Bewegung, Natur und Städte im Vorbeiradeln erleben: Wir führen Schritt für Schritt, mit Praxistipps und Checklisten zu Ihrer Abenteuer-Reise mit dem Fahrrad oder E-Bike.
Der Weg ist das Ziel der Radreise. Dieser Weg führt auf dem Ostseeküstenradweg auch auf die Insel Poel. © Westend61 / Werner Dieterich
Bewegung, Natur und Städte im Vorbeiradeln erleben: Wir führen Schritt für Schritt, mit Praxistipps und Checklisten zu Ihrer Abenteuer-Reise mit dem Fahrrad oder E-Bike.
Bevor Sie sich für ein konkretes Reiseziel entscheiden, überlegen Sie, welche Art der Radreise für Sie die beste ist: Möchten Sie eine längere Strecke fahren? Oder lieber eine Rundreise machen? Oder Tagesausflüge? Jede Form hat ihre eigenen Reize.
Streckenradweg: Richtig Strecke machenDer Streckenradweg führt Sie jeden Tag weiter weg von Ihrem Startpunkt. Viele der beliebtesten Fernradwege in Deutschland sind Streckenradwege, die mehrere hundert Kilometer quer durchs Land oder sogar über Grenzen hinweg führen.
In wenigen Tagen lassen sich auf diesen Wegen schon unterschiedliche Regionen, Naturformen und Städte erleben. Oft führen Streckenradwege entlang von Flüssen oder Kanälen.
Wer viel Zeit hat, kann den gesamten Radweg fahren. Üblich ist es aber, sich einen Abschnitt herauszupicken, der interessante Zwischenstopps ermöglicht und dessen Start- und Zielpunkt gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.
Weil bei dieser Form der Radreise zwischen Start und Ziel meist sehr viele Kilometer liegen, ist eine An- und Abreise mit der Bahn oder dem Fernbus sinnvoll. Planerisch machen Streckenradwege deshalb den größten Aufwand: Die An- und Abreise müssen organisiert, Etappen festgelegt, Unterkünfte gefunden und gebucht werden.
Rundweg: Eine große Runde radelnStart und Ziel sind hier identisch. Ausgewiesene Rundwege führen oft durch eine bestimmte Region oder haben thematische Schwerpunkte.
Rundwege in Deutschland sind beispielsweise der Müritz-Radweg (90 Kilometer, Mecklenburg-Vorpommern), der Mauerradweg rund um Berlin (160 Kilometer) oder der Kocher-Jagst-Radweg in Baden-Württemberg (330 Kilometer). Der Bodensee-Radweg (260 Kilometer) führt Radelnde auch durch Österreich und die Schweiz.
Für die Etappen der Rundtouren müssen zwar auch unterschiedliche Unterkünfte gebucht werden. Anders als beim Streckenradweg sind die An- und Abreise mit dem Auto und einem Fahrradträger aber problemlos möglich, da das Ziel ja identisch mit dem Start ist. Vorab sollten Sie nur klären, ob, wo und zu welchen Kosten Ihr Wagen während Ihrer Radreise stehen kann.
Sternradtour: Jeden Tag aufs NeueDen geringsten Planungsaufwand macht eine Sternradtour, auch Standorttour genannt. Von einem festen Ort aus unternehmen Sie Tagesausflüge mit dem Fahrrad und kehren abends zum Ausgangspunkt, in Ihre Basis-Unterkunft, zurück.
So brauchen Sie lediglich diese eine Unterkunft zu buchen, können mit vergleichsweise leichtem Gepäck radeln, und auch die An- und Abreise mit dem Pkw plus Fahrradträger ist möglich. Außerdem sind Sie nicht gezwungen, sich bei schlechtem Wetter auf den Sattel zu schwingen.
Verglichen mit den anderen Formen der Radreise hat die Sternradtour aber weniger Abenteuercharakter. Entscheiden Sie sich für diese Variante, sollten Sie eine Region ansteuern, in der Sie vielseitige Touren unternehmen und verschiedene Ziele ansteuern können.
