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China will keine dummen Autos mehr – Deutschland baut sie aber

Дата публикации: 16-08-2026 06:16:00

Chinas Automarkt verliert 20 Prozent, doch E-Autos und Exporte steigen. Warum deutsche Marken abstürzen und Tesla trotzdem die Nummer 1 bleibt.

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China streicht Subventionen und sortiert den Automarkt neu. Während E-Autos und Exporte boomen, brechen deutsche Marken ein. Das Problem: Die Autos sind schlicht zu dumm.

Der größte Automarkt der Welt bricht ein. Im 1. Halbjahr wurden 20 Prozent weniger Autos verkauft.

Bei uns in Deutschland klingt das oft so: Die Blase ist geplatzt. China hat sie jahrelang mit Subventionen aufgeblasen. Jetzt ist das Geld weg. Und alles fällt in sich zusammen.

Gleichzeitig war Chinas Autoindustrie aber auch nie stärker als heute: Rekord beim Export, Rekord beim Marktanteil im eigenen Land, Rekord beim E-Auto-Anteil.

Wie passt das zusammen?

Heute schauen wir uns an, was da wirklich los ist. Wo Chinas Automarkt im Sommer 2026 steht. Und was an den Meldungen dran ist:

  • Warum der Einbruch kein Zufall ist
  • Warum die Deutschen im Wachstumsmarkt fast nicht vorkommen (weil die Chinesen keinen dummen Autos mehr kaufen)
  • Und warum das meistverkaufte Auto Chinas keine chinesische Marke ist

Philipp Raasch (10 Jahre Mercedes) analysiert jeden Sonntag, warum deutsche Autobauer gegen Tesla und China den Anschluss verlieren – sein Newsletter Der Autopreneur erreicht 45.000+ Abonnenten, hier kostenlos abonnieren. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Chinas Automarkt verliert 20 Prozent in sechs Monaten

Das erste Halbjahr 2026 (Verkäufe an Endkunden):

  • 8,75 Millionen verkaufte Autos. 20 Prozent weniger als im Vorjahr

So sah der Juni aus:

  • -21 Prozent im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der neunte Monat in Folge mit einem Minus
  • +9 Prozent im Juni gegenüber Mai
  • 1,04 Millionen verkaufte NEVs im Juni (-7 Prozent). NEV heißt: E-Auto oder Plug-in-Hybrid
  • 62,8 Prozent der verkauften Autos im Juni waren NEVs. Der dritte Monat in Folge über 60 Prozent.

Also: Ein Fünftel der Verkäufe ist weg. In einem Jahr.

Klingt dramatisch. Dahinter stecken zwei Dinge:

  1. Das eine vergessen wir manchmal. China steckt immer noch in einer Wirtschaftskrise. Und zwar seit 2021 die Immobilienblase geplatzt ist (Stichwort Evergrande). Immer noch findet fast jeder sechste junge Chinese keinen Job. Wer Angst um seinen Job hat, kauft sich kein neues Auto und spart lieber. Zur Einordnung: Ein durchschnittliches Gehalt in Chinas Städten liegt bei rund 6000 Yuan im Monat. Umgerechnet etwa 700 Euro.
  2. Das andere ist der akute Auslöser. Ende 2025 hat China die Förderung für den Autokauf zurückgefahren. Ein Beispiel: E-Auto-Käufer waren über 10 Jahre von der Kaufsteuer befreit. Seit Anfang 2026 zahlen sie 5 Prozent. Wer sowieso ein Auto wollte, hat schnell noch 2025 gekauft. Diese Käufe fehlen jetzt.

Aber: Der Staat hat dieses Geld nicht aus Versehen gestrichen. Dahinter steckt das Industrie-Playbook der Chinesen, über das wir hier ja oft sprechen:

  1. Der Staat pumpt Subventionen in einen Markt
  2. Es entsteht ein Überangebot mit viel zu vielen Herstellern
  3. Der Staat fährt die Förderung zurück
  4. Der Markt sortiert die Schwachen aus

Und es gibt viel auszusortieren. China zählt noch 129 E-Auto-Marken. AlixPartners rechnet damit, dass 2030 nur noch rund 15 davon Geld verdienen.

Der Einbruch ist also zum Teil Absicht. Der Tiefpunkt war im Februar. Seither erholt sich der Markt von Monat zu Monat.

Aber da ist noch was: Der Markt ist nicht gleichmäßig eingebrochen.

