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SUV-Reifen in Charlottenburg platt: Klima-Gruppe legt 20 Autos lahm

Дата публикации: 19-08-2026 05:41:51

Klima-Aktivisten haben in Berlin-Charlottenburg rund 20 SUVs stillgelegt. Für betroffene Halter können Kosten im dreistelligen Bereich entstehen.

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Ein Zettel unter dem Scheibenwischer, das Auto steht schief auf der Felge: So hat für Autobesitzer in Berlin-Charlottenburg am Mittwochmorgen der Tag begonnen. Zu der Aktion bekennt sich das sogenannte Widerstands-Kollektiv. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch die Luft aus den Reifen von etwa 20 Geländewagen gelassen. Eine Bestätigung der Polizei steht aus.

Was die Gruppe über die Nacht in Charlottenburg sagt

Laut Pressemitteilung drehten die Beteiligten Linsen in die Reifenventile – eine Methode, die Klimagruppen in mehreren Ländern seit Jahren nutzen. An den betroffenen Wagen haben sie nach eigener Darstellung Flyer hinterlassen, auf denen prominent „stillgelegt“ steht.

Mitglieder des Widerstands-Kollektivs haben Luft aus den Reifen von SUVs in Charlottenburg gelassen.

Mitglieder des Widerstands-Kollektivs haben Luft aus den Reifen von SUVs in Charlottenburg gelassen.Widerstands-Kollektiv

Als Anlass nennt das Kollektiv die Hitzewellen der vergangenen Wochen. In der Mitteilung sagt eine beteiligte Person: „Während die Verantwortlichen in der Politik es noch immer nicht hinkriegen, irgendwelche Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen, haben wir uns entschieden, selbst Hand anzulegen und unseren Beitrag zu leisten. SUVs gießen Öl ins Feuer der Klimakatastrophe, deshalb müssen sie stillgelegt werden.“ Zuletzt hat die Gruppe nach eigener Darstellung auf Sylt über 50 Fahrzeuge auf dieselbe Weise stillgelegt.

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„Diese Karre ist zu fett!“ steht auf dem Flyer

Auf dem Flyer, den betroffene Autofahrer an der Windschutzscheibe finden, steht unter anderem: „Diese Karre ist zu fett! Wir haben bei einem oder mehreren Ihrer Reifen die Luft abgelassen. Vielleicht macht Sie das im ersten Moment etwas wütend, aber bitte nehmen Sie es nicht persönlich. Es liegt nicht an Ihnen, sondern an diesem Auto. Wir haben Ihr Auto stillgelegt, weil das Herumfahren in städtischen Gebieten mit solch riesigen Fahrzeugen enorme Folgen für andere hat.“

Auf die betroffenen Fahrer wartet neben platten Reifen ein frecher Flyer.

Auf die betroffenen Fahrer wartet neben platten Reifen ein frecher Flyer.Widerstands-Kollektiv

Weiter erklärt das Kollektiv hier: „Bitte haben Sie Verständnis für diese Maßnahme, die Menschenleben schützt und die Luftqualität im Kiez verbessert. Sie werden hier in der Stadt keinerlei Schwierigkeiten haben, sich ohne Ihre Karre fortzubewegen, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“

Die Selbstdarstellung – und was sie auslässt

Das Widerstands-Kollektiv beschreibt sich als eines der Nachfolgeprojekte der Letzten Generation, gegründet Anfang 2025. Die Gruppe will keinen Druck mehr auf die Politik ausüben, sondern Klimaschutz selbst umsetzen.

Diese Erzählung hat Lücken. Getroffen wird nicht „die Politik“, sondern der Halter des Fahrzeugs – auch der Pflegedienst, der Handwerker oder die Familie, die am Morgen zum Termin muss. Und ein Auto, dessen Reifen ohne Wissen des Fahrers Druck verloren hat, ist im Straßenverkehr ein Risiko, selbst wenn ein Zettel an der Scheibe klebt.

Auch der Klimaeffekt bleibt unbelegt: Ein plattgelegter Wagen ist am nächsten Tag wieder aufgepumpt. Was bleibt, ist Aufmerksamkeit – und ein möglicher Ermittlungsvorgang.

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Was juristisch in Betracht kommt

Das Luftablassen aus Reifen prüfen Strafverfolgungsbehörden regelmäßig als Sachbeschädigung, weil die Nutzbarkeit des Fahrzeugs vorübergehend aufgehoben wird.

Bleiben die Halter auf den Kosten sitzen? Kurz gesagt: sehr wahrscheinlich ja. Ein Schadenersatzanspruch gegen die Verursacher besteht theoretisch – er läuft aber ins Leere, solange niemand ermittelt ist. Ein anonymes Bekennerschreiben ersetzt keinen Beklagten.

Ein Skoda steht mit platten Reifen in Langenhorn auf Sylt nach der letzten Aktion des Kollektivs.

Ein Skoda steht mit platten Reifen in Langenhorn auf Sylt nach der letzten Aktion des Kollektivs.Georg Wendt/dpa

Die Versicherung hilft in den meisten Fällen ebenfalls nicht weiter. Mutwillige Beschädigung durch Dritte ist typischerweise ein Vollkasko-Fall, nicht Teilkasko. Und selbst mit Vollkasko lohnt die Meldung bei kleinen Beträgen selten: Selbstbeteiligung und Rückstufung fressen die Erstattung meist auf.

Sinnvoll bleibt eine Anzeige trotzdem – sie ist Voraussetzung für ein Verfahren und für spätere Ansprüche, falls doch jemand ermittelt wird.

Aufpumpen, Reifendienst, Abschleppen: So teuer wird die Aktion für die Halter

Platte Reifen heißen nicht automatisch Abschleppwagen. In den meisten Fällen genügt ein mobiler Pannen- oder Reifendienst, der vor Ort Luft nachfüllt und das Ventil prüft. Für Mitglieder von Automobilclubs steckt die Pannenhilfe oft im Beitrag, sonst fällt eine Anfahrtspauschale im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich an.

Wer platte Reifen hat, muss den Pannendienst rufen.

Wer platte Reifen hat, muss den Pannendienst rufen.Ralph Peters/Imago

Teuer wird es in zwei Konstellationen. Erstens: Wer mit zu wenig Druck losfährt, beschädigt möglicherweise die Reifenflanke – dann steht ein Neureifen an, bei großen SUV-Formaten schnell ein dreistelliger Betrag pro Rad. Zweitens: Steht das Fahrzeug verkehrsbehindernd, darf es umgesetzt werden. Die Gebühren dafür liegen in Berlin ebenfalls im dreistelligen Bereich.

Praktischer Rat für Betroffene: Erst fotografieren, dann Anzeige erstatten, danach Luft nachfüllen lassen und den Reifendruck nach ein paar Kilometern erneut prüfen.

Wie ist Ihre Meinung zu der Aktion? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.

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