Beispiele für solche Regionen sind das Allgäu, Franken, München mit den umliegenden Seen, die mecklenburgische Seenplatte, das Münsterland oder auch das Ruhrgebiet mit seinen vielen Industriedenkmälern als Tagesetappen.
Buchtipp: Radreisen mit dem E-Bike
In unserem neuen Handbuch Radreisen mit dem E-Bike finden Sie auf 224 Seiten unter anderem die wichtigsten Infos zu Vorbereitung, Ausrüstung und Routenplanung sowie Inspiration für die schönsten Reiseziele, Regionen und Touren in Deutschland und Europa.
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Ausgewiesene Fernradwege führen Radreisende oft über landschaftlich schöne Strecken, abseits großer Straßen. © Getty Images
Wer eine Radreise plant, kommt am Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) kaum vorbei. Er liefert Empfehlungen zu Routen und Regionen, die für Fahrradreisende besonders geeignet sind. Auf der Suche nach einem Ziel kann beispielsweise der Routenfinder des ADFC helfen oder das kostenlose E-Paper Deutschland per Rad entdecken, das insgesamt 165 Routen vorstellt.
Außerdem vergibt der ADFC das Siegel „Qualitätsradroute“. Diese Strecken sind gut ausgebaut, durchgehend beschildert und bieten ausreichend Rastplätze und Unterkünfte. Insgesamt gibt es 48 zertifizierte Routen. Neu hinzugekommen sind 2024 die Artland-Rad-Tour (drei von fünf Sternen) im Osnabrücker Land und der Mosel-Radweg (vier Sterne).
Die beliebtesten Fernradwege DeutschlandsDer ADFC klassifiziert jedes Jahr Fernradwege, und unter den Top-Platzierten finden sich stets viele Flussradwege. Sie sind aus mehreren Gründen besonders beliebt: An den Ufern reihen sich interessante Städte und Sehenswürdigkeiten, die Wege sind meist gut beschildert, das Navigieren entlang des Flusses fällt ohnehin leicht.
Oft fahren auch Bahnlinien parallel zu den Flüssen, sodass im Notfall oder bei Mistwetter auch mal eine Etappe mit dem Zug zurückgelegt werden kann. Außerdem sind – von den Quellregionen abgesehen – selten große Höhenunterschiede zu überwinden. Das alles macht Flussradwege auch zu einer guten Wahl für Radreise-Neulinge.
Im Folgenden listen wir die fünf beliebtesten Fernradwege in Deutschland 2025, die der ADFC in seiner Radreiseanalyse ermittelt hat. Aber keine Angst, wenn Sie die Kilometeranzahl sehen. Sie müssen die Wege selbstverständlich nicht komplett fahren, sondern können einen Abschnitt wählen, der zu Ihrer Reisedauer passt, gut erreichbar ist und auf dem für Sie spannende Zwischenziele liegen.
Radfahren kann man fast überall, aber es ist empfehlenswert, nach speziellen Radreiseregionen zu suchen. Sie sind auf Rad-Touristen eingestellt, bieten beispielsweise gebündelte Informationen zu Touren und Unterkünften, eine einheitliche Beschilderung und andere Service-Leistungen.
Auch die beliebtesten Radregionen fragt der ADFC in seiner Radreiseanalyse ab. Das waren 2025 die fünf beliebtesten Regionen:
Radreisende aus Deutschland sind vor allem im Inland unterwegs. Außerhalb Deutschland sind vor allem in Italien, Österreich, Frankreich, die Niederlande und die Schweiz beliebte Ziele.
EuroVelo ist ein Fernradwege-Netz, das quer durch Europa vom Nordkap bis nach Sizilien aufgespannt ist. Insgesamt werden 19 Routen beschrieben, darunter die Atlantic Coast Route, die allein 11 150 Kilometer lang ist und vom Nordkap bis nach Portugal führt. Oft führen die EuroVelo-Routen über nationale Fernradwege. Auf EuroVelo gibt eine digitale Karte einen Überblick über alle Routen. Sie zeigt auch, welche Streckenabschnitte bereits angelegt und zertifiziert sind und welche sich in Bau oder Planung befinden.