China hat zwei Automärkte

Wir schauen auf die Antriebe: Verbrenner sind deutlich stärker eingebrochen als NEVs. Und damit kippt der ganze Markt Richtung E-Auto.

Letztens hab ich gelesen: „E-Autos haben in China zum ersten Mal Verbrenner überholt.“

Ich war kurz irritiert. Ist das nicht schon passiert?

Die Auflösung:

  • NEVs haben Verbrenner schon 2024 überholt
  • Reine E-Autos (BEV) haben das erst im April 2026 geschafft. Zum ersten Mal wurden mehr reine E-Autos als Verbrenner verkauft
  • Plug-in-Hybride erklären den scheinbaren Widerspruch: Reine E-Autos und reine Verbrenner liegen jeder für sich noch unter 40 Prozent. Alle NEVs zusammen kommen auf 63 Prozent.

Also: Die Förderung wird runtergefahren. Und trotzdem steigt der E-Auto-Anteil. Der Umstieg zum E-Auto trägt sich inzwischen selbst.

Was man dabei verstehen muss: Verbrenner und E-Auto sind in China nicht nur zwei Antriebe. Es sind zwei getrennte Märkte, mit unterschiedlichen Playern:

  1. Der Verbrenner-Markt: Hier sind die ausländischen Marken zu Hause: VW und Toyota kämpfen um einen Kuchen, der jedes Jahr kleiner wird
  2. Der NEV-Markt: Inzwischen der Größere. Und fest in chinesischer Hand

Auf den ersten Blick unterscheidet die beiden Märkte nur der Antrieb. Tatsächlich ist es was anderes: Was ein NEV in China ausmacht, sind Software und KI. Die Chinesen nennen das: Smart Car.

Deshalb geht es in China nicht mehr um Verbrenner gegen E-Auto. Sondern um dummes gegen smartes Auto.

Wie getrennt beide Welten sind, sieht man an den Bestsellern. Nur drei Konzerne stehen gleichzeitig in den Verbrenner-Top-10 und den NEV-Top-10: Geely, SAIC und Chang'an. Alle 3 chinesisch. Keine einzige ausländische Marke schafft beide Listen.

Im NEV-Markt kommt Deutschland nicht vor

Für die Deutschen ist das doppelt bitter. Der NEV-Markt wächst. Aber dort kommen sie praktisch nicht vor.

Und selbst im schrumpfenden Verbrenner-Markt verlieren sie: Letztes Jahr stand Mercedes noch in den Top-10. Aktuell nicht mehr. VW ist dort zwar noch die Nummer 1. Nur ist das eben der Markt, der schrumpft. Den Sprung in den wachsenden Markt hat bisher keine deutsche Marke geschafft.

Zurück zum Gesamtmarkt. Eine Zahl passt nicht ins Bild: Die Verkäufe an Chinas Endkunden sind von Januar bis Mai um gut 20 Prozent gefallen. Chinas Fabriken haben im selben Zeitraum aber nur 4,2 Prozent weniger Autos gebaut.

Irgendwer kauft diese Autos. Nur nicht die Chinesen. Wohin gehen diese Autos also?

Jedes dritte Auto aus China geht ins Ausland

Die Antwort: der Rest der Welt. Die Export-Zahlen von Januar bis Mai:

  • 4 Millionen exportierte Fahrzeuge (+63 Prozent)
  • 930.000 davon im Mai. Mehr als je zuvor in einem Monat
  • 35,4 Prozent aller Auslieferungen gehen inzwischen ins Ausland. Der zweite Monat in Folge über 35 Prozent
  • 45 Prozent der Exporte sind NEVs (2021: 15 Prozent)

Der größte Auto-Exporteur Chinas ist Chery. Nicht BYD, wie oft angenommen.

Der Vergleich mit 2024 zeigt, wie schnell diese Verschiebung läuft: Der heimische Verbrenner-Markt ist von 5,8 auf 4,2 Millionen Fahrzeuge geschrumpft (Januar bis Mai, 2024 vs. 2026). Mehr als ein Viertel weg. In nur zwei Jahren. Die NEV-Exporte sind im selben Zeitraum mehr als dreimal so hoch.

Im Klartext: Chinas Autoindustrie hat ihren Wachstumsmotor ausgetauscht. Von Verkäufen im Inland zu Export. Genau deshalb steckt sie den Einbruch zuhause weg.

