziemlich strapaziert. Szenenwechsel. „Ich bin Generalsekretär der größten Volkspartei Europas“, sagt Carsten Linnemann. „Deshalb kämpfe ich hier Tag und Nacht für Zuversicht, für Optimismus, für Nachvornekommen.“ Das klingt in der aktuellen Situation nach Realitätsverlust. Aber Carsten Linnemann ist seit Juli auch nicht mehr Generalsekretär der CDU.
Anm der Red. In einer früheren Version des Textes hieß es, das Andreas Renner im Kampf um das Direktmandat dem AfD-Kandidaten unterlegen sei. Das stimmt nicht, bei den Erststimmen lag die CDU (Renner) vorne, bei den Zweitstimmen allerdings lag die AfD in dem Wahlkreis vorne. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.
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