Aktienanlagen sind beliebt wie nie – doch die Sorge vor Kursstürzen ist immer mit im Spiel. Wir haben vier Strategien getestet, mit denen Sie Ihr Depot absichern können.
Niemand weiß, wann ein neuerlicher Crash die Weltbörsen trifft. Und wie lange dann die Erholung dauern würde. Umso wichtiger, das eigene Depot für mögliche Krisen zu rüsten. Wir haben daher vier Stabilisierungsstrategien untersucht. Im Test waren drei bekannte Methoden („Gleitende Durchschnitte“, „Relative Stärke“ und „Volatilitätsbänder“) und eine von uns selbst entwickelte Strategie („Dip-Ausstieg & Crash-Einstieg“). Wir stellen die Strategien ausführlich vor und zeigen, wie sie sich historisch geschlagen haben. Unser Test-Fazit: Mit einigen der Methoden ließ sich das Risiko deutlich reduzieren – und teilweise sogar die Performance des MSCI World übertreffen.
Mit der richtigen Strategie brauchen Sie einen Crash nicht zu fürchten
Thomas Krüger, Finanzanalyst Stiftung Warentest und Entwickler der „Dip-Ausstieg & Crash-Einstieg“-Strategie
Die Stiftung Warentest hat vier verschiedene Stabilisierungsstrategien für Sie untersucht. Die von uns entwickelte Strategie „Dip-Ausstieg & Crash-Einstieg“ und die klassischen Börsenstrategien „Gleitende Durchschnitte“, „Relative Stärke“ und „Volatilitätsbänder“.
Mithilfe unserer Tabellen können Sie anhand von historischen Simulationen und verschiedenen Parametern nachvollziehen, welche Strategie am besten abgeschnitten hat.
Wir aktualisieren jeden Monat die Daten für die einzelnen Strategien. Daher lohnt sich der Abschluss einer Flatrate: So können Sie stets nachvollziehen, wie es gerade läuft – und welche Strategie am besten funktioniert.
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Depot-Absicherungen im Test Mit diesen Strategien können Sie Ihr Depot stabilisieren freischalten
Anlegerinnen und Anleger mit Aktien, Fonds und ETF müssen mit Kursschwankungen rechnen. Das gilt auch für diejenigen, die der Empfehlung der Stiftung Warentest folgen und in global breit gestreute 1.-Wahl-ETF investieren. In der Vergangenheit gab es Einbrüche von bis zu 60 Prozent. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2 000 dauerte es über 13 Jahre, bis sich der Weltindex vollständig erholt hatte. Wer langfristig investiert und diese Risiken aushalten kann, fährt mit Buy-and-Hold meist am besten: den ETF durchgängig halten und alle Schwankungen aussitzen. Trotz mehrerer schwerer Krisen lag die langjährige Durchschnittsrendite des MSCI World bei rund acht Prozent pro Jahr.
Renditechancen bewahren, Risiken reduzierenAber was machen diejenigen, die nicht so viel Risiko eingehen möchten oder können? Die naheliegendste Lösung ist, den Aktienanteil im Depot dauerhaft zu verringern. Wer beispielsweise rund 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Tagesgeld hält, trägt nur ungefähr die Hälfte des Aktienrisikos.
Um herauszufinden, ob es möglich ist, Renditechancen hochzuhalten und trotzdem Risiken zu verringern, haben wir vier Stabilisierungsstrategien analysiert – regelbasierte Vorgehensweisen, die versuchen, systematisch auf Marktbewegungen reagieren.
Alternative für Bequeme: Risikosteuerung mit dem Pantoffel-PortfolioFür alle, die den Aufwand scheuen, der mit den Absicherungsstrategien verbunden ist, bleibt unser bewährtes Pantoffel-Portfolio das Mittel der Wahl. Mit einem Pantoffel-Portfolio steuern Sie die mögliche Falltiefe Ihres Portfolios, indem Sie den Aktienanteil von vornerein niedriger ansetzen, beispielsweise auf 50 Prozent Ihres Depotwertes. Auf Abweichungen von dieser Zielgewichtung im Zeitverlauf reagieren Sie durch antizyklisches Umschichten. Anleger kaufen Aktien nach, wenn der Aktienanteil zu niedrig wird, und verkaufen, wenn er zu stark gestiegen ist. Der Nachteil: Mit geringerer Aktienquote fallen langfristig auch die Renditechancen geringer aus.
Der Testaufwand war enormUnsere Untersuchung zu Absicherungsstrategien hatte es in sich: Der Computer lief wochenlang heiß, Unmengen von historischen Daten waren zu verarbeiten, viele verschiedene Szenarien durchzurechnen. Alles für einen guten Zweck: Die für Sie beste Anlagestrategie für Krisen zu ermitteln.