Die wichtigsten Zielmärkte (Januar bis Mai):

  • Brasilien ist mit 295.000 Fahrzeugen (+215 Prozent) neues Top-Ziel und überholt Russland
  • Algerien mit +380 Prozent
  • Europa kauft trotz EU-Zöllen: Belgien, Italien und Spanien vorne dabei. UK hat keine Zölle und steht auf Platz drei
  • Nur Mexiko bricht um 37 Prozent ein. Das Land war lange Chinas Hintertür in den US-Markt. Auf Druck der USA hat Mexiko die Zölle auf chinesische Autos auf 50 Prozent erhöht. Die Tür ist also erstmal zu.

Der Einbruch zuhause bremst Chinas Hersteller also nicht. Er treibt sie ins Ausland.

Bleibt die Frage: Wie schlagen sich die ausländischen Marken in China?

Nur die US-Marken wachsen noch

Die ehrliche Antwort: schlecht. Vor sechs Jahren haben chinesische Marken gut ein Drittel ihres eigenen Markts gehalten. Die ausländischen Marken fast zwei Drittel. Heute ist es umgekehrt: 71 Prozent sind in chinesischer Hand.

Im Detail, nach Herkunft der Marken (Auslieferungen Januar bis Mai, gegenüber Vorjahr):

  • US-Marken: +13,2 Prozent
  • Chinesische Marken: -3,2 Prozent
  • Japanische Marken: -14,1 Prozent
  • Deutsche Marken: -24,9 Prozent

Zur Einordnung: Das sind Auslieferungen ab Werk, inklusive Export.

Die Deutschen verlieren am stärksten. Die US-Marken wachsen mitten im Crash.

Das Wachstum der US-Marken liegt vor allem an Tesla

In Deutschland hören wir oft: Die Chinesen kaufen einfach keine ausländischen Autos mehr. Weil der Staat das eben so will.

Das ist die bequeme Erklärung. Der Haken: Sie stimmt nicht.

Das Model Y war im Juni das meistverkaufte Auto Chinas. Nicht das meistverkaufte E-Auto. Das meistverkaufte Auto über alle Antriebe. Und das als teuerstes Auto der ganzen Top 10.

Die Chinesen kaufen also sehr wohl ausländische Autos. Solange das Produkt stimmt.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Tesla steht selbst unter Druck. Bei den Verkäufen an chinesische Kunden liegt Tesla übers Jahr im Minus. Vor allem Xiaomi nimmt ihnen Kunden weg. Das Wachstum kommt vor allem vom Export aus dem Werk in Shanghai. Rund die Hälfte der Autos von dort geht ins Ausland.

Trotzdem: Keine andere ausländische Marke hat ein E-Auto, das die Chinesen wirklich wollen.

So viel zu den einzelnen Modellen. Wer führt den Gesamtmarkt an? Die Top 3 über alle Antriebe:

  1. Geely
  2. VW
  3. BYD

Jahrelang war VW die Nummer 1. Jetzt liegt Geely vorn. BYD hatte VW zwischenzeitlich sogar überholt. Aktuell ist BYD wieder auf Platz 3, hinter VW.

Dass VW wieder vor BYD steht, sagt wenig über die Stärke von VW. Sondern mehr über die Schwäche von BYD. Die wurden von den gestrichenen Subventionen am härtesten getroffen. Denn BYD baut keine reinen Verbrenner, nur E-Autos und Plug-in-Hybride. Der Förder-Stopp trifft also ihr ganzes Geschäft. In China hat BYD im 1. Halbjahr rund 40 Prozent verloren. Aufgefangen hat das nur der Export: Im Ausland sind die Verkäufe um über 70 Prozent gewachsen. Für BYD ist es das 1. Halbjahr mit Minus seit sechs Jahren.

Die Deutschen verkaufen das falsche Auto

Das Problem der Deutschen ist strukturell. Sie verkaufen fast nur Verbrenner. Bei reinen E-Autos halten sie zusammen nur rund 1,6 Prozent.

Dabei haben ihre E-Autos bei den Basics aufgeholt: Reichweite und Ladezeiten sind inzwischen konkurrenzfähig. Die Achillesferse ist das, was in China ein Auto smart macht: Software und KI. Genau da kommen die deutschen E-Autos nicht mit.

Die Deutschen bauen mittlerweile gute E-Autos. Aber für chinesische Kunden sind es dumme Autos. Und China kauft keine dummen Autos mehr.

