Warum Stuttgart 21 noch viel teurer werden dürfte, wie Logistikriesen trotz des Irankriegs Kasse machen und wieso auf deutsche Autozulieferer weitere bittere Jahre zukommen – das und mehr erfahren Sie in der neuen Ausgabe von „manage:mobility“.
Liebe Leserin, lieber Leser,
in Deutschlands Autoindustrie grassiert die Abstiegsangst. Einige VW-Granden erfahren gerade am eigenen Leib, wie es sich anfühlt, wenn aus der Angst Realität wird. Der VfL Wolfsburg ist erstmals aus der Fußballbundesliga abgestiegen. Im Aufsichtsrat der „Wölfe“ sitzen mit Oliver Blume (57), Hans Dieter Pötsch (75), Daniela Cavallo (51) und Sebastian Rudolph (49) auch einige der mächtigsten Volkswagen-Köpfe. Die Liga trotz zig VW-Millionen und einem der größten Budgets nicht zu halten, das bietet Stoff für manche „Fuck-up-Session“ auf kommenden Managementkonferenzen.
Weiter südwestlich, in Stuttgart, dürfte die fußballerische Stimmungslage nicht ganz so trostlos sein; dass der VfB das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München verlieren würde, damit musste man rechnen. Gegen ein bisschen Party hätten sie im Ländle aber sicher nichts gehabt. Die stolze einheimische Wirtschaft liefert auch in Stuttgart kaum noch Anlass zum Feiern, ob Mercedes, Porsche, Bosch oder Mahle, überall schlägt der Sparhammer zu. Umso schlimmer, dass sich nicht nur die Stuttgarter Autoindustrie verfahren hat. Die Bahn macht sich mit Deutschlands bizarrstem Bahnhofsprojekt in der Schwaben-Metropole seit Jahren zum Gespött. Und es geht immer noch schlimmer. Neue Tiefpunkte für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 liefert eines unserer Themen der Woche:
Warum Stuttgart 21 noch viel teurer werden dürfte
Wie Logistikriesen trotz des Irankriegs Kasse machen
Wieso auf deutsche Autozulieferer weitere bittere Jahre zukommen
Tiefbau mit Oberlicht: Blick in den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof
Foto:Johannes Simon / SZ Photo / picture alliance
Beim Gedanken an Stuttgart 21 braucht der schwäbische Klischee-Sparfuchs vermutlich seelischen Beistand. 2,5 Milliarden Euro sollte das Projekt einmal kosten, inzwischen sind die Planer bei rund 11,5 Milliarden Euro angekommen – mindestens. In einem vertraulichen Bericht an den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn aus dem März heißt es (mal wieder): „Es ist von deutlichen Mehrkosten auszugehen.“ Der Pannenbahnhof wird nicht nur immer teurer, seine Eröffnung verzögert sich auch immer weiter. Jüngst musste Bahn-Chefin Evelyn Palla (53) eingestehen, dass daraus Ende 2026 nichts wird. In Bahn-Kreisen munkelt man inzwischen von 2030, berichtet mein Kollege Michael Machatschke in seiner Katastrophenbilanz – nicht zuletzt wegen allerlei Mängeln auf der Baustelle .
Diess vs. Diesel: Der Ex-Volkswagen-Chef baut jetzt E-Traktoren
Foto: Ronny Hartmann / AFPHerbert Diess (67) macht jetzt in „LaMas“. Wer nun denkt, dass der ehemalige Volkswagen-Chef nach dem Schnapsbrennen auch in die Tierzucht einsteigt, irrt: Erst einmal will Diess mit elektrischen Landmaschinen durchstarten. Die E-Traktoren der „Diess E-Agrartechnik AG“ sollen bei den Betriebskosten um die Hälfte besser sein als konventionelle Trecker. Diess sagt dem Diesel mal wieder den Kampf an.
Bezahlbare Elektromodelle für die Straße will der Autobauer Stellantis liefern. Vielleicht hat sich Konzernchef Antonio Filosa (52) dabei ja von Renault inspirieren lassen. Die haben mit R4 und R5 zwei ihrer Klassiker aus der Autorente zurückgeholt und elektrisch wiederbelebt. Filosa will das nun bei Citroën mit der legendären Ente versuchen. 1990 liefen die letzten 2CV-Modelle in Portugal vom Band. Die Batterieente soll für weniger als 15.000 Euro daherwatscheln.
Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld (60) kramt auf der Suche nach zukunftsfesten Geschäften weniger in der Vergangenheit. Mit humanoiden Robotern und Rüstungsfantasien bezirzte der Ex-Banker zuletzt bereits die Börse. Künftig gibt der Manager auch den Raumfahrer Rosenfeld. Um unabhängiger vom Auto zu werden, will Schaeffler mit US-Hersteller Spire künftig auch Schwungräder für Satelliten bauen.
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Gute Aussichten: Trotz Irankrieg bestätigte die DHL Group jüngst die Jahresziele und überraschte positiv mit den Quartalszahlen
Foto:Jan Woitas / dpa
Für Logistiker klingen die Verwerfungen, die der Irankrieg nach sich zieht, eigentlich nach einem perfekten Sturm. Explodierende Treibstoffpreise prallen auf geringere Luft- und Seefrachtkapazitäten. Während kleinere Firmen Schlagseite haben, heißt es in der obersten Logistikliga trotzdem: Kasse statt Krise. DHL und Lufthansa Cargo strichen etwa im ersten Quartal fette Gewinne ein. Meine Kollegin Anna Driftschröer hat sich gefragt, wie das sein kann. Eine Antwort darauf ist: Das Geschäftsmodell der Logistikriesen ist darauf ausgelegt, sich ständig an die neue Lage anzupassen. Eine andere: Vielleicht befinden sie sich nur in einem Zwischenhoch – und die wahren Folgen kommen noch .
