Nach zwölf Jahren Abstinenz wird in Cottbus in dieser Saison wieder Zweitliga-Fußball gespielt. Der Aufsteiger will sich nicht verstecken: Mutig und mit einem Königstransfer visiert Energie den Klassenerhalt an.
Teamcheck Energie Cottbus Gekommen, um zu bleiben - mit Spektakel und einem Königstransfer
Es ist die Saison, auf welche die Lausitz zwölf Jahre gewartet hat. Die Energie-Fans haben gezittert, gehofft, immer wieder Rückschläge in Kauf genommen, aber nie aufgehört zu träumen - von einer Rückkehr in die 2. Liga. Nun sind sie da. Und wollen so schnell auch nicht wieder gehen.
"Wir sind nicht gekommen, um Hallo zu sagen. Wir wollen bleiben", so die Kampfansage von Vereinspräsident Sebastian Lemke für die Saison.
Abgeschrieben und doch aufgestiegen
Es ist kein ganz unrealistisches Ziel. Auch wenn der FCE wohl bei vielen für den direkten Wiederabstieg auf dem Zettel steht, so haben die Brandenburger in den vergangenen Jahren doch immer wieder bewiesen, dass sie für Überraschungen gut sind.
Nach dem Aufstieg aus der Regionalliga vor zwei Jahren gelang ihnen fast der Durchmarsch. Lange führte das Team von Trainerlegende Claus-Dieter Wollitz die 3. Liga an, brach kurz vor dem Ziel aber doch noch ein. Für die Experten war klar: Energie hat eine einmalige Chance verpasst und würde es nun schwer haben.
Doch statt sich davon einschüchtern zu lassen, ging Wollitz auch in der vergangenen Saison ins Risiko und hielt am dominantem und spielerischem Offensivfußball fest. Der war nicht nur schön anzuschauen, sondern auch erfolgreich. Am letzten Spieltag sicherte sich Energie Tabellenplatz zwei und somit den Aufstieg.
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Wir wollen weiterhin Spektakel
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Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz
Mutig in die 2. Liga
Genau so soll es auch eine Klasse höher weitergehen. "Wir wollen weiterhin Spektakel", kündigte Wollitz an. "Wir werden daran nichts ändern. Ob uns das in jedem Spiel gelingt, werden wir sehen."
Ein Vorgeschmack boten die Brandenburger bereits in der Generalprobe am letzten Wochenende. Gegen den Bundesligisten Werder Bremen scheute sich Energie besonders in der ersten Hälfte nicht, die Kontrolle an sich zu reißen und das Spiel technisch anspruchsvoll aufzubauen. Vom hohen Bremer Pressing ließen sie sich nur selten aus der Ruhe bringen und eröffneten stets flach wie kurz.
Ebenso zeigte die Partie allerdings, welche Gefahr diese Spielweise besonders gegen besser aufgestellte Gegner birgt. So kassierte Energie in der 45. Minute den 1:2-Gegentreffer, indem Bremen einen ungenauen Pass im Aufbau kurz vor dem Strafraum abfing und dank eines kurzen Weges zum Tor leichtes Spiel hatte. Am Ende verlor Cottbus das Spiel mit 2:4.
Wollitz kritisiert Mannschaft öffentlich
Noch gibt es also Arbeit. Zumal der ansehnliche Offensiv-Auftritt in diesem letzten Testspiel nicht über eine insgesamt eher schwache Vorbereitung hinwegtäuschen kann. Gegen die Regionalligisten Altglienicke (1:1) und Hertha II (3:1) tat sich Energie bereits schwer. Im Trainingslager setzte es eine 2:4-Pleite gegen den tschechischen Erstligisten Mladá Boleslav und eine 0:5-Niederlage gegen RB Salzburg.