Statt auf die eigene Bauch-Trefferquote zu bauen, sollten Sie mit überschaubaren, klaren Regeln arbeiten
Thomas Krüger, Finanzanalyst Stiftung Warentest
Im Test: Wir analysieren verschiedene Stabilisierungsstrategien für langfristige Aktienportfolios, die darauf abzielen, große Kursverluste abzufedern, die Wertentwicklung zu glätten und in Krisenphasen Orientierung zu geben. Dazu simulieren wir auf Basis der historischen MSCI-World-Daten ein selbstentwickeltes Regelwerk: die Strategie Dip-Ausstieg & Crash-Einstieg. Zudem drei weit verbreitete Strategien: Gleitende Durchschnitte (MA-Cross), Relative Stärke und Volatilitätsbänder.
Ziel der Analyse ist nicht, perfekte Parameter zu finden oder vergangene Muster einfach in die Zukunft fortzuschreiben, sondern zu prüfen:
Dafür haben wir jede Strategie mit systematisch erzeugten Parameterkombinationen getestet und deren Ergebnisse mit der zugehörigen Benchmark (100 Prozent MSCI World-ETF) verglichen. Zusätzlich untersuchen wir, wie groß der Anteil „erfolgreicher“ Parameter innerhalb einer Strategie ist – also solcher Varianten, die den Benchmark langfristig schlagen oder das Risiko deutlich reduzieren.
Die Strategien investieren entweder in einen simulierten MSCI World-ETF oder in ein simuliertes Tagesgeld.
Den MSCI World-ETF berechnen wir auf Basis der historischen Börsentagsrenditen des MSCI World Total Return Index, also inklusive Dividenden. Wir berechnen die Renditen aus Sicht eines deutschen Anlegers, das heißt bis 1998 in DM, danach in Euro.
In den zuerst veröffentlichten Simulationen mit Stand 30. November 2025 haben wir mit den Brutto-Renditen ohne weiteren Kostenabschlag gerechnet. In den Aktualisierungen der Simulationen danach berücksichtigen wir für die MSCI World-Renditen zusätzlich noch einen jährlichen Renditeabschlag in Höhe von 0,5 Prozent.
Die börsentäglichen Geldmarkt-Renditen berechnen wir auf Basis des Fibor (bis Ende 1998) und des 3-Monats-Euribor (ab 1999). Von den Geldmarktrenditen ziehen wir keine laufende Kosten ab.
Bei jedem Verkauf oder Kauf unterstellen wir Handelskosten in Höhe von 0,25 Prozent des Handelsvolumen.
Mit dieser Strategie versuchen Anleger, größere Kursrückgänge auszunutzen. Sie steigen bei Rücksetzern an der Börse aus, um nach extrem hohen Einbrüchen wieder einzusteigen. Damit vermeiden sie einen großen Teil des Abschwungs und profitieren von der Erholung nach einem Crash. Für den Fall, dass der Markt sich vorzeitig erholt, also ohne stark abzufallen, steigen Anleger ebenfalls wieder ein.
Funktionsweise: Wir verfolgen laufend, ob und wie stark der Aktienmarkt unter einem vorigen Höchststand liegt („Drawdown“).
Es gibt zwei Grenzen:
Mit dieser Strategie wird die Aktienquote abhängig von der Schwankungsintensität des Marktes gesteuert. Hohe Volatilität soll Risiko signalisieren, niedrige Volatilität eine stabilere Marktphase.
Funktionsweise: Aus logarithmierten Tagesrenditen wird eine gleitende historische Volatilität berechnet. Die Strategie arbeitet mit einer Hysterese (untere und obere Schwelle), um unnötige Hin-und-Her-Wechsel zu vermeiden. Ein persistenter Zustand sorgt dafür, dass zwischen Ereignissen das Signal stabil bleibt.
Wir haben die Strategie für zwei rollende Zeitfenster getestet: 20 Tage und 60 Tage. Fokus in dieser Veröffentlichung liegt auf 20 Tage.
Es gibt zwei Schwellwerte:
Diese Trendfolgestrategie setzt darauf, dass Kursbewegungen Trends entwickeln. Das Überkreuzen zweier gleitender Durchschnitte (Englisch: Moving Average, oder kurz MA) gilt als Richtungswechsel.
Funktionsweise: Es werden zwei gleitende Durchschnitte der Wertentwicklungszeitreihe berechnet:
Die Regeln:
Diese Strategie misst die relative Stärke des Aktienmarktes gegenüber dem risikolosen Tagesgeld über ein festes rollierendes Zeitfenster. Für jedes Datum wird berechnet, wie stark der Aktienmarkt im gewählten Zeitraum im Vergleich zum Cash abgeschnitten hat. Wir haben die Strategie für zwei rollierende Zeitfenster (10 Jahre und 5 Jahre) getestet. Fokus dieser Veröffentlichung liegt auf 5 Jahre.
Funktionsweise: Aus dieser rollierenden Outperformance werden zwei Schwellenwerte abgeleitet:
Der Zustand („Kauf“ oder „Verkauf“) bleibt erhalten, bis die Gegen-Schwelle erreicht wird. Im Gegensatz zum „Resetting Cycle“-Ansatz wird das Fenster nicht zurückgesetzt, sondern immer kontinuierlich weitergerollt. Dadurch reagiert die Strategie glatter und ist über lange Aufwärtsphasen stabiler.
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