Nicht aus Kriegsgründen, sondern wegen technischer Fehler mussten zwischen 2019 und November 2020 alle 737-Max-Maschinen des Flugzeugherstellers Boeing am Boden bleiben. Zuvor hatten zwei Abstürze mit entsprechenden Modellen insgesamt 346 Todesopfer gefordert. Für Boeing drohte es noch schlimmer zu kommen: Die polnische Fluglinie LOT wollte vom US-Konzern wegen des Flugverbots Einnahmeausfälle in Höhe von 215 Millionen Euro eintreiben, scheiterte damit aber jetzt vor einem Gericht in Seattle.
Pyrotechnik wird nicht nur in Fußballstadien regelmäßig gezündet, immer öfter qualmt es auch vor den Werkstoren von Autozulieferern. Bosch musste damit zuletzt Erfahrungen machen, mehrfach auch ZF Friedrichshafen. Jüngst standen nun erboste Beschäftigte und Gewerkschafter mit roten Feuerfackeln vor dem Mahle-Werk in Neustadt an der Donau. Der Zulieferer will den Standort in Niederbayern mit rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schließen, die Belegschaft legt die Produktion von Klimaanlagen jetzt mit einem unbefristeten Streik lahm.
Schwere Vorwürfe gegen Motorradhersteller KTM; die Österreicher sollen im großen Stil unzulässige Motorräder auf den Markt gebracht haben. Die Masche: KTM liefert die Maschinen in leistungsbegrenztem Zustand an Händler, die diese dann entdrosseln und an Kunden ausliefern. KTM würde damit Abgas- und Lärmvorschriften umgehen. Das Unternehmen weist die Anschuldigungen „entschieden“ zurück.
Abstiegsangst: Proteste beim Zulieferer Mahle in Neustadt an der Donau
Foto: Sven Hoppe / dpaWer bei Chinas globaler Autoattacke vor allem an BYD, Geely oder Chery denkt, sollte sich besser auch mit Namen wie Hasco, Weichai Power oder Fuyao auseinandersetzen. Nicht nur chinesische Hersteller sind auf dem Vormarsch, auch die Zulieferer aus dem Reich der Mitte machen gewaltig Druck. Mit CATL hat im jährlichen Ranking der 100 größten Autozulieferer der Welt der Beratung Berylls by Alix Partners nun erstmals ein chinesischer Lieferant das Treppchen geentert. Schwer zu knabbern hat daran nicht zuletzt der Standort Deutschland. 20 bis 25 Prozent der automobilen Wertschöpfung hierzulande sind schon futsch, und die Berylls-Experten erwarten weitere drei bis fünf bittere Jahre.
Dänemark gilt als Vorzeige-Radnation. Suchen Städteplaner nach Inspiration für eine fahrradgerechtere Gestaltung, schauen sie gern nach Kopenhagen, „Copenhagenize“ ist in der Szene ein gängiger Begriff. Eine Studie zum Mobilitätsverhalten der Däninnen und Dänen zeugt nun allerdings von Fahrradmüdigkeit, gerade bei jungen Menschen auf dem Land. Stiegen 2020 noch 38 Prozent der 15- bis 19-Jährigen meist aufs Rad, um zur Schule oder zur Arbeit zu kommen, waren es 2025 nur noch 32 Prozent. „Das Fahrrad war bisher das wichtigste Verkehrsmittel junger Menschen, und die aktuelle Abkehr davon könnte weitreichende Folgen für ihre Mobilitätsgewohnheiten im späteren Leben haben“, warnt Studienleiter Jens Høyer-Kruse, „das ist besorgniserregend für die öffentliche Gesundheit.“
Braucht Ferrari göttlichen Beistand? Aufsichtsratschef John Elkann zeigt Papst Leo XIV. den neuen Luce
Foto: Ferrari Press Office / EPAFerrari hat es mal wieder geschafft. Der italienische Mythos stellt sein erstes Elektroauto vor, und die Autobubble eskaliert. Dummerweise aber so ganz anders, als man das im Lager der Roten gewohnt ist. Ferrari wird für den Look des Luce, kreiert von Ex-Apple-Designguru Jony Ive (57), im Netz vermöbelt. Nicht nur von wütenden Petrolheads, bei denen Elektroautos den Blutdruck automatisch auf ungesunde Drehzahlen schnellen lassen. Auch an der Börse machte der Luce die sonst so noble Autoaktie zum Loser. Selbst Ex-Ferrari-Fürst Luca di Montezemolo (78) zeigte sich vor laufender Kamera bestürzt: „Wir riskieren, einen Mythos zu zerstören, und das tut mir sehr leid. Ich hoffe, dass sie zumindest das springende Pferd von diesem Auto entfernen.“ Mamma mia, Maranello!
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Fahren Sie vorsichtig und nicht mit Vollstrom in den nächsten Shitstorm.
Ihr Christoph Seyerlein
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