"Ich habe gerade das Gefühl, dass im Moment jeder für sich spielt, nicht so als Mannschaft. Es kann sein, dass der eine dann ein bisschen zufrieden ist aufgrund des Aufstiegs. Und der andere ist mental im Moment ein wenig müde", zeigte sich Wollitz danach schonungslos offen.
Viele Leistungsträger der letzten Saison suchen noch ihre Form, dazu zählen Innenverteidiger King Manu, der ausgeliehene Lukas Michelbrink, der angeschlagene Tolcay Cigerci oder auch die Stürmer Moritz Hannemann und Erik Engelhardt.
Eine emotionale Heimkehr
Dass noch nicht alles rund läuft, lässt sich aber wohl genauso gut auf den Umbruch im Sommer zurückführen. Die Lausitzer waren auf dem Transfermarkt ordentlich aktiv: 14 Spieler haben den Klub verlassen, zehn neue sind gekommen. Darunter ein Königstransfer.
Die Rückkehr von Leonardo Bittencourt ist nicht nur sportlich, sondern auch emotional besonders. Der zentrale Mittelfeldspieler begann im Alter von sechs Jahren bei Cottbus mit dem Fußballspielen, während sein Vater Franklin bei den Profis aktiv war. 2011 feierte Sohn Leo in der 2. Bundesliga sein Profi-Debüt, schon damals unter Trainer Pele Wollitz.
Der 6-jährige Leonardo Bittencourt auf den Schultern seines Vaters Franklin (imago images/Contrast)
Es folgten Stationen bei Borussia Dortmund, Hannover 96, dem 1. FC Köln, der TSG Hoffenheim und dem SV Werder Bremen, bevor es nach 14 Jahren in fremden Trikots und mit 304 Bundesliga-Spielen Erfahrung in den Beinen dorthin zurückging, wo alles begann. "Dass uns das gelungen ist, lag auch an ihm, weil er unglaublich dazu beigetragen hat. Außerdem hat uns ein Sponsor unterstützt, in dieser Größenordnung habe ich das bei Energie auch noch nicht erlebt", erklärte Wollitz.
Cottbus als Bundesliga-Talentschmiede?
Mit Lucas Copado hat zudem ein weiterer Trainerliebling seinen Weg zurück in die Lausitz gefunden. Der Stürmer war in der Saison 2024/25 aus Linz an Cottbus ausgeliehen, steuerte in 36 Pflichtspielen sieben Tore und sechs Vorlagen bei.
Anschließend wechselte der Offensivspieler nach Paderborn, wo er jedoch keinen Durchbruch erlebte. "Lucas macht unfassbar viele intensive Meter, hat ein ausgezeichnetes Anlaufverhalten und ist dazu noch torgefährlich", so Wollitz. "Das passt zu dem, was wir spielen wollen."
Auch für die jungen, hungrigen Spieler ist gesorgt. Mit Luca Erlein von Bayer Leverkusen und Fousseny Doumbia von Eintracht Frankfurt sicherte sich Energie zwei Defensivjuwelen auf Leihbasis. Dass die beiden Bundesligisten Cottbus ihre Talente anvertrauen, adelt die Arbeit von Wollitz und seinem Team in den vergangenen Jahren.
Auftakt gegen Hannover
Wie weit Energie Cottbus in der 2. Liga nach dem Umbruch und mit der mutigen Spielweise tatsächlich kommen wird, lässt sich schwer vorhersagen. Die erste Standortbestimmung steht am Sonntag (13:30 Uhr) an.
Zum Auftakt empfängt der FCE Hannover 96 im Leag Energie Stadion, das im Sommer mit Unterstützung des Landes Brandenburg gerade noch rechtzeitig fit für die 2. Liga gemacht wurde und in dem sich – egal was auf dem Rasen passiert – die Sehnsucht einer ganzen Region nach Zweitligafußball in einer großen rot-weißen Party entladen wird.
Sendung: rbb|24, 05.08.2026, 16:20 Uhr
Audio: rbb|24, 05.08.2026, Lukas Witte
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