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Wahl | Linke mit vier Prozentpunkten und einer Armlänge Abstand zur AfD

Дата публикации: 24-08-2026 15:01:10

Vier Spitzenkandidaten und der CDU-Generalsekretär probieren den Wahl-O-Mat zur Berliner Abgeordnetenhauswahl aus.

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Von links: Kristin Brinker (AfD), Lukas Krieger (CDU), Steffen Krach (SPD), Werner Graf (Grüne) und Elif Eralp (Linke) bei der Landeszentrale für politische Bildung

Von links: Kristin Brinker (AfD), Lukas Krieger (CDU), Steffen Krach (SPD), Werner Graf (Grüne) und Elif Eralp (Linke) bei der Landeszentrale für politische Bildung

Foto: dpa/Jens Kalaene

In Berlin sollen mehr Förderschulen für Behinderte eingerichtet werden? Steffen Krach ist dagegen. Der SPD-Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September verdirbt sich mit dieser klaren Haltung eine 100-prozentige Übereinstimmung mit dem Wahlprogramm seiner Partei. Die SPD ist in dieser Frage unentschieden. Krach hätte statt »Ich stimme nicht zu« die Option »neutral« anklicken müssen, als er am Montag den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung zur kommenden Abgeordnetenhauswahl ausprobierte. Dann hätte er die 100 Prozent Übereinstimmung mit der eigenen Partei erzielt, die CDU-Generalsekretär Lukas Krieger genauso erreichte wie auch die anderen Spitzenkandidaten Werner Graf (Grüne), Elif Eralp (Linke) und Kristin Brinker (AfD).

So sind es bei Krach nur 98,5 Prozent. Doch er sagt unverdrossen: »Ich bin damit ganz zufrieden. Man muss nicht immer 100 Prozent übereinstimmen mit der eigenen Partei.«

»Man muss nicht immer 100 Prozent übereinstimmen mit der eigenen Partei.«

Steffen Krach SPD-Spitzenkandidat

Wahl-O-Maten zu Bundestags- und Landtagswahlen bietet die Bundeszentrale für politische Bildung bereits seit 2002 an. Über 160 Millionen Mal wurde schon im Internet darauf zugegriffen. Die Nutzer können aktuell zu 38 Thesen ihre eigene Position bestimmen und gewichten, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen. Der Wahl-O-Mat errechnet dann, welche Partei der eigenen Meinung wie nahekommt.

Der Wahl-O-Mat soll dazu anregen, sich mit Politik zu beschäftigen und zur Wahl zu gehen. Das scheint zu gelingen. Denn nach Angaben von Lea Schrenk von der Bundeszentrale fühlen sich 60 Prozent derjenigen, die eigentlich nicht zur Wahl gehen wollten, dann doch dazu motiviert, wenn sie den Wahl-O-Mat durchgespielt haben. Immerhin zwei von fünf Wählern benutzen den Wahl-O-Mat, erläutert Thomas Gill, der die Berliner Landeszentrale für politische Bildung leitet. Das Angebot richtet sich gerade auch an junge Menschen. »Wer das erste oder zweite Mal wählen geht, ist eigentlich schon für das Wählen gewonnen«, weiß Thomas Gill. Wer es nicht gleich mache, der sei später schwer dafür zu begeistern.

Politikprofis wie die AfD-Spitzenkandidatin Brinker wissen natürlich, was sie anklicken müssen, um eine 100-prozentige Übereinstimmung mit der Linie ihrer Partei zu demonstrieren. Trotzdem habe sie bei Thesen mit doppelter Verneinung »höllisch aufpassen« müssen, um nichts falsch zu machen, gesteht Brinker. Sie gibt auch freimütig zu, dass sie bei einzelnen Thesen persönlich vielleicht eine abweichende Meinung haben könnte, wenn sie noch einmal darüber nachdenke. Aus »Parteiräson« habe sie aber so geklickt, dass am Ende die 100 Prozent standen.

Bezeichnend, aber nicht immer überraschend ist, was es jeweils für Parteien sind, mit denen Brinker und die anderen sonst so einer Meinung sind oder aber überhaupt nicht. Bei Brinker spuckte der Wahl-O-Mat auf Platz zwei hinter der AfD eine 98-prozentige Übereinstimmung mit der Heimat aus, wie sich die neofaschistische NPD seit 2023 nennt. Brinker, die für AfD-Verhältnisse relativ gemäßigt auftritt, verblüfft dieses Ergebnis dann doch. Es folgen bei ihr auf den Plätzen FDP, CDU und BSW, was für Brinker nachvollziehbar ist.

Bei Elif Eralp (Linke) kommen nach der eigenen Partei die Tierschutzpartei und die Hiphop-Partei Die Urbane, dann die Grünen. Bei Werner Graf steht ebenfalls die Tierschutzpartei auf Rang zwei, gefolgt von der Linken. Die Urbane rangiert bei ihm weiter unten. »Ich bin mehr Techno als Hip-Hop«, scherzt Graf mit Blick auf seinen Musikgeschmack. Eralp entgegnet schmunzelnd: »Ich bin mehr Hip-Hop als Techno.«

Aber das wäre kein Hindernis für eine Koalition dieser beiden Parteien. Insgesamt funktioniert es inhaltlich und menschlich ganz gut miteinander.

Bei Steffen Krach (SPD) kommt auf Platz zwei Volt – eine junge liberale Partei, die anders als die FDP ein großes Herz für den Klimaschutz hat. Lukas Krieger von der CDU hat die zweitgrößte Übereinstimmung mit der FDP. Auf dem zweitletzten Platz landet bei ihm Die Linke, die AfD im Mittelfeld. Am liebsten hat Krieger sich zu den Fragen geäußert, die den Unterschied machen. »Also wir wollen nicht enteignen«, sagt er. Große private Wohnungsbestände in der Hauptstadt vergesellschaften, das wollen die Linken und die Grünen. Die AfD will es nicht.

Zur AfD hält Sozialistin Eralp deutlichen Abstand. Als die AfD-Politikerin Brinker am Montag zur Vorstellung des Wahl-O-Maten in die Revaler Straße kommt und allen zur Begrüßung die Hand schüttelt, sagt Eralp nur »Hallo« und verweigert den Handschlag, behält ihre Hände auf dem Rücken. Für Fotos stellt sich Eralp maximal entfernt von Brinker auf. Als sie dann doch an den Laptop neben Brinker muss, um den Wahl-O-Mat durchzuspielen, orientiert sich die 45-Jährige an ihrem Stehtisch weg von Brinker, näher zu der Seite, an der Werner Graf von den Grünen seinen Platz zugewiesen bekommen hat.

Den Kampf gegen rechts finde sie sehr wichtig, sagt Eralp. Sie könnte Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden. In der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa lagen die Sozialisten mit 22 Prozent vorn, gefolgt von CDU und AfD mit je 18 Prozent, Grüne 16 Prozent, SPD 12, BSW 4, FDP 3 Prozent.

https://www.wahl-o-mat.de/berlin2026

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