Das Ergebnis: Es geht bergab. Und es wird gerade schneller, nicht langsamer.

Mercedes und VW haben jüngst ihre Halbjahreszahlen vorgelegt. Und beide zeigen: In China wird das Minus immer größer. Mercedes: 2025 insgesamt minus 19 Prozent, Q1 2026 minus 27 Prozent, Q2 minus 30 Prozent. Bei VW sogar minus 36,6 Prozent allein in Q2. Mehr als ein Drittel weg.

BMW hält sich beim Absatz noch am besten. Aber auch dort kippt es: Vor ein paar Wochen gab es eine Gewinnwarnung, vor allem wegen China.

Die Zahlen von BMW und Audi stehen noch aus. Aktuell deutet nichts darauf hin, dass der Abwärtstrend stoppt.

Mein Take

Für mich ist die spannendste Erkenntnis hier das Model Y.

Denn dieses eine Auto zerlegt zwei Mythen, die wir uns in Deutschland gerade erzählen:

  1. Die Chinesen kaufen keine ausländischen Autos mehr Angeblich, weil der Staat das so will. Nur ist das meistverkaufte Auto Chinas ein Tesla. Und das, trotz aller Konflikte zwischen China und den USA. Der Mythos ist damit eigentlich erledigt. Er hält sich trotzdem. Weil er so bequem ist. Er schiebt die Schuld weg vom Produkt, hin zur Politik. Dann müssen wir nichts ändern.
  2. In China for China In Deutschland erzählen wir uns seit Jahren: Autos für chinesische Kunden lassen sich nur noch in China entwickeln. Auch das widerlegt Tesla. Die entwickeln in Kalifornien. Und sind damit in China die Nummer 1. Es liegt also auch nicht am Ort. Es liegt wirklich am Produkt.
    Die eigentliche Frage ist also: Warum können wir in Deutschland kein gutes Produkt mehr entwickeln? Weil wir seit 15 Jahren an einer Sache scheitern. An dem, was wir digitale Transformation nennen. Aus einer Maschinenbau-Organisation eine Software-Organisation zu machen.
    Ein Smart Car ist vor allem ein Software-Produkt. Und das entwickelst du nur mit einer Software-Organisation. Die haben wir nicht.
Warum bekommt Deutschland kein smartes E-Auto hin?

Und warum bekommen wir die nicht hin? Auch das liegt an uns selbst.

Wir versuchen den Umbau ausgerechnet mit den Leuten, die ihre Karriere im alten System gemacht haben. Die sitzen heute an den Entscheider-Positionen der Konzerne.

Für sie wäre eine echte Software-Organisation natürlich eine Bedrohung. Denn sie bedeutet Macht- und Kompetenzverlust.

Nochmal langsam: Die größte Transformation der deutschen Autoindustrie ist die Software-Transformation.

Und umsetzen soll sie ein riesiger Apparat aus Maschinenbauern, Controllern und BWLern.

Ich muss da immer an einen Satz von Michael Fait denken. Der war mal bei mir im Podcast. Und hat diesen Satz gesagt: „You don't even know what good looks like.“

Ich kann diesen Satz irgendwie nicht vergessen. Weil er unser Problem so gut auf den Punkt bringt.

Wir sollen ein Produkt bauen, das im Kern Software ist. Mit Leuten, die Software nie wirklich verstanden haben.

Weil sie einfach aus einer ganz anderen Welt kommen, anders sozialisiert sind.

Und wenn ich nicht mal so 100-prozentig verstehe, was ein gutes Software-Produkt ist. Oder was eine gute Software-Organisation ausmacht.

Wie soll ich die dann bitte aufbauen?

Wie soll ich die richtigen Entscheidungen treffen?

Genau das ist unser größtes Problem in der deutschen Autoindustrie.

Wir haben Maschinenbau-Unternehmen, die zu Software-Unternehmen werden müssten. Und eine ganze Generation an Maschinenbauern, die sich daran die Zähne ausbeißen.

Und trotzdem: Tesla ist für mich ein Hoffnungsschimmer.

Die zeigen, dass es nicht an irgendwelchen Rahmenbedingungen oder der Politik liegt. Es liegt einfach nur am Produkt.

Ein gutes Produkt verkauft sich in China. Egal woher es kommt.

Wir haben es also komplett selbst in der Hand.

Die Chinesen kaufen weiterhin Autos. Nur eben keine dummen Autos mehr.

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