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Wer hat hier einen Schatten?  150.000 Euro Steuergeld für dürftige Hitzeschutz-Bude in Schöneweide

Дата публикации: 19-08-2026 04:00:00

Berliner Steuerzahlerbund rechnet knallhart mit neuem Unsinnsprojekt gegen Hitzewellen in Berlin ab.

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Zwei junge Männer lümmeln auf einer überdachten Bank, es geht ums Kiffen, nicht ums Wetter. So hat der Chef des Berliner Steuerzahlerbundes, Alexander Kraus, die neue „Schatteninsel“ am Kaisersteg in Oberschöneweide erlebt. Sein Urteil über das teure städtische Hitzeschutz-Projekt fällt entsprechend vernichtend aus.

Besuch bei der „Bretterbude“ in Oberschöneweide

Alexander Kraus wollte sich selbst ein Bild vom neusten Hitzeschutzprojekt in Treptow-Köpenick machen und fuhr zur „Schatteninsel“ – einem Ensemble aus Hochbeeten und Schattenmodulen, das das Bezirksamt Treptow-Köpenick im April 2026 feierlich eingeweiht hatte.

Vor Ort traf er auf zwei junge Männer, die es sich auf den Bänken bequem gemacht hatten. Die Anlage komme gut an, erzählen sie ihm, besonders abends seien viele Leute da, um „was zu rauchen“. Als Schattenspender an Hitzetagen fungiert das Ensemble, das an den ebenso heftig kritisierten Cooling Point im Mauerpark erinnert nur bedingt.

Cooling Point im Mauerpark. Kosten: fast 45.000 Euro

Cooling Point im Mauerpark. Kosten: fast 45.000 EuroKate Schultze

Armselige Bretterbude für fast 150.000 Euro

Kraus’ Fazit fällt entsprechend deutlich aus: „Ich finde, dass das eine ganz schön armselige Bretterbretterbude ist. Mit fast 150.000 Euro wird eine halbherzig überdachte Bank gefördert, damit dort gleichzeitig maximal sieben bis acht Personen von den überdurchschnittlich vielen arbeitslosen Transferleistungsempfängern im Bezirk in der Mittagshitze mitten auf diesem riesigen baumlosen gepflasterten Platz sitzen können und keinen Sonnenstich beim Kiffen bekommen? Das ist offenkundig kompletter Blödsinn und ein weiteres Beispiel für arglose Steuergeldverschwendung!“, ärgert sich Kraus.

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Fast 105.000 Euro für Bänke und Beteiligung

Was den Steuerzahlerbund so wurmt, ist vor allem der Preis für den Schattenspender. Wie das Bezirksamt Treptow-Köpenick auf Kraus’ Anfrage mitteilte, sind für das Haushaltsjahr 2025 allein 99.997,50 Euro aus dem Etat der zuständigen Senatsverwaltung für Klimaschutz und Umweltschutz, Mobilität und Verkehr geflossen. Zusammen mit 5000 Euro Eigenanteil des Projektträgers kommen so 104.997,50 Euro zusammen: 56.097,50 Euro davon für Personal, 48.900 Euro für Sachkosten. 

In der Summe steckt nach Angaben des Bezirksamts nicht nur der Bau der Schatteninsel selbst, sondern auch ein monatelanger Beteiligungsprozess im Vorfeld – samt  Auftritten auf Stadtteilfesten, einem Workshop mit einem Modell der Anlage, Genehmigungsverfahren sowie der Suche nach ehrenamtlichen Paten, die sich künftig um das Projekt kümmern sollen. 

Für 2026 hat der Bezirk jedenfalls eine Anschlussfinanzierung gesichert: 48.200 Euro aus einem Fördertopf mit dem Namen FEIN – kurz für Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften – der zum Ressort für Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung gehört.

Damit sollen unter anderem die Koordination der Freiwilligen, Pflege und Wartung der Anlage sowie mögliche bauliche Erweiterungen bezahlt werden. Zählt man beide Förderrunden zusammen, sind damit inzwischen mehr als 153.000 Euro Steuergeld in die Bänke am Kaisersteg geflossen.

Warum ausgerechnet Oberschöneweide?

Begründet wird der Standort in Oberschöneweide mit der besonderen Hitzebelastung im Kiez rund um den Kaisersteg. Im zugrunde liegenden Projektaufruf des Bezirksamts ist von einer besonders „vulnerablen“ Bevölkerung die Rede: Wer auf Transferleistungen angewiesen sei, gelte als überdurchschnittlich anfällig für gesundheitliche Folgen von Sommerhitze. Die Schatteninsel soll deshalb auch zur „gesundheitlichen Chancengleichheit“ im Bezirk beitragen.

Bezirksamt sieht kein Wirtschaftlichkeitsproblem

Vom Steuerzahlerbund nach der haushaltsrechtlich vorgeschriebenen Wirtschaftlichkeitsprüfung gefragt, lieferte das Bezirksamt eine umfassende Stellungnahme. Kernaussage: Der Kiez zähle zu den Gegenden mit höchster Priorität für Hitzeschutz, die Schatteninsel schaffe schnell zusätzliche Verschattung und diene zugleich als Lernprojekt, dessen Erkenntnisse sich auf andere hitzebelastete Orte übertragen ließen. Ausschreibung und Zuwendungsbescheid stellten sicher, dass der Projektträger zu Sparsamkeit verpflichtet sei.

Bis mindestens 2028 – und vielleicht länger

Auch wenn sich über die Sinnhaftigkeit des Projekts streiten lässt, gilt die Sondernutzungserlaubnis für die Schatteninsel auf dem Platz noch bis Anfang Oktober 2028. Weil die Anlage modular aufgebaut ist, könnte sie danach entweder per Verlängerung dort stehen bleiben oder im Bezirk an anderer Stelle weiterverwendet werden.

Nicht die erste – und wohl nicht die letzte Bretterbude

Für den Steuerzahlerbund reiht sich das Projekt in eine fragwürdige Serie ein: Schon der „Cooling Point“ im Mauerpark hatte fast 45.000 Euro gekostet. Wie viele solcher Bretterbuden bräuchte man denn überhaupt in einer Metropole mit bald vier Millionen Einwohnern?“, fragt sich Alexander Kraus. Sein Alternativvorschlag: „Von den 150.000 Euro hätte der Bezirk auch an die 50 Bäume pflanzen können!“

Auch der Cooling Point stand im vergangenen Sommer in der Kritik. Zehntausende Euro wurden hier in einem Park mit Bäumen verwendet, um eine ähnliche Sitzgruppe mit Beeten aufzustellen. Nur kurze Zeit später war das Ensemble durch Vandalismus beschädigt.

Liebe Leser, wie soll Berlin in Hitzeschutz investieren? Für wie sinnvoll halten Sie Projekte wie den Cooling Point oder die Schatteninsel? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com

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