So abenteuerlich eine Auslandsreise mit dem Fahrrad ist: Für weiter entfernte Reiseziele ist die An- und Abreise oft nicht unkompliziert. Das liegt unter anderem daran, dass die Deutsche Bahn die Onlinebuchung von Fahrrad-Tickets ins Ausland immer noch nicht ermöglicht (Stand: März 2026). Das geht weiterhin nur im DB Reisezentrum oder telefonisch.
Eine Auslandsreise empfiehlt sich also nicht unbedingt für Unerfahrene oder Familien mit kleinen Kindern, die ein großes Maß an Planungssicherheit brauchen.
Richtung der Fahrradtour festlegenWenn das Ziel der Reise steht, bleibt zumindest für Streckenradwege noch die Frage: In welche Richtung fahren wir: von A nach B oder umgekehrt? Um die Antwort zu finden, achten Sie auf folgende drei Punkte:
Sobald das Ziel für die Radreise klar ist, stehen weitere Planungsschritte und Entscheidungen an. Zu früh kann man damit eigentlich gar nicht anfangen.
An- und Abreise organisierenDa sich Start und Ziel bei Radurlauben oft unterscheiden, bietet sich die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Laut ADFC-Radreiseanalyse 2023 nutzen rund 40 Prozent der Radreisenden diese Variante. Die Stellplätze im Fernverkehr sind aber leider oft Mangelware. Wir empfehlen deshalb, sich um die An- und Abreise mit dem Rad frühzeitig zu kümmern.
Um in den Tritt zu kommen, empfehlen wir, Ihre Tour mit zwei einfacheren Etappen starten. Radreise-Neulingen empfehlen wir, Tagesetappen mit im Durchschnitt 50 bis 60 Kilometern zu planen. Wer fit und erfahren ist, kann in der Regel gut einschätzen, wie viele Kilometer am Tag machbar sind.
Davon abgesehen sollten Sie bei der Planung von Etappenlängen aber unbedingt auch Folgendes beachten:
Wenn die Etappen stehen, können Sie sich um die Übernachtungen kümmern. Ansprechpartner sind die örtlichen Tourismusbehörden, die oft auch weitere Informationen für Radreisende ausgeben. Empfehlenswerte Unterkünfte für Radreisende listet zudem die ADFC-Seite Bett&Bike auf. Wenn Sie eine Unterkunft buchen (müssen), die nicht speziell für Radreisende ausgeschrieben ist, sollten Sie vorab immer klären, ob die Räder über Nacht gut gesichert stehen können.
Zudem empfiehlt es sich, Unterkünfte zu wählen, die zur Not auch per Bahn erreicht werden können: für den Fall, dass die Beine mal schlappmachen oder die Tagesetappe witterungsbedingt vorzeitig endet.
Radwanderer mit Zelt verzichten auf Komfort, können ihre Etappen dafür aber flexibler gestalten und übernachten oft preisgünstiger. Auch eine Reservierung ist oftmals nicht erforderlich, weil für Radreisende mit Zelt in der Regel immer irgendwo eine Ecke frei ist.
Besonderheiten bei der Radreise-Planung für E-BikesInteressant sind E-Bike-Reisen insbesondere dort, wo das Radeln mit einem normalen Fahrrad anstrengend wird, etwa in Mittelgebirgsregionen und den Alpen. Bei der Planung eines Fahrradurlaubs mit E-Bikes sollten Sie zusätzlich beachten:
So voll gepackt sind Fahrräder nur für sehr lange Touren oder Reisen mit Zelt. Ganz ohne Gepäck geht es aber nie. © Getty Images
Je weniger Gepäck, desto mehr Radelspaß. Oft ist die Radreise aber sogar Anlass, sich Fahrrad- oder Campingequipment zuzulegen. Denn es gibt ein paar Dinge, auf die Radreisende unterwegs nicht verzichten können. Das sind unter anderem:
Buchtipp: Fahrradreparatur leicht gemacht
In unserem Buch Fahrradreparaturen(Gedruckte Ausgabe 29,90 Euro, E-Book 24,99 Euro) finden Sie auf 368 Seiten viele bebilderte Reparaturanleitungen, auch für E-Bikes und Lastenräder.
