In den Nullerjahren waren Billy Talent eine der erfolgreichsten Rockbands - auch dank deutscher Fans. Ihr meistverkauftes Album haben die Kanadier vor 20 Jahren veröffentlicht und das am Dienstagabend mit einer kleinen Show im Columbia Theater gefeiert.
Konzert Billy Talent im Columbiatheater Millennial-Hymnen ohne rührselige Nostalgie
Von Bruno Dietel
Schon vor Konzertbeginn herrscht im Berliner Columbia Theater eine andere Klimazone aus Schweiß, Bier und stehender Hitze. In diese Atmosphäre knallen Billy Talent ihren ersten Song. Es ist mit "Devil In A Midnight Mass" gleichzeitig der gewaltige Opener ihrer erfolgreichsten Platte "Billy Talent II" von 2006. Wenige Sekunden sind nach dem Eingangsschrei von Sänger Benjamin Kowalewicz vergangen, da verwandelt sich der Saal in einen einzigen grölenden Haufen.
Kommende Woche Dienstag (23. Juni) feiert das zweite Billy-Talent-Album zwanzigjährigen Geburtstag. "Billy Talent II" ist gleichzeitig ihre meistverkaufte Platte mit Hits wie "Red Flag" oder "Surrender", am erfolgreichsten war sie neben ihrer Heimat Kanada in Deutschland. Wenige Tage nach Veröffentlichung haben sie 2006 auf dem Hurricane-Festival bei Bremen gespielt, ein legendärer Auftritt für Band und Fans.
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Kleiner Klub zum großen Jubiläum
Sie hätten diesen runden Albumgeburtstag jetzt in große Hallen legen können, vor vier Jahren haben sie die Max-Schmeling-Halle in Berlin vollgemacht. Billy Talent haben sich aber für ein sogenanntes "Underplay" entschieden, also einen viel kleineren Ort als möglich.
Das Konzert im Columbia Theater mit seinen "nur" 800 Plätzen wurde keine zwei Wochen vorher angekündigt, Karten gab es erst vor einer Woche. Wer hier ist, für den sind Billy Talent wahrscheinlich Lebensbegleiter, schon vor dem Konzert haben sich viele der Fans Tourshirts gekauft und direkt angezogen.
Für die Band ist die Show ein Selbstläufer: Sänger Ben Kowalewicz, dessen schwarze Strähnen im Gesicht so aussehen, als ob er sie schon vor der Show angeschwitzt hätte, muss nur zwei Töne andeuten, die Crowd übernimmt sofort, dem Sänger huscht ein Grinsen durchs Gesicht.
Absolutes Millennial-Album
Das Angenehme: Billy Talent spielen - oder besser prügeln - das Album gnadenlos runter, ohne große nostalgische Einordnungen oder rührselige Anekdoten, in der Reihenfolge streng nach Original-Tracklist runtergearbeitet.
Ben Kowalewiczs markant hohe, kratzige Stimme im Duett mit der etwas glatteren von Gitarrist Ian D'Sa: Dieser Sound allein holt so vieles bei den Fans hervor. "Billy Talent II", das lief auf dem MP3-Player, dem iPod oder auf CD im ersten eigenen Auto. Es ist eines der prägendsten Rockalben - insbesondere für die Millennials, die sich als Außenseiter gesehen oder gefühlt haben. Alles, bloß nicht beliebig, so wirkt das Publikum auch jetzt, überhaupt nicht wie Fans einer dann doch sehr erfolgreichen Mainstream-Rockband.
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Nach dem gesamten Album "Billy Talent II" spielt die Band nochmal acht weitere Songs als Zugaben. Da merkt man dann auch, dass ihre zweite Platte wirklich musikalisch alles überstrahlt. Ganz kurz wird Sänger Ben Kowalewicz zumindest angedeutet politisch: Bei allem Mist in der Welt solle man freundlich und anständig bleiben.
Billy Talent selbst sind es zumindest bis jetzt geblieben. Die Tickets für dieses sehr exklusive Konzert im Columbia Theater kosteten 40 Euro. Die Hälfte davon, 20 Euro, gehen an die Initiative gegen Multiple Sklerose des ehemaligen Billy-Talent-Drummers Aaron Solowniuk, die dieser nach seiner MS-Diagnose gegründet hat.
Sendung: rbb24 Inforadio, 17.06.2026, 6:55 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 17.06.2026, Bruno Dietel
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