Kompakter und praktisch für die Radreise ist das digitale Buch Fahrradreparaturen für unterwegs (3,99 Euro). Auf 40 PDF-Seiten geben wir Ihnen die wichtigsten Tipps für Pannen und Platten an die Hand.
Beide Bücher sind für 3,99 Euro und 29,90 Euro in unserem Online-Shop erhältlich.
Auch wenn der Platz in den Fahrradtaschen begrenzt ist: Eine gut sortierte Reiseapotheke gehört hinein. Das gilt besonders dann, wenn der Weg durch ländliche Gegenden führt, in denen Apotheken nicht an jeder Ecke zu finden sind. Für die häufigsten Beschwerden, die unterwegs auftreten können, geben die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest folgende Empfehlungen:
Taschen vollstopfen: kann jeder, ist aber ungünstig. So zu packen hingegen, dass alles Wichtige unterwegs unproblematisch wieder hervorgeholt werden kann, ist Gold wert. Darauf sollten Sie achten:
Kurz vor der Reise checken Sie Ihr Fahrrad gründlich durch: Haben die Reifen noch genug Profil, sind die Bremsbeläge fit, funktioniert die Beleuchtung, ist die Schaltung richtig eingestellt? Falls Sie nicht selbst schrauben wollen oder können, nutzen Sie den Service-Check im Radladen. Was Sie vor der Reise warten sollten, welche Dinge Sie selbst reparieren können und was Sie besser Fachleuten überlassen, lesen Sie in unserem Special zur Wartung und Reparatur von Fahrrädern.
Außerdem sollten Sie sich vor der Tour um Folgendes kümmern:
Manche Touren führen Radler durch Gegenden, in denen der nächste Fahrradladen fern oder am Wochenende geschlossen ist. Auf Pannen sollten sich technisch nicht ganz so fitte Radreisende vorbereiten.
Wichtig für die Gesundheit unterwegs: Pausen zum Trinken und Erholen. Dabei lässt sich die Umgebung genießen. © Getty Images
Bevor sie in den Radfahrtag starten, sollten Sie prüfen, ob die Strecke auch wie geplant befahrbar ist. Örtliche Tourismusverbände oder die Websites der Radwege oder Regionen informieren über Sperrungen. Bei Flussradwegen können etwa Deichbaumaßnahmen große Umwege bedeuten. Müssen Sie unterwegs beispielsweise eine Fähre nutzen, sollten sie sich beim Betreiber über die Betriebszeiten informieren. Checken Sie außerdem auch den Wetterbericht, um Ihre Tagesetappe entsprechend anzupassen.
Schmerzen und Gesundheitsproblemen vorbeugenGrundsätzlich kann ein Fahrradurlaub eine Wohltat für die eigene Gesundheit sein. Denn Radreisende verbringen lange Zeit an der frischen Luft – bei moderater bis sportlicher Aktivität. Damit die Tour nicht zu Lasten des Körpers geht, können Sie unterwegs auf diese Dinge achten:
Laut ADFC waren im Jahr 2025 rund 51 Prozent der Radreisenden mit einem Elektrofahrrad unterwegs. Bei der Planung einer Reise auf eigene Faust müssen Radfahrer grundsätzlich keine großen Unterschiede zwischen einem Pedelec und normalem Fahrrad machen. Unterwegs sollten Sie aber stets den Akku im Blick haben.
Überraschend: Laut ADFC-Radreiseanalyse fuhren Reisende im Jahr 2025 mit dem E-Bike im Durchschnitt sogar etwas weniger Tageskilometer als Reisende mit unmotorisierten Fahrrädern.
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